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Diese Rolle spielt Elon Musk bei der Bitcoin-Achterbahn


Chaos an den Finanzmärkten  

Darum lässt Musk den Bitcoin-Kurs abstürzen

18.05.2021, 09:42 Uhr
Diese Rolle spielt Elon Musk bei der Bitcoin-Achterbahn. Elon Musk: Die Tweets des Tesla-Gründers sind gefürchtet. (Quelle: imago images/Papercut Films/Everett Collection)

Elon Musk: Die Tweets des Tesla-Gründers sind gefürchtet. (Quelle: Papercut Films/Everett Collection/imago images)

Tesla-Chef Elon Musk twittert und der Bitcoin rauscht unsanft in die Tiefe. Ein Verdacht drängt sich auf: Verfolgt Musk mit seinen Bitcoin-Äußerungen kalkuliert wirtschaftliche Ziele?

Elon Musk, der wohl schillerndste Unternehmer der Welt, gibt sich schon länger nicht nur mit der Rolle als Chef beim E-Autobauer Tesla zufrieden. Mit seiner Raumfahrtfirma Space X stellt er sich als innovativer Visionär dar, der die Welt ins All erweitern will. Seit Kurzem aber scheint der Milliardär ein weiteres Interesse zu haben: Kryptowährungen wie Bitcoin.

Freuten sich viele Kryptofans darüber zunächst, sind sie nun vom Tesla-Chef und selbsternannten "Technoking" enttäuscht. Denn: In den vergangenen Tagen hat der Milliardär immer wieder gezeigt, wie sprunghaft er sein kann – und welche Gewalt ein einziger Tweet von ihm hat. Innerhalb weniger Stunden ließ er den Kurs der größten Kryptowährung Bitcoin abrauschen und hob die unbekannte Spaß-Währung Dogecoin aus der Bedeutungslosigkeit hervor.

Warum hat Elon Musk so viel Macht an den Finanzmärkten?

Zuallererst: Der Tesla-Chef hat eine große Fangemeinde, die den 49-Jährigen teilweise regelrecht vergöttert – und die er über die sozialen Medien geschickt anzusprechen weiß. Auf Twitter erreicht Musk allein 55 Millionen Follower, fast zehn Millionen Menschen mehr als Spanien Einwohner hat.

Tesla

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Und viele dieser Twitter-Nutzer teilen die Beiträge des exzentrischen Multimilliardärs fleißig. So verbreiteten bereits mehr als 127.000 Menschen Musks Tweet, in dem sich Tesla von der Kryptowährung Bitcoin abgewandt hatte.

Musk stellt sich auf Twitter als innovativer Vordenker dar, als einer, der die Umwelt schützt, zukunftsfähige Technologien unterstützt und dabei noch außerordentlich erfolgreich ist. Was ihn für viele sympathisch macht: Musk gibt sich nahbar, ganz anders als etwa Techmogule wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg oder Microsoft-Gründer Bill Gates.

Großer Fantrubel: Bei einem Besuch in Tübingen wollten viele Deutsche ein Foto mit dem Tesla-CEO. (Quelle: imago images/Ulmer Pressebildagentur)Großer Fantrubel: Bei einem Besuch in Tübingen wollten viele Deutsche ein Foto mit dem Tesla-CEO. (Quelle: Ulmer Pressebildagentur/imago images)

Hinzu kommt: Musk hat mit seinem privaten Vermögen und dem seiner Firmen unglaublich viel Geld zur Verfügung. Allein der Hinweis, dass er in eine bestimmte Aktie investieren könnte, reicht deshalb aus, damit die Kurse in die Höhe schnellen.

Dies bewies er unter anderem bei dem Hype um die Gamestop-Aktie Anfang des Jahres 2021. Ein Wort – "Gamestonk!" – reichte damals aus, um die Aktie der strauchelnden Videospielkette weiter durch die Decke schießen zu lassen. Und bei Aktien war nicht Schluss: Ähnlichen Einfluss nimmt der Tesla-Chef auch bei Kryptowährungen.

Was hat Musk mit Bitcoin zu tun?

Eine der Kryptowährungen, die Musk besonders unterstützte, war bis zuletzt der Bitcoin. Die größte Kryptowährung der Welt fand anfangs großen Anklang beim Tesla-Chef – er setzte sogar den Hashtag #bitcoin in sein Twitter-Profil und ließ den Kurs so im Januar um 20 Prozent steigen. 

Kurz darauf demonstrierte er die Macht seines Geldes: 1,5 Milliarden Dollar investierte Musk über Tesla in Bitcoin und gab an, die Kryptowährung als Zahlungsmittel für seine E-Autos zu akzeptieren.

Das freute nicht nur den Bitcoin-Kurs, der nach der Meldung um weitere 15 Prozent in Höhe stieg. Auch die Bilanz des eigentlichen Autoherstellers hübschten die Bitcoin-Gewinne ordentlich auf. Kritiker machten damals deutlich, dass der ursprüngliche Autobauer vor allem wegen der Kryptowährung und seiner Umwelt-Zertifikate schwarze Zahlen schrieb (mehr dazu hier).

Doch die Freude hielt nicht lange an, inzwischen scheint sie ganz verflogen. Denn jüngst legte Musk eine Kehrtwende beim Bitcoin hin.

Wieso stellt sich Musk nun gegen Bitcoin?

Das ist die Frage, die seit Mitte Mai nicht nur Kryptofans, sondern auch Anleger und Investoren beschäftigt. Am 13. Mai twitterte Musk überraschend, dass Tesla nach nur drei Monaten Bitcoin doch nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert.

Seine offizielle Begründung: Die Kryptowährung sei nicht nachhaltig genug, weil sie zu viel Strom verbrauche. Der Bitcoin verlor daraufhin binnen weniger Tage 20 Prozent an Wert.

