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Corona-Beschränkungen: Neue Rezession möglich – droht zweiter Lockdown?


Diese giftige Mischung könnte die Wirtschaft abwürgen

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 13.10.2020Lesedauer: 3 Min.
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"Geschlossen" steht an einem Geschäft (Archivbild): Einen Lockdown wie im Frühjahr wird es bei einer zweiten Corona-Welle wohl nicht geben.
"Geschlossen" steht an einem Geschäft (Archivbild): Einen Lockdown wie im Frühjahr wird es bei einer zweiten Corona-Welle wohl nicht geben. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa-bilder)
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Die aktuellen Corona-Beschränkungen treffen die Wirtschaft nicht so hart wie der Lockdown im Frühjahr. Die Angst vor einer neuen Rezession wächst trotzdem – die Politik sollte deshalb sorgfältig abwägen.

Die einen dürfen nicht mehr reisen, die anderen nicht mehr bis spät in der Kneipe trinken, und wieder andere müssen neuerdings den ganzen Tag mit einer Maske im Büro herumlaufen. Das neue Corona-Regime nervt, ist anstrengend und belastend. Die gute Nachricht ist: Über einen generellen Lockdown redet in Deutschland zur Zeit fast niemand. Die schlechte: Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens werden die Bürger Europas den ganzen Winter lang begleiten – und die Erholung der Wirtschaft bremsen.

Bisher waren die meisten Volkswirte optimistisch. Nach dem scharfen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Frühjahr erhole sich die Wirtschaft kräftig. Bei den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands – USA, Frankreich und China – gehe es ebenfalls wieder aufwärts. Eine neue Rezession sei nicht zu befürchten. In etwa zwei Jahren könne die Volkswirtschaft wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen sein.

Jetzt aber mehren sich auch die nachdenklichen Stimmen. Die wieder dramatische Lage in Spanien und Frankreich wird die Eurozone insgesamt belasten. Schon jetzt geht in Deutschland die Industrieproduktion zurück. Verschärft sich die Corona-Situation weiter, dürften bald auch die Dienstleister wieder deutliche Bremsspuren melden. Wird das nur eine konjunkturelle Delle, oder stürzt der Euroraum im vierten Quartal erneut in die Rezession?

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Börsen halten sich knapp unter ihren Rekordwerten

Das hängt davon ab, ob und wie die Corona-Lage beherrscht werden kann. Es gibt fundamentale Unterschiede zur ersten Welle der Infektion: Brach die Pandemie damals völlig überraschend über die Welt hinein, konnte man sich auf die derzeitige Situation schon länger vorbereiten. Die Aktienkurse zeigen, wie viel Zuversicht jetzt (noch) herrscht.

Brachen die Börsen weltweit im März regelrecht ein, so halten sie sich in diesem Herbst ziemlich stabil knapp unterhalb ihrer Rekordwerte. Das muss zwar nicht so bleiben. Doch es signalisiert, dass die Anleger und Aktienhändler der Seuchenbekämpfung und den Konjunkturmaßnahmen der Regierungen heute mehr zutrauen, als noch vor Monaten.

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Karneval-Absage ist für die Gaststätten eine schwere Zumutung

Dazu kommt, dass man heute viel mehr über das Virus, seine Verbreitung und die Behandlung der Kranken weiß. Die meisten Infizierten geben das Virus gar nicht weiter. Einige wenige aber stecken viele Menschen an, zum Beispiel auf ausgelassenen Partys, oder bei großen Familienfeiern. So ist es heute unwahrscheinlich, dass Friseurgeschäfte, Bekleidungsläden und Kaufhäuser erneut schließen müssen, wenn die zweite Welle Fahrt aufnehmen sollte. Stattdessen konzentriert man sich auf Feste.

Dass der Karneval abgesagt werden musste, ist für die rheinische Gaststätten- und Partyszene eine schwere Zumutung, die sich wirtschaftlich in der Region deutlich auswirken wird. Rund 600 Millionen Euro erwirtschaftet allein der Kölner Karneval jährlich, diese Umsätze werden in diesem Jahr fehlen. Ähnlich hart trifft es das Messe- und Kongressgeschäft, die Fußballvereine, die Weihnachtsmärkte, den Tourismus insgesamt.

Für Hotels, Kneipen, Caterer und Humorkünstler ist das tragisch: Die meisten von ihnen haben ihre finanziellen Reserven schon im Frühjahr verbrauchen müssen, einige haben hohe Schulden, und sind nur deshalb noch am Markt, weil es bis zum Jahresende den Insolvenzschutz gibt. Viele von ihnen werden sich in den kommenden Wochen fragen müssen, ob es sich überhaupt noch lohnt, weiterzumachen.

Im Winter könnte sich eine giftige Mischung entfalten

Doch für die Volkswirtschaft insgesamt sind die Beschränkungen nicht so schlimm, wie die nach dem ersten Lockdown im März und im April. Zumal jetzt viele der Hilfsmaßnahmen schon eingeübt sind und wirken, die im Frühjahr erst noch erfunden werden mussten. Die Kurzarbeit funktioniert und wurde bis Ende 2021 verlängert, und große Teile des Konjunkturprogramms entfalten jetzt ihre Wirkung.

Diese Berechenbarkeit sorgt auch dafür, dass ausländische Unternehmen den Standort Deutschland jetzt freundlicher bewerten als noch im vergangenen Jahr. Amerikanische Unternehmen beispielsweise haben ihre Investitionen in Deutschland in diesem Jahr meist konstant gehalten, oder sogar gesteigert, berichtet die Amerikanische Handelskammer aus einer Umfrage unter den 50 größten US-Unternehmen in Deutschland. Ein Grund dafür sei die überlegte Wirtschafts- und Sozialpolitik Deutschlands in der Krise.

Doch für die Zukunft ist das keine Garantie. Auch wenn Deutschland mit der zweiten Welle der Corona-Pandemie einigermaßen zurecht käme: Es ist völlig unklar, wie sich die Wirtschaft in den Nachbarländern entwickelt. Wieder einmal droht zum Jahresende ein harter Brexit. Niemand weiß, wer die US-Wahlen gewinnt. Alle Faktoren zusammen können in diesem Winter eine giftige Wirkung entfalten. Umso wichtiger ist es, bei der Corona-Bekämpfung das zu tun, was wirklich nötig ist – aber nicht mehr.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast .

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