t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
Such IconE-Mail IconMenĂŒ Icon



HomeWirtschaft & FinanzenAktuelles

Ungeliebter Streik am Bau endet mit Tarifeinigung


Gewerkschaften
Ungeliebter Streik am Bau endet mit Tarifeinigung

Von dpa
Aktualisiert am 29.05.2024Lesedauer: 3 Min.
BauVergrĂ¶ĂŸern des BildesEin Bauarbeiter beim Bau eines Mehrfamilienhauses im Neubaugebiet Kronsrode, Niedersachsen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)
Auf WhatsApp teilen

Nach geplatzter Schlichtung und zweieinhalb Wochen Warnstreiks einigen sich die Tarifpartner am Bau doch noch. Am Ende steht ein Kompromiss, der eine Gruppe schneller ans Ziel bringt.

Rund 30.000 streikende Bauarbeiter und interner Ärger bei den Arbeitgebern: Im deutschen Bauhauptgewerbe ist ein Tarifstreit beendet worden, den in dieser Form niemand gewollt hat. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt hat sich mit den Arbeitgebern auf ein Vertragswerk geeinigt, das rĂŒckwirkend vom 1. April 2024 ĂŒber drei Jahre gĂŒltig sein soll. Der Vorschlag soll bis zum 14. Juni in den Gremien beraten werden. Bis dahin seien die Arbeitskampfmaßnahmen ausgesetzt, teilten beide Seiten gemeinsam mit.

FĂŒr die ersten beiden Jahre liegt der Abschluss ĂŒber den Empfehlungen des Schlichters Rainer Schlegel. Im dritten Jahr kommt die eigentlich erst fĂŒr Dezember 2026 verabredete vollstĂ€ndige Angleichung der Ostlöhne ans Westniveau nun acht Monate frĂŒher zum 1. April 2026. Zudem wird die unterste Lohngruppe 1 als Mindestlohn wieder eingefĂŒhrt und ĂŒberproportional angehoben.

Lohnangleichung Ost kommt schneller

In einem ersten Schritt steigen sĂ€mtliche MonatsgehĂ€lter pauschal um 230 Euro sowie um 1,2 Prozent im Westen und 2,2 Prozent im Osten. In der Lohngruppe 1 gibt es auch im Westen 2,2 Prozent, sodass das Mindestmonatsgehalt eines Bauarbeiters auf gut 2500 Euro steigt. Die zweite Stufe sieht zum 1. April nĂ€chsten Jahres 4,2 Prozent mehr im Westen und 5,0 Prozent im Osten sowie fĂŒr die Gruppe 1 vor. Ein Jahr spĂ€ter steigen dann die Westlöhne um 3,9 Prozent und die im Osten vollstĂ€ndig auf das Westniveau. Dieser Schritt war im vorangegangenen Tarifvertrag erst zum 1. Dezember 2026 verabredet gewesen.

Der Chef der IG Bauen Agrar Umwelt, Robert Feiger, wertete die Einigung als Erfolg der Warnstreiks. "Dieses Ergebnis liegt im Volumen oberhalb des Schlichterspruches, das haben wir immer gefordert. Es waren die BaubeschÀftigten, die sich dieses Ergebnis erstreikt haben." Er werde den gewerkschaftlichen Gremien die Annahme empfehlen. Laut IG BAU haben sich in den zweieinhalb Wochen rund 30.000 BeschÀftigte an den Warnstreiks beteiligt. Zielscheibe waren die unterschiedlichsten Betriebe, zuletzt in Hamburg.

Arbeitgeber uneins ĂŒber Schlichterspruch

Die in zwei VerbÀnde unterteilten Arbeitgeber hatten den Schlichterspruch abgelehnt, obwohl eine Vielzahl der LandesverbÀnde ihm eigentlich zustimmen wollte. Im handwerklich geprÀgten Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) wurde das bei einer Schlichtung verlangte Quorum von 85 Prozent Zustimmung nur knapp verfehlt, sodass am Ende eine kleine Gruppe den Konflikt zuspitzte. Im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hatten alle VerbÀnde dem Schlichterspruch zugestimmt.

Bei der IG BAU frohlockten einige ĂŒber den "Betriebsunfall" im Arbeitgeberlager, der aus ihrer Sicht zwingend in den Streik und schließlich zu einem besseren Abschluss fĂŒhren musste. Die Gewerkschaft hatte dem Schlichterspruch des frĂŒheren PrĂ€sidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, lĂ€ngst zugestimmt. Nach seinen Vorgaben sollten die Einkommen zum Mai pauschal um 250 Euro steigen und elf Monate spĂ€ter noch einmal 4,15 Prozent im Westen und 4,95 Prozent im Osten. Beides wurde nun ĂŒbertroffen und mit der vorzeitigen Lohnangleichung zwischen Ost und West garniert.

Satzungsdiskussion im Baugewerbe

Dem VerhandlungsfĂŒhrer der Arbeitgeber, Uwe Nostitz vom ZDB, war dennoch eine gewisse Erleichterung anzumerken, dass der Tarifkonflikt nun friedlich endet. "Je schneller sich unsere Betriebe mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder gemeinsam auf das Bauen konzentrieren können, desto besser fĂŒr die gesamte Branche", sagte er. Der Schlichterspruch habe auch handwerkliche Fehler etwa bei den AusbildungsvergĂŒtungen gehabt, die nun behoben seien, sagte ZDB-TarifgeschĂ€ftsfĂŒhrer Heribert Jöris.

Gleichwohl hat im ZDB die Diskussion Fahrt aufgenommen, ob die Satzung in Bezug auf die Schlichtung noch zeitgemĂ€ĂŸ ist. Die HDB-VizeprĂ€sidentin Jutta Beeke betonte in einer ersten Reaktion die lange Laufzeit von drei Jahren. Das verschaffe den Unternehmen bei angespannter Auftragslage Planungssicherheit.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...



TelekomCo2 Neutrale Website