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Donald Trump erklärt seinen Notenbankchef zum Feind


Kritik an Zinspolitik  

Trump erklärt seinen Notenbankchef zum Feind

23.08.2019, 19:31 Uhr | rtr

Donald Trump erklärt seinen Notenbankchef zum Feind. Jerome Powell: Der US-Notenbankchef sieht den Handelskonflikt mit China kritisch. (Quelle: AP/dpa/Manuel Balce Ceneta)

Jerome Powell: Der US-Notenbankchef sieht den Handelskonflikt mit China kritisch. (Quelle: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)

Leitzins senken oder nicht? Die US-Notenbank ringt weiter mit sich. Donald Trump hat dafür kein Verständnis. Der US-Präsident hätte die Zinsen längst massiv gesenkt. Bei Twitter attackiert er Notenbankchef Jerome Powell massiv.

US-Präsident Donald Trump hat nach einer mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell seine Kritik am obersten Währungshüter der USA verschärft. "Meine einzige Frage lautet, wer ist unser größerer Feind, Jay Powel (sic) oder der Vorsitzende Xi?", twitterte Trump am Freitag unter Hinweis Chinas Präsident Xi Jinping, wobei er den Namen von Powell falsch schrieb. "Wie üblich tat die Fed NICHTS!"

Powell gab kurz zuvor bei seinem Auftritt auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole nur wenige Hinweise darauf, ob die Fed im September erneut ihre Zinsen senken wird. Er stellte zwar in Aussicht, dass die Notenbank angemessen handeln werde, um den US-Konjunkturaufschwung zu stützen. Trotz mehrerer Risiken sieht er die US-Wirtschaft aber weiterhin in einer "günstigen Position."

Experten erwarten baldige Zinssenkungen

Der Dax und der EuroStoxx verbuchten Verluste. Die US-Indizes notieren ebenfalls schwächer. "Die Nachricht, die er verbreitet, lautet, wir werden wachsam sein und alle Entwicklungen beobachten", sagte Sean Simko, Leiter Global Income Management beim Investmenthaus Sei Investments.

Aus Sicht von Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, ist es wegen der politischen Entwicklung und der bereits festgefügten Markterwartungen allerdings zunehmend wahrscheinlich, dass die Fed im September die Zinsen nach unten setzen wird. "Bis zum Jahresende 2019 rechnen wir insgesamt mit maximal zwei weiteren Leitzinssenkungen," so Burkert

Die US-Wirtschaft habe sich alles in allem weiterhin gut entwickelt, sagte Powell in seiner Rede. Zwar hätten sich die Investitionen und die Industrieaktivitäten abgeschwächt. Eine solides Jobwachstum und steigende Löhne würden jedoch einen robusten Konsum antreiben und ein moderates Wachstum unterstützen. Powell kam auch auf mehrere ökonomische Risiken zu sprechen. Viele davon hingen mit den US-Handelskonflikten mit China und anderen Ländern zusammen, sagte er.

Trump fordert immer wieder Zinssenkungen

Die Dollar-Wächter stecken momentan in einer schwierigen Lage. Trump setzt die politisch unabhängige Notenbank schon seit langem unter Druck, die Geldpolitik zu lockern. Der Schritt im Juli ging ihm nicht weit genug. Erst am Montag forderte er eine Zinssenkung um mindestens einen vollen Prozentpunkt. Am Finanzmarkt wird mittlerweile fest erwartet, dass die Fed auf ihrer Zinssitzung Mitte September und mindestens noch ein weiteres Mal in diesem Jahr die Zinsen nach unten setzt.

Die Notenbank hatte Ende Juli erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Damit reagierte sie auf den Handelskonflikt mit China, der zusehends auf die Weltkonjunktur und die heimische Wirtschaft durchschlägt.

Notenbanker erwartet niedrigere Zinsen

Noch vor Powells Rede äußerten sich weitere hochrangige US-Notenbanker anlässlich der Konferenz in Jackson Hole in Fernsehinterviews zur Geldpolitik. Nach Einschätzung des Präsidenten des Fed-Ablegers von St. Louis, James Bullard, wird die Fed im kommenden Monat intensiv über eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt debattieren. "Ich denke, das wird auf den Tisch kommen", sagte Bullard dem Sender Bloomberg TV.


Bullards Kollegin Loretta Mester, Chefin der Fed-Filiale von Cleveland, geht nach eigenen Worten ohne Festlegung in das nächste geldpolitische Treffen. "Derzeit, wenn die Wirtschaft sich weiter wie bisher entwickelt, würde ich wahrscheinlich sagen, dass wir die Dinge so lassen sollten wie sie sind."

Aus Sicht des Präsidenten des Fed-Ablegers von Dallas, Robert Kaplan, ist es nicht die Geldpolitik, die die Wirtschaft derzeit belastet. "Das ist die Unsicherheit im Handel. Das ist in einem gewissen Ausmaß wahrscheinlich die Immigrationspolitik", sagte er Bloomberg TV. Bereits am Donnerstag hatte sich die Chefin der Notenbank von Kansas City, Esther George, dafür ausgesprochen, momentan nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur Reuters

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