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Wenn schon Dienstpflicht, dann für alle – auch für Rentner

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 16.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Ein älteres Ehepaar wartet an der Ampel (Symbolbild): Die Dienstpflicht sollte auch für Rentner gelten.
Ein älteres Ehepaar wartet an der Ampel (Symbolbild): Die Dienstpflicht sollte auch für Rentner gelten. (Quelle: imago-images-bilder)
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Der Bundespräsident möchte Schulabgänger zu sozialer Arbeit verpflichten. Das aber wäre ungerecht. Viel besser wäre eine Dienstpflicht für alle Deutschen.

Eine Dienstpflicht für die jungen Leute – das hört sich irgendwie prima an. Da lernt die Generation "Ich" endlich mal, Rücksicht zu nehmen. Die Kohorte "Instagram" begreift ein für alle Mal, dass Engagement mehr ist als ein gutes Foto aus einem afrikanischen Kinderheim.

Die verwöhnten "Work-and-Travel"-Gymnasiasten müssen ihr Pausenjahr nach dem Abi doch nicht als Kellner in einer neuseeländischen Strandbar verbringen! Sie könnten ja auch zur Wasserwacht.

So oder ähnlich lauten Kommentare vieler Älterer, nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Wochenende vorgeschlagen hatte, junge Erwachsene zu einer Dienstpflicht heranzuziehen. Sie irren. Und der Präsident irrt auch. Wenn schon Dienstpflicht, dann für alle.

Die Jungen tragen schon große Lasten

Die Gegner der Idee finden: Die Freiheit der Jungen werde unzulässig beschränkt. Viele Jugendliche engagieren sich heute schon, und zwar freiwillig. Wer keine Lust hat, sich zu engagieren, wird die Pflichtzeit dagegen unmotiviert und ärgerlich absitzen. Die jungen Erwachsenen von heute sollen ihre Ausbildung möglichst schnell und erfolgreich hinter sich bringen, die Facharbeiterlücke zügig stopfen, und die Rentenkasse zugunsten der Alten auffüllen.

Die Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel finanzieren sie ebenfalls mit, obwohl sie selbst dafür die geringste Verantwortung tragen. Sollte man dieser Generation noch einen zusätzlichen Rucksack aufschnallen?

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Die Argumente für eine Dienstpflicht gelten für alle

Der Bundespräsident meint, dass das gut wäre. Junge Menschen lernen, sich für andere einzusetzen. Sie verstehen, dass für ein gutes Leben mehr nötig ist als ordentliche Noten, eine Berufsausbildung und ein Studium, ein Beruf, mit dem man Geld verdient. Sie begegnen Menschen aus anderen gesellschaftlichen Schichten, die sie sonst vielleicht nie getroffen hätten.

Ganz neu ist der Gedanke nicht, im Gegenteil. Vor etwa drei Jahren versuchte die damalige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Mehrheit für eine Dienstpflicht zu organisieren. Ohne Erfolg, und das zu Recht. Denn: Die Argumente für eine Dienstpflicht gelten nicht nur für junge Erwachsene. Sie gelten für alle. Es wäre nicht fair, 18- bis 28-Jährige zu verpflichten, die Älteren aber nicht.

Eine Jugendsteuer, abgeleistet in Naturalien

Einer sinnvoll gestalteten Dienstpflicht würde es nicht nutzen, wie eine Art Jugendsteuer daherzukommen, die in Naturalien abgeleistet werden soll. Mit welchem Recht verlangt die Mehrheit der Älteren von einer Minderheit der Jungen eine Sonderleistung?

Die erzieherische Attitüde – "Dann lernen die jungen Schnösel, sich mal hinten anzustellen" – nimmt der Idee zudem ihre ethische Legitimation. Wenn man der Auffassung ist, dass das Gemeinwohl durch gesellschaftliche Arbeit gestärkt wird, dann ist der erhobene Zeigefinger kontraproduktiv. Um es vorsichtig auszudrücken.

Vernünftig wäre, der Sache den unangenehmen Unterton zu nehmen. Zum Beispiel, indem man die guten Gründe für eine Dienstpflicht altersneutral diskutiert. Nehmen wir also an, es gäbe eine Dienstpflicht von sechs Monaten für jede Bürgerin dieses Landes. Wann dieser Dienst geleistet würde, wäre egal.

Eine Dienstpflicht für alle hätte zentrale Vorteile

Manche würden direkt nach der Schule starten, andere nach dem Studium, in einer Zeit der Arbeitslosigkeit, im Sabbatical oder nach der Rente. Man könnte den Dienst am Stück machen, oder durch Wochenenddienste, Nachtschichten oder Abendeinsätze zusammenstoppeln. Wichtig wäre nur, dass im Alter zwischen 18 und 70 ein Dienst geleistet würde. Verweigerer würden sanktioniert.

Ein solcher Dienst könnte prima funktionieren. Alle Generationen würden etwas über den Zusammenhalt der Gesellschaft lernen und aus ihrer "Blase" herauskommen, so wie es sich der Bundespräsident wünscht – nicht nur die Jungen.

Die Rentenkasse würde entlastet, weil viele vor dem Renteneintritt noch ihren Dienst leisten müssten. Nicht rund 700.000 Schulabgänger, halbe Kinder, würden schubweise pro Jahr antreten, sondern auch bereits ausgebildete Erwachsene.

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Besser fürs Gemeinwohl

Die älteren Dienstler könnten den Jüngeren helfen, nicht nur ihre Pflicht zu tun, sondern auch etwas zu lernen. Durch die Mischung würde die Pflichtzeit wahrscheinlich produktiver, viel mehr Organisationen würden Plätze anbieten.

Vermutlich würden sich noch mehr Bürger im Ehrenamt engagieren als heute, weil es ja bei der Dienstzeit angerechnet würde. Auch der Verdacht, dass Ältere eine Dienstzeit für junge Leute nur deshalb klasse finden, weil sie selbst nicht betroffen sind, würde ausgeräumt.

Unter dem Strich wäre eine solche Lösung nicht nur fairer. Sie wäre besser. Für alle Generationen. Und für das Gemeinwohl.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche.

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