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IKB: Klamme Bank ködert mit hohem Zins

Klamme Bank ködert mit hohem Zins

06.01.2012, 12:23 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

IKB: Klamme Bank ködert mit hohem Zins. Die IKB muss derzeit hohe Zinsen bieten (Quelle: dpa)

Die IKB muss derzeit hohe Zinsen bieten (Quelle: dpa)

Die Skandalbank IKB lockt Sparer mit ungewöhnlich hohen Zinsen: Wer sich für drei Jahre festlegt, bekommt vier Prozent pro Jahr - ein Top-Wert. Doch hinter dem Angebot steckt möglicherweise ein Problem: Die Bank kommt auf anderem Wege nur schwer an frisches Geld.

Sie war die erste deutsche Bank, die in der Finanzkrise vor der Pleite gerettet werden musste. Viereinhalb Jahre ist das nun her. Doch richtig erholt hat sich die IKB immer noch nicht. Die Düsseldorfer Bank, die inzwischen dem US-Finanzinvestor Lone Star gehört, ist offenbar erneut knapp bei Kasse. Und weil sie am Finanzmarkt anscheinend kaum noch an frisches Geld kommt, leiht sie es sich eben von den Privatkunden - zu ziemlich hohen Zinsen.

Vier Prozent für drei Jahre fest

Über ihr Online-Angebot IKB direkt bietet die Bank allen Sparern, die ihr Geld für drei Jahre bei ihr festlegen, vier Prozent Zinsen pro Jahr. Das ist viel in diesen Zeiten, in denen der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei einem Prozent liegt. Von der Zeitschrift "Finanztest" erhielt die IKB deshalb in der Januarausgabe das Prädikat "Testsieger".

In der Tat können sich die Kunden der Bank über die hohen Zinsen freuen. Sorgen müssen sie sich kaum. Schließlich ist die IKB Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken - und der schützt laut Auskunft des Bankenverbandes alle Sicht-, Termin- und Spareinlagen bis zu 654,75 Millionen Euro pro Kunde. Das dürfte für die meisten Sparer ausreichen.

Hohe Zinsen als Alarmzeichen

Die IKB ist zudem nicht das einzige Institut, das sich derzeit um das Geld der Privatkunden bemüht. Mit vergleichbaren Angeboten locken zum Beispiel auch die Bank of Scotland und der deutsche Ableger der russischen VTB. Doch die extrem hohen Zinsen sind ein Alarmzeichen. Sie zeigen, wie dringend das Institut auf das Kapital der Sparer angewiesen ist.

Dass die IKB knapp bei Kasse ist, ist kein Geheimnis. Schon im Ende November veröffentlichten Geschäftsbericht heißt es: "Eine wichtige Herausforderung für die IKB stellt eine ausreichende Finanzierung für die geplanten Geschäftsaktivitäten und die Rückführung ausstehender Anleihen dar."

Vor allem Anleihen im Portfolio

Die Bank hat sich seit Beginn der Krise vor allem mit Anleihen finanziert, die durch den staatlichen Rettungsfonds SoFFin garantiert wurden. Doch den SoFFin gibt es seit Ende 2010 nicht mehr. Und bis Februar kommenden Jahres laufen alle alten IKB-Papiere mit Staatsgarantie aus. Insgesamt 7,3 Milliarden Euro muss die Bank bis dahin zurückzahlen. Doch woher nehmen? Die ersten 1,2 Milliarden Euro werden bereits am 27. Januar fällig, also in knapp drei Wochen.

Am Finanzmarkt bekommt die Bank derzeit offenbar kaum frisches Geld - zu groß ist das gegenseitige Misstrauen in der Branche und zu heikel wohl die Lage der IKB. So türmen sich in den Geschäftsbüchern zum Beispiel noch immer italienische Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Im Ende September ausgelaufenen Geschäftshalbjahr stand ein Verlust von 312 Millionen Euro zu Buche.

Bank verweist auf Geschäftsbericht

"Geschäfte macht mit denen schon länger kaum jemand mehr", sagt ein Brancheninsider. Eine IKB-Anleihe ohne SoFFin-Garantie, die noch vor der Krise ausgegeben wurde, wird am Markt derzeit mit mehr als 35 Prozent Abschlag zum Ausgabekurs gehandelt - die Anleger schätzen das Risiko, ihr Geld nicht zurückzubekommen, also als extrem hoch ein.

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Die Bank selbst gibt sich bei dem Thema wortkarg. Auf Anfrage verweist ein Sprecher auf den letzten Geschäftsbericht. Dort ist zu lesen, die IKB sei durch die SoFFin-Anleihen, den Verkauf von Wertpapieren und die "Hereinnahme von Kundeneinlagen" noch "bis weit in das Jahr 2012 auch ohne Zugang zur Kapitalmarktrefinanzierung auskömmlich mit Liquidität versorgt". Auch ein "temporärer unerwarteter Liquiditätsbedarf" sei so zu überbrücken. "Aus unserer Sicht hat sich seitdem nichts geändert", heißt es bei der Bank.

Keine Auskunft von offiziellen Stellen

Die Finanzaufsicht BaFin teilte auf Anfrage mit, sich grundsätzlich nicht zur Situation einzelner Institute zu äußern. Auch das Bundesfinanzministerium will zur Geschäftspolitik der Bank keine Auskünfte geben, verweist jedoch darauf, dass die IKB "wie alle Banken in Deutschland strengen Regeln und der Kontrolle der Bankenaufsicht" unterliege. "Bis zum Auslaufen der vom SoFFin garantierten Anleihen unterliegt sie darüber hinaus der spezifischen Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung."

Eine mögliche Finanzierungsquelle für klamme Institute ist in diesen Tagen die Europäische Zentralbank (EZB). Die versorgt die Geschäftsbanken Europas derzeit so üppig und billig mit Geld, dass die meisten von ihnen keine Liquiditätssorgen mehr haben. In einem bisher einmaligen Geschäft verlieh die EZB kurz vor Weihnachten fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre - und das zu einem Mini-Zins von einem Prozent. Statt Sparern für den gleichen Zeitraum vier Prozent Zinsen zu bieten, hätte die IKB also einfach hier zugreifen können.

Notenbankfähige Sicherheiten fehlen

Allerdings verlangt die EZB für das Geld sogenannte notenbankfähige Sicherheiten. Dazu zählen vor allem Staatsanleihen, aber zum Beispiel auch Bankschuldverschreibungen. Wer davon nicht genug hat, bekommt kein Geld. Als Mittelstandsbank hat die IKB vor allem Unternehmenskredite in ihren Büchern. Die können zwar grundsätzlich auch als notenbankfähige Sicherheiten anerkannt werden - doch die Prüfung durch die Bundesbank ist aufwendig und führt nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Als letzte Möglichkeit stünde der IKB bald wieder der staatliche Rettungsfonds offen. Die Bundesregierung hat im Dezember bereits beschlossen, den SoFFin in diesem Jahr wiederzubeleben, um strauchelnde Banken aufzufangen. Nur der Bundestag und der Bundesrat müssen noch zustimmen. Die IKB würde schon wieder zu den ersten Kandidaten gehören.

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