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"Wir werden nicht alle Städte retten können"

  • Christine Holthoff
  • Mauritius Kloft
  • Florian Schmidt
Von N. Behrens, C. Holthoff, M. Kloft, F. Schmidt

Aktualisiert am 06.02.2021Lesedauer: 8 Min.
Die Bremer Innenstadt im Januar 2021: Im Corona-Lockdown m√ľssen fast alle L√§den schlie√üen ‚Äď einige wohl f√ľr immer.
Die Bremer Innenstadt im Januar 2021: Im Corona-Lockdown m√ľssen fast alle L√§den schlie√üen ‚Äď einige wohl f√ľr immer. (Quelle: Chris Emil Jan√üen/imago-images-bilder)
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Immer mehr Handelsketten geraten durch Corona in Schieflage und k√ľndigen an, Gesch√§fte zu schlie√üen. Das hat Folgen ‚Äď nicht zuletzt f√ľr Deutschlands Innenst√§dte.

Das Wichtigste im √úberblick


Adler, Promod, Douglas: Die Liste der großen Einzelhandelsketten, die Corona zur dauerhaften Schließung ihrer Läden treibt, wird immer länger. Längst hat es auch die ganz Großen erwischt: Mit Galeria Karstadt Kaufhof kämpft die bekannteste Warenhausmarke Deutschlands um ihre Existenz, der Modegigant H&M plant, 250 Geschäfte in Deutschland aufzugeben.


Diese Firmen sind in der Corona-Krise in Schieflage geraten

Adler-Modem√§rkte: Die Textilkette hat ihr Insolvenzverfahren Ende August 2021 beendet. Bis zu 500 der insgesamt 3.100 Arbeitspl√§tze fallen weg, rund 30 Filialen sind von Schlie√üungen betroffen, wie ein Sprecher des neuen Eigent√ľmers Zeitfracht Gruppe am Dienstag sagte. Das Insolvenzverfahren war im Januar beantragt und am 1. Juli er√∂ffnet worden.
Nobiskrug: Die insolvente Rendsburger Traditionswerft Nobiskrug wurde im Juli 2021 von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) √ľbernommen ‚Äď und ist damit gerettet. Nahezu alle 300 Arbeitspl√§tze blieben erhalten, hie√ü es. Nobiskrug hatte im April diesen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. Die Werft hat unter anderem die "SY A" gebaut (auf dem Bild), die als als einer der gr√∂√üten Luxusjachten der Welt gilt.
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Zwar lief das stationäre Geschäft bei einigen der genannten Unternehmen schon vor der Pandemie nicht mehr berauschend, weil immer mehr Menschen lieber online von der Couch als vor Ort im Laden shoppten. Die Corona-Krise aber wirkt wie ein Katalysator: Denn im Lockdown merken selbst jene Verbraucher, die einst gern bummeln gingen, wie praktisch der Einkauf im Netz ist.

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F√ľr den Einzelhandel hat das schwerwiegende Folgen. Weitere Insolvenzen drohen, Millionen Angestellte m√ľssen um ihre Jobs bangen. Doch auch f√ľr unsere Innenst√§dte und den Immobilienmarkt k√∂nnen die Konsequenzen fatal sein. Denn dort, wo bis vor einem Jahr noch L√§den, Caf√©s und Kaufh√§user Kunden anzogen und Menschen zusammenbrachten, k√∂nnten schon bald Tausende leer stehende Ladenlokale und Kaufh√§user einen tristen Anblick abgeben.

Stirbt mit Corona die Fu√üg√§ngerzone? Was bedeutet eine m√∂gliche Pleitewelle beim Handel f√ľr den Immobilienmarkt? Und wo werden wir in Zukunft unsere Socken kaufen? t-online ist diesen Fragen nachgegangen, hat mit Experten, Verb√§nden und Vertretern von Kommunen gesprochen. Ein Report mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Läden machen definitiv dicht?

Neben einzelnen Restaurantketten wie Maredo haben aktuell vor allem Modegesch√§fte angek√ľndigt, Standorte aufzugeben. Einige Ketten wie Promod wollen sogar s√§mtliche Filialen in Deutschland schlie√üen. Folgende Liste gibt Auskunft √ľber die einzelnen Marken und den Umfang der Schlie√üungen:

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Welche Ketten könnte es noch treffen?

