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BER-Airport: Der Flughafen startet mit einer letzten, klitzekleinen Panne

Hauptstadt-Airport  

Der BER startet mit einer letzten, klitzekleinen Panne

31.10.2020, 19:18 Uhr
"Fluchhafen" BER ist endlich eröffnet

Neun Jahre nach der geplanten Eröffnung ist das erste Flugzeug am Hauptstadtflughafen BER gelandet. Für t-online war Florian Schmidt vor Ort.

Der "Fluchhafen" BER ist eröffnet. Florian Schmidt war für t-online vor Ort – und zieht ein Resümee (Quelle: t-online.de)


Kein Witz: Der BER ist fertig. Und endlich auch in Betrieb. Am Samstag landeten die ersten beiden Maschinen am neuen Airport von Berlin. Eine bisschen Pech blieb dabei allerdings nicht aus.

Auch zur Eröffnung bleibt Berlins Hauptstadtflughafen BER seinem Ruf treu: Obwohl die Ankunft der ersten beiden Flieger am Samstag bis ins letzte Detail durchdacht war – am Ende gab es doch noch eine letzte, eine klitzekleine Panne.

Immerhin, Schuld trug dieses Mal kein Mensch, sondern das Wetter. Statt wie geplant parallel auf beiden Landebahnen aufzusetzen, mussten die Maschinen von Easyjet, gestartet in Berlin-Tegel, und Lufthansa, losgeflogen in München, nacheinander auf der nördlichen Bahn landen. Der Grund: Schlechte Sichtverhältnisse, die verhinderten, dass sich die Piloten in der Luft gegenseitig sehen und den zeitgleichen "Touchdown" für die schönen Bilder abstimmen konnten.

Das jedoch blieb der einzige Makel an der Eröffnungsfeier, die laut BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup ("Wir machen einfach auf"), gar keine sein sollte. Der Sicherheitscheck der Gäste klappte, die Reden saßen, der symbolische Druck auf den roten Knopf funktionierte. Schon gar nicht konnten die Umwelt-Demonstranten im Terminal-Gebäude den Start des Airports stören oder gar verhindern, auch nicht mit einer Störaktion im alten Schönefelder Flughafen

Die BER-Eröffnung ist ein historischer Moment

Das Wunder von Berlin ist damit vollendet. Die Eröffnung des BER, das lässt sich angesichts der Geschichte des Bauwerks sagen, ist ein historischer Moment.

Applaus zum Start: Lufthansa-Chef Carsten Spohr (v.l.), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Easyjet-CEO Johan Lundgren und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. (Quelle: dpa/Tobias Schwarz)Applaus zum Start: Lufthansa-Chef Carsten Spohr (v.l.), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Easyjet-CEO Johan Lundgren und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. (Quelle: Tobias Schwarz/dpa)

Nach einer schier endlosen Serie von Bau- und Planungsfehlern – bei der Entrauchungsanlage, bei falschen Dübeln – ist Berlin seinen "Fluchhafen" los. Mit neun Jahren Verspätung, nach insgesamt fünf verschobenen Eröffnungsterminen ist aus dem oft verspotteten Pannen-Airport vor den Toren der deutschen Hauptstadt – endlich – ein richtiger Airport geworden.

Mehr als 6,5 Milliarden Euro statt der einst veranschlagten 2,5 Milliarden Euro hat der Bau des BER seit der ersten Planungen in den 1990er-Jahren verschlungen. Geld, das im Großteil von den drei Eigentümern der Betreibergesellschaft, dem Bund, Berlin und Brandenburg, letztlich also vom Steuerzahler stammt. 

"Frustrierende Rückschläge"

Darüber aber wollte am Samstag niemand so recht reden. "Heute ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über die Kosten zu sprechen", sagte etwa Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Und auch die Regierungschefs von Brandenburg und Berlin, Dietmar Woidke und Michael Müller (beide SPD), sowie Airport-Boss Lütke Daldrup beschränkten sich auf wenige Worte der Rückschau, sprachen nur kurz von "frustrierenden Rückschlägen" und Tagen, die "zum Verzweifeln waren".

Begrüßungsfontäne: Nacheinander statt parallel mussten die beiden ersten Maschinen am BER landen, später rollten sie aufeinander zu in Richtung Terminal. (Quelle: dpa/obias Schwarz)Begrüßungsfontäne: Nacheinander statt parallel mussten die beiden ersten Maschinen am BER landen, später rollten sie aufeinander zu in Richtung Terminal. (Quelle: obias Schwarz/dpa)

Vielmehr zielten sie auf die guten Aussichten des Flughafens ab. Darauf, dass Berlin "und ganz Ostdeutschland" mit dem BER nun endlich einen vorzeigbaren Flughafen haben. Scheuer versprach gar "alles dafür zu tun", um ihn zu einem "internationalen Drehkreuz" auszubauen.

Das allerdings dürfte auf absehbare Zeit Zukunftsmusik bleiben. Zu sehr belastet die Corona-Krise den Luftverkehr und damit auch den BER. Zwar hat die Pandemie dafür gesorgt, dass der Umzug der gesamten Fluginfrastruktur vom in Berlin beliebten Flughafen Tegel zum BER deutlich leichter vonstattenging – es waren schließlich kaum Passagiere da, auf die man hätte Rücksicht nehmen müssen.

Flughafen-Mitarbeitern droht erneut Kurzarbeit

Gleichzeitig, so betonte es am Samstag auch Lütke Daldrup, steht die gesamte Branche durch Corona vor erheblichen Problemen. Erst Mitte des Jahrzehnts sei damit zu rechnen, dass sich die Passagierzahlen wieder komplett erholt hätten und das Vor-Krisen-Niveau erreichten, erst dann werde man "schwarze Zahlen" erwarten können.

Protestaktion gegen den BER: Umweltaktivisten demonstrieren am Eröffnungstag vor dem Terminal. (Quelle: Reuters/Michele Tantussi)Protestaktion gegen den BER: Umweltaktivisten demonstrieren am Eröffnungstag vor dem Terminal. (Quelle: Michele Tantussi/Reuters)

Einerseits ist der BER damit nicht, wie in den vergangenen Jahren immer wieder geunkt, schon zum Start zu klein. Andererseits könnte dem Betreiber jetzt, wo der Airport endlich am Netz ist, schon bald das Geld ausgehen. Erst Anfang vergangener Woche hatte deshalb auch Scheuer von weiteren Millionen-Hilfen für die Flughafengesellschaft gesprochen.

Durch den Lockdown light dürfte sich die Situation jetzt noch einmal verschärfen. Dazu passt, was t-online am Samstag aus Kreisen der Flughafengesellschaft erfuhr: Jetzt, wo der BER am Netz ist, wo die anstrengenden Wochen der Vorbereitung vorüber sind, soll ein Großteil der Mitarbeiter ab Dezember wieder in Kurzarbeit geschickt werden.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Eindrücke und Recherchen vor Ort

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