• Home
  • Wirtschaft & Finanzen
  • Kolumne - Ursula Weidenfeld
  • Deutschlands AbhĂ€ngigkeit von China: Am seidenen Faden


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Das wird fĂŒr uns alle teuer

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 12.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Ein chinesisches Stahlwerk (Symbolbild): Deutschlands Wirtschaft ist stark auf den Handel mit China angewiesen.
Ein chinesisches Stahlwerk (Symbolbild): Deutschlands Wirtschaft ist stark auf den Handel mit China angewiesen. (Quelle: Kevin Frayer/getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextZahl der Borreliose-Infektionen gestiegenSymbolbild fĂŒr einen TextHertha wĂ€hlt Ex-Ultra zum PrĂ€sidentenSymbolbild fĂŒr einen TextCorona erhöht Risiko fĂŒr Parkinson und AlzheimerSymbolbild fĂŒr ein VideoHier drohen nach der Hitze heftige UnwetterSymbolbild fĂŒr einen TextJohnson irritiert mit ÄußerungenSymbolbild fĂŒr einen TextVerletzte und RĂ€umung: Abifeier eskaliertSymbolbild fĂŒr einen TextZwei Tote auf RheinbrĂŒcke bei MainzSymbolbild fĂŒr einen TextSenioren bekommen gĂŒnstigere KrediteSymbolbild fĂŒr ein VideoFlugzeug geht in der Luft der Sprit aus Symbolbild fĂŒr einen TextJunge stirbt nach Badeunfall in der ElbeSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserRTL-Moderatorin bei Flirt im TV erwischtSymbolbild fĂŒr einen TextPer Zug durch Deutschland - jetzt spielen

Nicht nur die AbhÀngigkeit von Russland, auch die Beziehungen zwischen der deutschen und der chinesischen Wirtschaft stehen unter Vorbehalt. Doch hier wird es so richtig schwierig.

Neue und schĂ€rfere Sanktionen gehören zu den wenigen Waffen, die der Westen im Kampf gegen Russland hat. Doch neuen und schĂ€rferen Bestrafungen steht die AbhĂ€ngigkeit vieler europĂ€ischer Staaten – beileibe nicht nur Deutschlands – von russischen Gas- und Öllieferungen im Wege.

Nicht nur deshalb lohnt es sich, ĂŒber AbhĂ€ngigkeit neu nachzudenken, nicht nur, was Russland betrifft. Vor allem die von China ist noch grĂ¶ĂŸer. Und noch gefĂ€hrlicher. Denn die Globalisierung legt gerade den RĂŒckwĂ€rtsgang ein, und Deutschland hat sich stĂ€rker als alle anderen auf die internationalen Handels- und Produktionsverflechtungen verlassen.

Schon nach der Finanzkrise begann ein Trend, der erst jetzt fĂŒr alle offensichtlich wird. Statt immer engerer Handelsbeziehungen und immer grĂ¶ĂŸerer Arbeitsteilung bleibt das Wachstum des Welthandels hinter dem der Weltwirtschaft zurĂŒck.

AbhÀngigkeiten treten zutage

Dieser Trend wurde in der Corona-Krise schockartig verschÀrft, als Lieferketten zusammenbrachen, HÀfen geschlossen wurden und vor allem Chinas No-Covid-Politik wochenlang Fabrikationen in aller Welt stilllegte. Jetzt bekommt die Sache noch einen neuen Schub. LÀngst sprechen Experten von einer neuen Form der "Deglobalisierung".

Man will nicht mehr abhĂ€ngig sein. Wie stark staatliche SouverĂ€nitĂ€t durch ökonomische RealitĂ€ten eingeschrĂ€nkt wird, erfahren die EuropĂ€er gerade besonders bitter. Nicht mehr die Volkswirtschaften des Westens scheinen die MaßstĂ€be des Wandels zu setzen, sondern die autokratischen Systeme des Ostens. Die Zweifel wachsen, ob die bisherige globale Wirtschaftsordnung, von der Deutschland besonders profitiert hat, nach einem Ende des Krieges wieder errichtet werden kann und soll.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Scholz will offenbar steuerfreie Einmalzahlung
Olaf Scholz spricht zur Presse in BrĂŒssel (Archivbild): Einem Bericht zufolge plant er Einmalzahlungen fĂŒr die BĂŒrger als Entlastung.