Das kommt darauf an, bis wann sich der harte Lockdown noch zieht. Je l√§nger die Schlie√üungen der Gesch√§fte andauern, desto gr√∂√üer die Zahl der L√§den, die nie mehr √∂ffnen werden, sch√§tzt der Hauptgesch√§ftsf√ľhrer des Handelsverbandes HDE, Stefan Genth. "Dauert der Lockdown bis Ostern an, w√§re das f√ľr den Einzelhandel ein Fiasko", sagte er t-online. "Schon jetzt k√§mpft jeder zweite vom Lockdown betroffene H√§ndler ums √úberleben ‚Äď und wir reden nicht nur √ľber kleine L√§den, sondern auch √ľber weitere gro√üe Ketten."

Christian Rusche, √Ėkonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sieht das √§hnlich, widerspricht aber in einem Punkt. Er glaubt: "Vor allem kleine, inhabergef√ľhrte Innenstadtl√§den werden dichtmachen." Gro√üe Ketten werde es dagegen nicht vermehrt treffen, da sie gr√∂√üere finanzielle Polster haben. "Galeria Karstadt Kaufhof oder Maredo waren vor Corona schon angeschlagen", so Rusche. "Sollte der Lockdown nicht noch Monate dauern, k√∂nnen die √ľbriggebliebenen Ketten vermutlich durchhalten."

Stefan Genth, Handelsverband-Chef: "Dauert der Lockdown bis Ostern an, w√§re das f√ľr den Einzelhandel ein Fiasko."
Stefan Genth, Handelsverband-Chef: "Dauert der Lockdown bis Ostern an, w√§re das f√ľr den Einzelhandel ein Fiasko." (Quelle: Reiner Zensen/imago-images-bilder)

Auch Modeketten mit älterer Zielgruppe betroffen

Dennoch gilt als sicher, dass es weitere Insolvenzen geben wird. Über konkrete Namen lässt sich dabei nur spekulieren, aussprechen will sie niemand. Fakt ist: Auch lokale, mittelständische Platzhirsche könnte es treffen, Geschäfte mit einer langen Tradition.

Ein wichtiger Faktor, der dabei eine Rolle spielt, l√§sst sich am Beispiel der insolventen Modekette Adler beobachten. Adler spricht eine relativ alte Kundschaft an ‚Äď wer dort einkauft, ist h√§ufig schon √§lter als 65, also Teil der gr√∂√üten Risikogruppe. In der Corona-Pandemie wagen sich viele dieser Menschen deshalb nicht mehr vor die T√ľr. Lernen selbst sie nun, wie leicht sich vieles im Netz bestellen l√§sst, drohen weitere Ketten mit einer √§hnlichen Zielgruppe pleitezugehen.

Sterben allerdings gerade L√§den f√ľr √Ąltere, kann das laut dem Institut f√ľr Handelsforschung (IFH) weitere Folgen haben ‚Äď vor allem f√ľr die Innenst√§dte. Denn: Als treueste Anh√§nger der City erwiesen sich einer neuen IFH-Studie zufolge Kundinnen und Kunden der Generation 50+. Aus der Sicht j√ľngerer Konsumenten bis 25 Jahre lassen die Innenst√§dte dagegen viele W√ľnsche offen. Sie kommen deshalb deutlich seltener zum Einkaufen in die Stadtzentren als noch vor vier Jahren.

Welche Läden wird es auch nach Corona noch geben?

Zun√§chst einmal all jene, die aktuell noch ge√∂ffnet haben und deshalb keine Verluste machen. Also Superm√§rkte und Drogerien wie Rossmann, M√ľller oder dm. Bei allen anderen Gesch√§ften lautet die Antwort: Die, die es schaffen, ihr Angebot anzupassen, neue Gesch√§ftsfelder zu entdecken ‚Äď und vor allem: die noch gen√ľgend Kapitalreserven haben.

Denn bislang flie√üen die Abschlagszahlungen der staatlichen √úberbr√ľckungshilfen nur sp√§rlich. "Dem Einzelhandel geht die Luft aus", sagt HDE-Chef Genth. "Das Geld muss erstens schneller flie√üen und zweitens in gr√∂√üeren Abschl√§gen ausgezahlt werden, sonst geht es vielen Unternehmen an den Kragen."

