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Volkswagen: Deutlich höhere Investitionen in Nachhaltigkeit


Deutlich höhere Investitionen
So will Volkswagen in Zukunft Gewinn machen


14.03.2023Lesedauer: 4 Min.
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VW-Logo (Symbolbild): Volkswagen setzt für die Zukunft auf Elektroautos, doch bislang machen die nur einen kleinen Anteil ihrer Fahrzeuge aus. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Volkswagen macht Gewinn – trotz weniger ausgelieferten Autos. Was das für die Zukunft des Konzerns heißt.

Zwar machte Volkswagen im Jahr 2022 unterm Strich Gewinn, aber Deutschlands größtes Unternehmen verkaufte deutlich weniger Autos als zuvor – und vor allem Verbrenner. Dabei soll die Zukunft des Unternehmens elektrisch sein, wie Vorstandschef Oliver Blume bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag betonte. Deshalb wolle das Unternehmen einen großen Teil des Investitionsvolumens der kommenden fünf Jahre in den Aufbau der Batteriezellfertigung und die Entwicklung von E-Autos stecken.

An den Märkten kam das weniger gut an. Die Volkswagen-Aktie fiel am Dienstagmorgen auf den tiefsten Stand seit Ende Januar. Analysten störten sich am höheren jährlichen Investitionsplan und vor allem an einer schwachen Marge von 6,6 Prozent, die hinter der Prognose mit 7,1 Prozent zurückblieb.

Insgesamt hat VW 2022 knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr erwirtschaftet, der Nettoertrag stieg auf 15,84 Milliarden Euro. Sonderfaktoren herausgerechnet, lag der Betriebsgewinn bei 22,12 Milliarden Euro, was einem Plus von 15 Prozent entspricht. Der Konzernumsatz legte von 250,2 Milliarden auf 279,2 Milliarden Euro zu. Finanzvorstand Arno Antlitz sprach von "robusten Zahlen" in einem schwierigen Umfeld.

Weniger ausgelieferte Fahrzeuge

Dass die Gewinne 2022 gestiegen waren, lag auch an Preiserhöhungen für etliche Automodelle. Denn der Konzern mit Marken wie VW-Pkw, Audi, Porsche, Skoda und Seat lieferte in Summe deutlich weniger Autos aus. Insgesamt sank die Anzahl um sieben Prozent auf knapp 8,3 Millionen Fahrzeuge. Als Hauptgründe führt VW dafür die anhaltenden Lieferprobleme durch regionale Corona-Lockdowns in China an. Das betraf vor allem Elektronik und manche Rohstoffe. Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine war zudem die Produktion von Kabelbäumen in der Ukraine zeitweise unterbrochen.

Das hatte im vergangenen Jahr auch dazu geführt, dass Kunden lange auf ihre bestellten Autos warten mussten. Das soll sich 2023 ändern – für die zweite Jahreshälfte rechnet die Branche wieder mit ausreichender Versorgung mit Halbleitern. Dementsprechend peilt VW die Auslieferung von 9,5 Millionen Fahrzeugen an.

Blume: "Sehe mich als Dienstleister"

Es ist die erste Berichtssaison für Oliver Blume in Doppelfunktion. Seit September führt er neben Porsche auch Volkswagen. "Die Doppelrolle zahlt sich aus", lautet seine Zwischenbilanz. Er sei durch seine Tätigkeit bei Porsche noch näher am Produkt und den Mitarbeitern. Das helfe. Die VW-Tochter Porsche hatte schon am Montag ihre Zahlen vorgelegt (mehr dazu lesen Sie hier).

Er wolle keinen Vergleich zu seinem Vorgänger an der VW-Spitze, Herbert Diess, ziehen. Doch seine Selbst-Charakterisierung können Zuhörer durchaus so verstehen, als wolle er sich abgrenzen. "Ich sehe mich eher als Dienstleister", sagte er auf Nachfrage. Zudem sei er ein "klarer Stratege", der in kürzeren Zeiträumen denke. Er wüsste nicht, wie die Welt in hundert Jahren aussehen werde, aber er habe eine konkrete Vorstellung von den kommenden zehn Jahren.

Zwei Drittel der Investitionen für Nachhaltigkeit

Für die Zukunft hat VW einen Zehn-Punkte-Plan erstellt. Vorstandschef Blume hob aus dieser Liste vor allem die Stärkung der Marken und den Ausbau des Engagements im Bereich Nachhaltigkeit hervor. Konkret heißt das: Mehr als zwei Drittel der Investitionen in den kommenden Jahren sollen in Elektromobilität und Digitalisierung fließen. Von den bis 2027 geplanten Investitionen in Höhe von 180 Milliarden Euro entfallen so 122 Milliarden Euro auf diese Bereiche. In der vergangenen Investitionsperiode lag der Anteil noch bei 56 Prozent.

2022 machten die ausgelieferten rein elektrischen Fahrzeuge sieben Prozent der Autos aus – der bisherige Höchstwert. Damit ist VW noch weit von den selbstgesteckten Zielen entfernt, denn bis 2025 soll jedes fünfte verkaufte Fahrzeug weltweit elektrisch angetrieben sein. Für 2023 peilt das Unternehmen eine Marke von zehn Prozent E-Autos an.

Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, aber auch die geopolitischen Spannungen haben VW zudem dazu veranlasst, in die Batterieproduktion einzusteigen. Das gerade im Bau befindliche Werk in Salzgitter soll als Modell für weitere Werke dienen und so einen standardisierten Aufbau und anschließende Produktion ermöglichen. Ab 2025 sollen in Salzgitter Batterien gebaut werden. Geplant sind bereits weitere Standorte in Valencia und, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab, im kanadischen St. Thomas.

Keine Abkehr von China

Es ist ein entscheidender Schritt in Richtung Unabhängigkeit von einzelnen Märkten. Denn aktuell erfolgt die Batteriezellfertigung zu 95 Prozent in Asien – bislang sind deutsche Autobauer davon abhängig.

"Unser Geschäftsmodell basiert auf freiem Welthandel, funktionierenden Lieferketten und bezahlbaren Energiekosten", betont Blume. Doch das kann sich rechen, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben.

Ganz von China lassen, kann und will VW aber nicht. Immerhin handelt es sich um einen der wichtigsten Absatzmärkte. Stattdessen verfolge VW nun die Strategie "In China für China". So soll vor Ort für den chinesischen Markt produziert werden. Eine neue Unternehmenskooperation im Rahmen eines Joint Ventures etwa soll die Elektrifizierung vorantreiben.

Stärkere Bindung an Nordamerika

Großes Potenzial sieht VW zudem in Nordamerika. Schon vor der Entscheidung für das Batteriezellwerk in Kanada hatte sich der Konzern für einen Standort im US-amerikanischen North Carolina entschieden.

Dort sollen künftig 4.000 Mitarbeiter elektrische Trucks des Modells Scout bauen. Bei Vollauslastung sollen jährlich 200.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Der Spatenstich ist für Mitte 2023 geplant, der Produktionsbeginn für Ende 2026.

Verwendete Quellen
  • Pressekonferenz Volkswagen
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