Nicht nur geopolitische GrĂŒnde sprechen dagegen. Das BemĂŒhen der Vereinten Nationen und der EuropĂ€ischen Union kommt dazu, globale Standards fĂŒr Umweltschutz, Menschen- und Arbeitnehmerrechte und fĂŒr gute UnternehmensfĂŒhrung durchzusetzen:

Deutschland ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt

Auch das dĂŒrfte mittelfristig fĂŒr VerĂ€nderungen in den Strukturen des Im- und Exports, der Lieferketten und der Handelsbeziehungen im Allgemeinen sorgen. Ein "Klima-Klub", wie ihn Bundeskanzler Olaf Scholz grĂŒnden will, ist nichts anderes als eine Koalition der Willigen fĂŒr einen zollfreien Handel fĂŒr GĂŒter mit hohen Klimastandards.

Deutschlands Unternehmen aber haben im 21. Jahrhundert ihre Wirtschaftsbeziehungen mit kritischen LĂ€ndern stark ausgebaut. Mit einer Außenhandelsquote von rund 67 Prozent (2020) gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland unter den G7-Staaten die offenste Volkswirtschaft. Lange war das ein Grund zur Freude. Deutschlands Wirtschaft und Wohlstand wuchsen krĂ€ftig. Dass das Land damit besonders anfĂ€llig fĂŒr externe Schocks wurde, wird erst heute in aller SchĂ€rfe klar.

Zwei Drittel seiner Rohstoffe und Vorprodukte bezieht Deutschland aus LÀndern, in denen entweder das politische System nicht stabil ist, Menschen- und Arbeitnehmerrechte nicht zuverlÀssig respektiert werden, Umweltstandards nicht gelten, oder die Gefahr besteht, dass die Erlöse zur Finanzierung von Kriegen im Inneren verwendet werden.

China macht sich frei vom Westen

Vor allem China, Deutschlands wichtigster Handelspartner, wird immer kritischer gesehen. Viele deutsche Unternehmen hĂ€tten sich in eine Art freiwillige Gefangenschaft begeben, warnt das Institut fĂŒr Weltwirtschaft in Kiel. 2020 wurden rund acht Prozent der deutschen Direktinvestitionen in China realisiert, um die Jahrtausendwende waren es gerade mal ein Prozent.

2.300 deutsche Unternehmen haben Tochterunternehmen oder Niederlassungen in China – je grĂ¶ĂŸer die Firmen, desto intensiver die Zusammenarbeit. Der Fahrzeugkonzern Daimler machte 2020 mehr als ein Drittel seines Umsatzes in China, Volkswagen lĂ€sst hier bisher sogar mehr als 40 Prozent seiner Produktion herstellen.

China hat lÀngst begonnen, seine AbhÀngigkeit vom Import westlicher Technologie zu reduzieren: Die Strategie "Made in China 2025" lenkt seit Jahren Investitionen in Bereiche und Branchen, in denen China besonders schnell unabhÀngig sein will. Die USA betreiben die Entflechtung der amerikanischen von der chinesischen Wirtschaft offensiv.

Die neue Seidenstraße droht unter Ukraine-Krieg zu leiden

Und die deutsche Wirtschaft? Auch sie steuert langsam um. Immer mehr Unternehmen berichten davon, wie schwer es ist, Mitarbeiter fĂŒr einen lĂ€ngeren Aufenthalt in China zu begeistern. Die Corona-Politik der chinesischen Regierung erscheint vielen als persönliches Risiko, die autoritĂ€re BeschrĂ€nkung des Internets und der Meinungsfreiheit, die allgegenwĂ€rtige Überwachung hĂ€lt die BeschĂ€ftigten davon ab, sich fĂŒr ein paar Jahre in China zu verpflichten.

Dazu kommt, dass es immer schwieriger wird, Ware aus China pĂŒnktlich nach Europa zu bringen – und umgekehrt. Zwar ist die Bahnstrecke Peking-Moskau-Duisburg im neuen Sanktionspaket Europas gegen Russland noch ausgespart – doch andere Wege durch Russland werden jetzt sanktioniert. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die neue Seidenstraße Chinas in die Wirren des russischen Überfalls auf die Ukraine gerĂ€t.

Mittel- und langfristig werden die deutschen und europĂ€ischen Firmen ihre Lieferketten widerstandsfĂ€higer machen. Sie investieren jetzt in lokale Netzwerke. Statt beispielsweise die Akkus fĂŒr Maschinen wie bisher komplett aus China zu beziehen, werden Produktionen an anderen Montageorten und AbsatzmĂ€rkten aufgebaut. EuropĂ€ische Industriechampions zu fördern, ist eine weitere Antwort.

Diese Strategien sind jedoch vor allem eins: teurer als bisher. Wer jetzt vor den Wohlstandsverlusten solcher Strategien warnt, hat recht.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt:

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld
ChinaDeutschlandEuropaRussland

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website