Das fordert auch Helmut Dedy, Hauptgesch√§ftsf√ľhrer des Deutschen St√§dtetages. Zwar beobachte er, dass viele H√§ndler mit "klugen Konzepten ihr Gesch√§ft zumindest teilweise aufrecht" erhielten. "Das kann aber nur einen Teil der Verluste ausgleichen", sagt er.

Helmut Dedy, Hauptgesch√§ftsf√ľhrer des Deutschen St√§dtetages: Er fordert gr√∂√üere Abschlagszahlungen bei den Corona-Hilfen.
Helmut Dedy, Hauptgesch√§ftsf√ľhrer des Deutschen St√§dtetages: Er fordert gr√∂√üere Abschlagszahlungen bei den Corona-Hilfen. (Quelle: J√ľrgen Heinrich/imago-images-bilder)

"Davon lässt sich nicht einmal die Ladenmiete bezahlen"

Laut Zahlen des HDE haben inzwischen 80 Prozent der H√§ndler in Deutschland "alternative Vertriebswege" aufgebaut, also Onlineshops oder die M√∂glichkeit, Warenbestellungen per Telefon entgegenzunehmen. Andere bieten sogenannte "Click and Collect"-Systeme an, bei denen Kunden ihre Schuhe, Parf√ľms oder M√§ntel im Gesch√§ft abholen k√∂nnen.

"Durch diese neuen Wege aber erwirtschaften die meisten H√§ndler gerade einmal f√ľnf bis zehn Prozent des Normalumsatzes", so Genth. "Davon l√§sst sich oft nicht einmal die Ladenmiete bezahlen. Hinzu kommt: Der Versandhandel birgt neue Kosten, da viele Kunden nicht bereit sind, das Porto zu √ľbernehmen und die Waren meist auch kostenfrei zur√ľckschicken wollen. In diesem Fall machen die H√§ndler oft sogar Verluste."

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Was hei√üt das f√ľr die Arbeitnehmer?

Käme es wirklich zu einem Massensterben der Geschäfte, könnten nach Angaben des HDE eine Viertelmillion Menschen arbeitslos werden. Auch die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm. "Die Menschen haben jetzt durch den Lockdown und das Kurzarbeitergeld Existenzängste“, sagt Orhan Akman, Leiter der Verdi-Bundesfachgruppe Einzel- und Versandhandel.

Die Lage sei dabei aber nicht erst seit der Corona-Pandemie angespannt. Allein im Textileinzelhandel haben laut Verdi seit 2019 rund 28.500 Besch√§ftigte ihren Arbeitsplatz verloren. Das entspricht einem Anteil von fast zehn Prozent aller Angestellten in diesem Teilsegment ‚Äď und es k√∂nnten mehr werden: "Durch die Ank√ľndigungen weiterer Schlie√üungen stehen Tausende zus√§tzliche Stellen zur Disposition", so Akman.

√Ėkonom: Viele Besch√§ftigte werden f√ľr Amazon Pakete packen

Zuletzt etwa machte die Modekette H&M Schlagzeilen mit ihren K√ľrzungspl√§nen. 800 Stellen will die Kette streichen ‚Äď nach Angaben der Gewerkschaft sollen vor allem junge M√ľtter, Langzeitkranke und Schwerbehinderte den Konzern verlassen.

Akman fordert daher die Politik auf, regulierend einzugreifen. "Ich will nicht, dass Unternehmen die Corona-Pandemie als Vorwand nehmen, um ihre Pläne des Personalabbaus weiter durchzusetzen“, sagt der Gewerkschafter deutlich.

Was all die potenziellen neuen Arbeitslosen machen werden, wenn sie ihren Job verloren haben, ist offen. Eine Theorie: Die Verschiebung des Handels ins Internet wird auch Folgen auf dem Arbeitsmarkt haben. IW-√Ėkonom Christian Rusche: "Viele Besch√§ftigte aus dem Einzelhandel werden k√ľnftig Pakete beispielsweise f√ľr Amazon packen oder ausliefern."

Wie werden wir k√ľnftig shoppen?

