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Warum die Norweger Deutschland bei der E-Mobilität davonziehen

Von rtr, t-online
Aktualisiert am 05.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Trotz schlechter Ladeinfrastruktur: Die Norweger setzen beim Kauf immer häufiger auf Stromer als auf Verbrenner.
Trotz schlechter Ladeinfrastruktur: Die Norweger setzen beim Kauf immer häufiger auf Stromer als auf Verbrenner. (Quelle: Rupert Oberhäuser/imago-images-bilder)
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Erstmals setzen die Norweger mehr auf E-Autos als auf Verbrenner – 54,3 Prozent aller verkauften Autos waren zuletzt Stromer. Damit ziehen die Skandinavier dem Rest Europas davon. Doch auch deutsche Autobauer profitieren von dem Boom. Das hat mehrere Gründe.

In Norwegen sind im vergangenen Jahr erstmals mehr Elektroautos verkauft worden als Fahrzeuge mit Benzin-, Diesel- oder Hybridmotoren. 2020 machten Elektrofahrzeuge 54,3 Prozent aller verkauften Neuwagen im Land aus – ein Weltrekord, wie der norwegische Straßenverkehrsverband am Dienstag mitteilte.

Im Jahr davor lag der E-Anteil bei den Neuzulassungen noch bei 42,4 Prozent. Am stärksten gefragt waren Elektromodelle des Volkswagen-Konzerns, der damit seinen US-Rivalen Tesla ausstach.

Norwegen fördert den Verkauf von E-Autos schon länger und hat sich zum Ziel gesetzt, ab 2025 keine Verbrenner mehr zuzulassen. "Unsere vorläufige Prognose ist, dass Elektroautos im Jahr 2021 einen Marktanteil von 65 Prozent erreichen werden", sagte Christina Bu von der Norwegian Electric Vehicle Association, einer Lobbygruppe für E-Mobilität. "Wenn wir das schaffen, wird das Ziel, im Jahr 2025 nur noch emissionsfreie Autos zu verkaufen, in Reichweite sein."

Trotz Anreizen: Ladeinfrastruktur schlechter als in Deutschland

Im vergangenen Jahr kamen in Norwegen rund 141.000 Neuwagen auf die Straßen, davon waren rund 76.800 vollelektrisch. Norwegen räumt den E-Auto-Besitzern unter seinen rund fünf Millionen Einwohnern viele Vorteile ein – etwa den Verzicht auf Einfuhrzölle und Steuern für Wagen. Außerdem zahlen E-Auto-Besitzer keine Maut auf Autobahnen und können in den Städten die Busspuren benutzen. Gebühren für das Parken auf öffentlichen Parkplätzen entfallen für Stromer weitgehend. Grund für den Durchbruch der E-Mobilität in dem nordeuropäischen Land ist also ein ganzes Bündel an Maßnahmen.

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Auch Deutschland versucht mit einem Maßnahmenpaket die E-Mobilität zu fördern. Neben der verlängerten Kaufprämie sollen mit dem sogenannten "Masterplan Ladeinfrastruktur" die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ziel der Politik ist es, eine Million Ladestationen in Deutschland bis 2030 zu schaffen. Ein ambitionierter Ansatz – aktuell stehen den E-Auto-Besitzern hierzulande nur 21.100 Ladestationen zur Verfügung.

50.000 neue Ladestationen für E-Autos bis 2022

Auch die Autobauer selbst investieren in neue Ladepunkte, um den Kauf eines Stromers attraktiver zu machen. Erst Ende vergangenen Jahres kündigte Volkswagen an, 2021 750 neue Ladestationen zu bauen. Insgesamt soll die Automobilindustrie laut dem "Masterplan Ladeinfrastruktur" in den nächsten zwei Jahren 15.000 öffentliche Ladepunkte beisteuern, während der Bund 50.000 Ladeplätze schaffen möchte. "Wer sein E-Auto nicht laden kann, wird sich keins kaufen", schreibt die Bundesregierung auf ihrer Internetseite.

Doch sind Ladesäulen allein tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg? Das Beispiel Norwegen zeigt: nicht unbedingt. Die Beratungsfirma Berylls verweist darauf, dass sich in Deutschland rechnerisch etwa neun E-Autos eine Ladestation teilen müssen, während es in Norwegen 23 seien.

"Das Netz öffentlicher Ladepunkte ist offensichtlich nicht nur dünner als in Deutschland, sondern auch noch viel stärker ausgelastet", sagt Berylls Autoexperte Andreas Radics. "Und obwohl es mittlerweile zu Wartezeiten an den Ladesäulen kommt, hält der E-Auto-Boom in Norwegen weiter an."

Immer mehr E-Modelle auf dem Markt

Die Verkäufe batteriegetriebener Autos beschleunigten sich in den letzten Monaten des abgelaufenen Jahres und erreichten nach Angaben des norwegischen Straßenverkehrsverbands im Dezember mit 66,7 Prozent den höchsten Stand in einem einzelnen Monat.

Die Liste der meistverkauften E-Autos führte 2020 in Norwegen die VW-Tochter Audi mit ihren E-tron-Modellen an. Tesla, 2019 mit dem kompakten Model 3 noch vorne, landete auf dem zweiten Platz. In diesem Jahr will der US-Elektroautobauer das SUV-Modell Y auf den Markt bringen. Auch von Ford, BMW und Volkswagen gehen die ersten Elektro-SUVs an den Start.

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  • Nele Behrens
Von Nele Behrens
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