Tatsächlich ist der ökologische Fußabdruck der Kryptowährung nicht klein. Durch die aufwendige Mining-Technologie, mit der neue Bitcoins entstehen, hat der Bitcoin einen hohen Stromverbrauch (mehr dazu hier). Viele Miningfarmen stehen daher in Ländern mit günstigen Strompreisen, etwa in China.

Zeitgleich ist der Anteil der Kohleenergie in diesen Ländern höher. Umweltschützer kritisieren das aber schon seit Jahren – zwischen Musks großer Begeisterung für Bitcoin am Anfang des Jahres und seinen plötzlichen Umweltbedenken hat sich an der Faktenlage wenig verändert. Tatsächlich machte Musk in einem Tweet sogar deutlich, dass Tesla seine Bitcoins nicht verkaufen werde. Dafür nennen ihn Experten aus der Szene nun einen Heuchler, der seinen eigenen Prinzipien nicht folgt. 

Das Timing von Musks Tweet lässt eher eine andere Vermutung aufkommen. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters bewirbt sich Tesla als eines von acht Unternehmen um Zugang zum "renewable credit market", zum Markt mit Erneuerbare-Energie-Zertifikaten, der in den USA milliardenschwer ist. Sollte Tesla hier den Zuschlag erhalten, müssten andere Unternehmen, etwa aus der Ölindustrie, die Zertifikate von Tesla abkaufen, um ihre Umweltbilanz zu verbessern.

Damit liegt eine Vermutung nahe: In Anbetracht von Bidens Ziel der "Null-Emissionen" könnte sich eine offene Unterstützung einer vergleichbar schmutzigen Währung wie Bitcoin negativ auf einen solchen Bewerbungsprozess auswirken. Davon spricht Musk selbst allerdings nicht: Er verweist vielmehr darauf, dass er in der eigentlichen Spaß-Währung Dogecoin, die er mit seinen Tweets aus dem Nichts geholt hat, die Zukunft sieht.

Was hat es mit Musk und Dogecoin auf sich?

Der Tesla-Chef nennt sich selbst seit Neuestem "Dogefather", in Anlehnung an den Dogecoin. Gemeint ist damit eine Kryptowährung, die zwei Programmierer als Parodie auf den Bitcoin-Hype entwickelten und mit der sie lange Zeit keinen Anspruch auf eine tatsächliche Vorherrschaft in der Krypto-Finanzwelt hegten. Im Vergleich zum Bitcoin ist der Dogecoin fast wertlos.

Musk gibt sich dennoch als Fan des Dogecoins – sehr zum Unmut von Jackson Palmer, einem der Dogecoin-Gründer. Auf Twitter nannte er Musk zuletzt einen "selbstsüchtigen Gauner", nachdem der Tesla-Chef sich von Bitcoin abwandte. Mittlerweile ist der Tweet gelöscht, da Palmer nach eigener Aussage "das ruhige Leben genieße". Palmer ist nach eigenen Angaben nicht mehr in Dogecoin oder dem Kryptomarkt im Allgemeinen involviert.

Musk hatte der Spaßwährung zu enormem Auftrieb verholfen, hat ihr mit seinen unüberlegten Bemerkungen aber auch übel mitgespielt. Nach schwindelerregenden Kursaufstiegen ließ er den Dogecoin-Wert rasant einbrechen, als er den Coin in einer Fernsehsendung einen "hustle" nannte – im Deutschen etwa mit Schwindelei zu übersetzen. 

Es scheint: Der Multimilliardär nutzt die Kryptowährung wie ein Spielzeug, während viele seiner Kleinanleger-Fans investiert sind und die Folgen solch extremer Kursschwankungen zu spüren bekommen.

Was hat Musk mit Dogecoin vor? 

Musk erweckt den Anschein, große Pläne für den Dogecoin zu haben: Ebenfalls auf Twitter gab er bekannt, mit den "Entwicklern von Dogecoin zusammenzuarbeiten, um die Effizienz der Transaktionen zu verbessern". 

Musk ist dafür bekannt, in bestehende Unternehmen einzusteigen und sie mit seinem Marketing und seiner Person großzumachen. Auch Tesla hat Musk nicht selbst gegründet – 2004 nahmen ihn die Gründer Martin Eberhard und Marc Tarpenning in den Tesla-Vorstand auf. 

Musk hat bereits angedeutet, wie er verfahren könnte, wenn die Umstrukturierung von Dogecoin nicht nach seinen Wünschen läuft. Auf die Frage eines Fans, warum er nicht seine eigene Kryptowährung entwickle, antwortete der Tesla-Chef: "Nur, wenn Doge es nicht kann. Es ist immer so umständlich, selbst eine neue zu erstellen." 

Inwiefern er das überhaupt kann, ist ungewiss. Zumindest seine Verteuflung des Bitcoins passt aus der Sicht des Klimaschutzes nicht mit seiner Unterstützung des Dogecoins zusammen, wie der niederländische Ökonom und Blockchain-Experte Alex de Vries betont.

Denn auch Dogecoin basiert auf einem Verfahren, das für die Erstellung neuer Coins sehr viel Energie benötigt. Umso mehr Blöcke in der Blockchain aneinandergereiht sind, je größer die Währung also wird, desto mehr Strom verbraucht die Technologie. "Wenn Dogecoin denselben Wert wie Bitcoin hätte, wäre es genauso schlecht", erklärt de Vries in einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin "The Verge". 

Deutlich umweltfreundlicher sind dagegen Währungen, die mit anderen Prozessen arbeiten, etwa Cardano (mehr dazu hier) oder Polkadot. Doch diese aufsteigenden Währungen haben bisher noch nicht das Interesse von Elon Musk wecken können.

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