Kurze Antwort: noch mehr online und noch weniger im Laden. Das zumindest ist der Trend, der sich bereits seit Jahren abzeichnet und der durch die Corona-Krise noch verst√§rkt wird. Ein Problem f√ľr die Innenst√§dte, wie St√§dtetag-Chef Dedy nur zu gut wei√ü. "Die Innenstadt ist heute nur noch eine von vielen Einkaufsm√∂glichkeiten", sagt er. Wer Elektroger√§te oder Sportartikel kaufen m√∂chte, k√∂nne das alles auch bequem vom Sofa aus im Internet bestellen.

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Diese Entwicklung prognostiziert auch der Handelsverband. "Wegen des ver√§nderten Einkaufsverhaltens m√ľssen sich auch die H√§ndler anpassen", so HDE-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Genth.

Mit Blick auf den station√§ren Handel hei√üe das: "Wie in den USA werden sie auch in Deutschland mehr Showrooms aufbauen. Die Menschen werden weiter f√ľr die Beratung in die L√§den kommen, sie schauen sich die Sachen vor Ort an ‚Äď werden sie dann aber viel √∂fter als vor der Krise bequem nach Hause bestellen."

HDE-Chef: Vielen Warenhäusern droht Abriss

Die Folge: Es braucht deutlich weniger Gewerbefl√§chen in der Stadt. Gerade in die Jahre gekommene gro√üe Kaufh√§user werden mittelfristig vielerorts √ľberfl√ľssig. Genth sagt: "Die gro√üen Warenh√§user bleiben wichtig, k√∂nnen sich aber nicht an allen Standorten halten. Wenn solche Immobilien aufgegeben werden m√ľssen, lassen sie sich nicht mehr einfach umbauen und sanieren. Da droht an vielen Stellen der Abriss, die Fl√§chen werden √ľberfl√ľssig."

Galeria-Kaufhof-Filiale in Witten (Archivbild): Dieses Kaufhaus ist seit Herbst 2020 f√ľr immer geschlossen.
Galeria-Kaufhof-Filiale in Witten (Archivbild): Dieses Kaufhaus ist seit Herbst 2020 f√ľr immer geschlossen. (Quelle: blickwinkel/imago-images-bilder)

Rosiger k√∂nnten die Zeiten hingegen wieder f√ľr Einkaufsstra√üen abseits der Stadtzentren werden, sch√§tzt Kristina Pors, Handelsexpertin beim EHI Retail Institute. "Wenn es weniger Pendler gibt und Arbeitnehmer dank Homeoffice mehr Zeit und Gelegenheit haben, ihre unmittelbare Umgebung zu nutzen, k√∂nnten sich attraktive Viertel entwickeln."

Was bedeutet der Leerstand f√ľr den Immobilienmarkt?

Einem Gutachten des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA) zufolge sind Leerst√§nde in vielen Innenst√§dten und Shoppingcentern unvermeidbar. Selbst Einzelhandel-Immobilien in Toplagen seien immer weniger nachgefragt. "Auf lange Sicht kann Leerstand zwar dazu f√ľhren, dass Mietpreise sinken. Diese Tendenz sehen wir bereits", sagt EHI-Expertin Pors. "Allerdings kann man nicht ohne Weiteres jede Immobilie umnutzen."

Die bereits erw√§hnten Filialen von Galeria Kaufhof Karstadt bef√§nden sich beispielsweise in sehr tiefen Geb√§uden. "Da kommt gar nicht √ľberall Licht hinein. Man kann also nicht einfach W√§nde ziehen und Wohnungen oder B√ľros daraus machen", so Pors. Hei√üt also: Es m√ľssen andere Ideen her, Konzepte der Kommunen.

Dedy vom St√§dtetag hat das Problem bereits erkannt. "Um Leerst√§nde zu vermeiden, kann helfen, dass St√§dte eine Zeit lang selbst Eigent√ľmer von Schl√ľsselimmobilien werden", sagt er. Zwischennutzungen, etwa von aufgegebenen Kaufhausfilialen, w√ľrden dann m√∂glich.

So k√∂nnten neue Konzepte erprobt werden. "Die St√§dte brauchen daf√ľr aber rechtssichere Instrumente und die notwendigen finanziellen M√∂glichkeiten. Helfen w√ľrde etwa, wenn Bund und L√§nder die Mittel f√ľr die St√§dtebauf√∂rderung erh√∂hen", sagt Dedy.

Wie sieht die Innenstadt der Zukunft aus?

