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VW muss jetzt handeln – und zwar schnell

Von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 25.05.2020Lesedauer: 3 Min.
Urteil gefĂ€llt: Hier begrĂŒndet der vorsitzende Richter des BGH das Urteil gegen VW. (Quelle: t-online)
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"Sittenwidrig", "arglistig": Der Bundesgerichtshof hat beim Urteil im Diesel-Skandal nicht mit deutlichen Worten gespart. Nun mĂŒssen sich die Konzerne etwas einfallen lassen.

Dieses Urteil wĂŒnscht man in der derzeitigen Wirtschaftslage keinem Unternehmen. Volkswagen wird vermutlich in den kommenden Monaten noch einmal millionenschwere BetrĂ€ge aufbringen mĂŒssen, um geprellte Kunden zu entschĂ€digen. Die Marken und die Manager des Konzerns werden erneut gegen den schlechten Ruf kĂ€mpfen mĂŒssen, der durch neue Urteile immer wieder Nahrung erhĂ€lt. Einfach wird das nicht. Dennoch ist es gut, dass der Bundesgerichtshof heute vormittag endlich Klarheit ĂŒber die AnsprĂŒche der Kunden an den Volkswagen-Konzern geschaffen hat: Wer ein Dieselauto mit manipuliertem Abgassystem gekauft hat, hat Anspruch auf Schadenersatz.

"Bewusst", "sittenwidrig", "arglistig" – mit diesen Vokabeln bewertet der Bundesgerichtshof das Verhalten des Volkswagen-Konzerns. Das Urteil betrifft zwar nur einen Einzelfall, ein Rentner aus Rheinland-Pfalz hatte geklagt, weil er seinen im Jahr 2014 gekauften Diesel-Sharan zurĂŒckgeben wollte. Doch es wirkt fĂŒr rund 60.000 weitere FĂ€lle allein bei Volkswagen. Und sollte der EuropĂ€ische Gerichtshof in den kommenden Wochen in einem weiteren Urteil feststellen, dass Abschalteinrichtungen an Diesel-Wagen generell rechtswidrig sind, dĂŒrfte das ebenfalls tiefgreifende Konsequenzen haben, beispielsweise auch fĂŒr den Mercedes-Konzern.

Hohe EntschÀdigungen in Deutschland verweigert

Vor fĂŒnf Jahren war Volkswagen in den USA mit Abschalteinrichtungen im Abgassystem von Dieselfahrzeigen aufgeflogen. In der Folge dieses Skandals stellte sich heraus, dass auch andere Auto-Konzerne Abschalteinrichtungen in ihre Abgasanlagen eingebaut hatten. Die Folge: Im Normalbetrieb auf den Straßen stießen die Autos wesentlich mehr Abgase aus als auf dem PrĂŒfstand beim TÜV. In den USA einigte sich Volkswagen mit seinen Kunden auf sehr hohe Abfindungen. Ähnliche Regelungen fĂŒr Deutschland verweigerte man aber.

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Deshalb zogen hunderttausende KÀufer vor Gericht. In einer Musterfeststellungsklage klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband im Namen von 235.000 Volkswagen-Kunden auf EntschÀdigung. Die Sache ging mit einem Vergleich zu Ende, der den Betrugsopfern zwischen 1.350 und 6.257 Euro an Schadenersatz brachte.

Die nun zugesprochene EntschĂ€digung liegt wesentlich darĂŒber. Denn die Richter des BGH urteilten, dass der Kaufpreis erstattet werden muss, abzĂŒglich der in der Zwischenzeit entstandenen Abnutzung durch gefahrene Kilometer.

Angebote an die Kunden wÀren sinnvoll

Die Autoindustrie trifft dieses Urteil zur Unzeit. Volkswagen hatte sich in den vergangenen Jahren erfolgreich auf den Weg zum E-Mobil-Bauer gemacht – natĂŒrlich auch, um die Diesel-AffĂ€re in das Reich der Geschichte zu verbannen. Jetzt droht ein RĂŒckfall. Bei Mercedes mĂŒssen erst recht versĂ€umte Jahre aufgeholt werden: Das Unternehmen hat den Trend zu Elektrifizierung genauso verschlafen wie den zur Digitalisierung der GefĂ€hrte. Der RĂŒckstand auf einen Wettbewerber wie Tesla betrĂ€gt in diesen Bereichen heute fĂŒnf bis sieben Jahre. Den aufzuholen ist ohnehin schon schwer genug.

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Parallel dazu ZĂ€nkereien mit den Kunden vor Gericht auszutragen, wird sich nach dem Urteil von heute keines der beiden Unternehmen mehr zumuten wollen. Wahrscheinlicher ist, dass die getĂ€uschten Kunden in den kommenden Wochen und Monaten halbwegs großzĂŒgige Angebote zur friedlichen Einigung erhalten werden.

Das jedenfalls wĂ€re klug. Denn eine Industrie, die gerade bei der Bundesregierung um Hilfe gegen die Corona-Flaute bettelt, kann sich ein weiteres ZerwĂŒrfnis mit den Kunden nicht leisten. Im Gegenteil. Diese Industrie muss alles daran setzen, die Kunden wieder auf ihre Seite zu bringen. Und zwar schnell.

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast "Tonspur Wissen".

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Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld
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