Wahrscheinlich sehr anders ‚Äď und das kurz- wie langfristig. Sollte der Lockdown tats√§chlich bis Ostern anhalten, k√∂nnte nach Einsch√§tzung des Handelsverbandes jeder zweite H√§ndler in Deutschland vor dem finanziellen Aus stehen.

Die Folge: L√§den, die bis vor Weihnachten noch ge√∂ffnet hatten, blieben dann schon im Sommer f√ľr immer zu. Vom einstigen Trubel in mancher Fu√üg√§ngerzone bliebe dann nicht mehr viel √ľbrig. Boris Hedde, Gesch√§ftsf√ľhrer des IFH, sagt deutlich: "Wir werden nicht alle St√§dte retten k√∂nnen. Hier braucht es massive Investitionen von Staat und Kommunen.‚Äú

Sollte dieses Geld nun in die Hand genommen werden, h√§tten viele Innenst√§dte eine Perspektive. Eines steht fest: Langfristig sehen sie deutlich anders aus. "K√ľnftig steht in Innenst√§dten nicht mehr nur das Einkaufen im Vordergrund ‚Äď sondern auch der Freizeitaspekt", sagt er. Das hei√üt: "In Innenst√§dten muss es deutlich mehr Kulturangebote oder Spielpl√§tze geben."

Innenstädte könnten bunter werden

Auch Schulen und B√ľros k√∂nnten k√ľnftig in der Fu√üg√§ngerzone liegen. Ebenso m√∂glich: Eine Fu√üg√§ngerzone, in der sich ein Kindergarten an ein Seniorenheim anschlie√üt, das neben dem erw√§hnten Ausstellungsraum eines M√∂belhauses liegt. "Ikea hat bereits eigene Citystores er√∂ffnet", sagt Hedde. "Das wird es k√ľnftig √∂fter geben."

√Ąhnlich stellt sich auch der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA die Innenstadt der Zukunft vor. In seinem Herbstgutachten 2020 prophezeit er einen bunten Mix aus Einkaufen, Arbeiten, Gastronomie, Dienstleistungen, Kunst, Kultur und Wohnen. "Eine solche Mischung w√§re ideal", sagt Kristina Pors vom EHI, das an dem Gutachten mitgearbeitet hat. "Mononutzung ist nie erstrebenswert. So k√∂nnen beispielsweise innerst√§dtische Stra√üenz√ľge ohne Wohnbev√∂lkerung insbesondere nachts unsichere Orte sein."

Grunds√§tzlich orientiere sich eine gute Stadt am Bedarf der Menschen. B√ľrgerbeteiligung sei deshalb unumg√§nglich. "Die Innenst√§dte m√ľssen zusehen, wie sie Menschen zusammenbringen", sagt Pors. Das k√∂nne √ľber Events gelingen, die f√ľr viele Gruppen interessant seien. "Au√üerdem m√ľssen St√§dte ein Ambiente schaffen, in dem man sich wohlf√ľhlt."

"Innenstädte werden vor allem gleicher aussehen"

Auch St√§dtetags-Gesch√§ftsf√ľhrer Dedy wei√ü, dass City und Stadtteilzentren wieder attraktiver werden m√ľssen. "Derzeit sind die Innenst√§dte zu sehr vom Einzelhandel abh√§ngig", sagt er. "Wir wollen mehr Raum f√ľr Wohnen, Arbeiten, Produktion in der Innenstadt schaffen. Und wir wollen verst√§rkt Handwerk, Kultur und soziale Einrichtungen in zentrale Lagen holen."

Doch wird das wirklich gelingen? Nicht alle sind so optimistisch. IW-√Ėkonom Rusche malt ein anderes Bild: "Die Innenst√§dte werden vor allem gleicher aussehen. In vielen Citylagen wird es k√ľnftig nur noch gro√üe Ketten geben ‚Äď oder schlimmstenfalls nur Amazon-Abholl√§den."

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Damit das nicht geschieht, braucht es Geld ‚Äď und das nicht zu knapp, so HDE-Chef Genth: "Wir brauchen einen gro√üen Fonds, in den j√§hrlich 500 Millionen Euro zur St√§dtebauf√∂rderung flie√üen, damit wir unsere Innenst√§dte umbauen k√∂nnen."

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