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Chipkrise – Dudenhöffer: "Das wird Auswirkungen auf die Preise haben"


Auswirkungen der Chipkrise  

Experte erklärt, warum Autos bald teurer werden könnten

09.09.2021, 13:55 Uhr
Chipkrise – Dudenhöffer: "Das wird Auswirkungen auf die Preise haben". VW-Produktion im chinesischen Changchun (Symbolbild): Der Chipmangel beeinträchtigt Autohersteller auf der ganzen Welt und könnte nach Experte Ferdinand Dudenhöffer noch Jahre anhalten.  (Quelle: imago images/Xinhua)

VW-Produktion im chinesischen Changchun (Symbolbild): Der Chipmangel beeinträchtigt Autohersteller auf der ganzen Welt und könnte nach Experte Ferdinand Dudenhöffer noch Jahre anhalten. (Quelle: Xinhua/imago images)

Krisenstimmung bei den Autobauern: Der Chipmangel hat die Branche fest im Griff. In den vergangenen Wochen mussten große Werke ihre Produktion stoppen. Autoexperte Dudenhöffer geht davon aus, dass das noch länger so bleibt. 

In den vergangenen Monaten mussten Autohersteller und Zulieferer immer wieder die Produktion stoppen, da der Chipmangel das Fertigstellen der Fahrzeuge unmöglich machte. Pünktlich zur internationalen Automesse IAA beklagt die Autobranche erneut die Lieferengpässe.

Deutschlands bekanntester Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet sogar erst in einigen Jahren mit einer Entspannung der Marktsituation. Was steckt hinter der Krise – und was heißt das für alle, die jetzt ein Auto kaufen wollen?

Warum gibt es aktuell einen Chipmangel?

Bei den aktuellen Lieferproblemen spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. "Ein Grund ist die Corona-Pandemie, dadurch gab es Produktionsausfälle. Zum anderen hat die Pandemie eine Digitalisierungswelle ausgelöst, so mussten beispielsweise neue Tablets für Schulen angeschafft werden", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Car – Center Automotive Research in Duisburg. Punktuell komme es auch weiterhin durch Lockdowns oder Corona-Ausbrüche in einzelnen Firmen, wie zuletzt mehrfach in China, auch weiterhin zu pandemiebedingten Produktionsausfällen.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer (Quelle: imago images/Jürgen Schwarz)Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer (Quelle: Jürgen Schwarz/imago images)

"Der dritte Grund: Autobauer agieren sehr kurzfristig. Zu Beginn der Pandemie wurden Bestellungen zurückgefahren", so Dudenhöffer weiter. Diese kurzen Planungshorizonte bringen die Autohersteller nun in die Bredouille.

Denn auf sie entfallen ohnehin nur zehn Prozent der weltweit hergestellten Chips. Deutlich mehr werden für die stark nachgefragte (Unterhaltungs-) Elektronik benötigt, zum Beispiel für Handys. Darüber hinaus können Halbleiter nicht ewig gelagert werden und geopolitische Spannungen zwischen den USA und China führten zu Engpässen bei Rohstofflieferanten.

Das Kernproblem: Moderne Autos brauchen immer mehr Chips für verschiedene Funktionen wie Bremsen, Klimaanlage und Soundsystem. Ein Stück weit handelt es sich also auch um eine hausgemachte Krise, die auf die kurzfristigen Bestellzeiten in der Autoindustrie zurückzuführen ist (t-online berichtete schon vor Monaten, zum Beispiel hier). Nun droht sich diese Krise zu verschärfen.

Wie sehr sind deutsche Autohersteller betroffen?

In einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts klagten 91,5 Prozent der Unternehmen in der Automobilbranche im August über Lieferprobleme, im Vormonat waren es noch 83,4 Prozent. Dabei geht es nicht nur um die Autohersteller selbst. Auch bei den Zulieferern gibt die aktuelle Situation Anlass zur Sorge.

Auch die Industrieverbände für Blechumformung, Massivumformung und der Deutsche Schraubenverband weisen auf die schwierige Situation hin. "Der Markt ist in Aufruhr", erklärte der Geschäftsführer des Umformerverbandes Ibu, Bernhard Jacobs. "Die aktuelle Situation hat für viele unserer Mitgliedsunternehmen hohes Dramapotenzial."

Denn die Branche sitze zwischen den Stühlen: Ihre Lieferanten aus der Stahlindustrie bräuchten jetzt die Mengenorder für das kommende Jahr. Die Automobilhersteller zögerten aber mit den Aufträgen wegen der unklaren Chip-Versorgung. Sie hüllten sich in Schweigen und ignorierten Gesprächswünsche der Zulieferer.

Marktmächtige Produzenten spielten so ihre starke Position aus, kritisierte Jacobs: "Sie verkennen dabei, dass es um die Existenzen von mittelständischen Zulieferunternehmen geht – und damit auch um ihre eigene Lieferkette." Die Verbände forderten deshalb höhere Dialogbereitschaft der Abnehmer. Die drei in Hagen sitzenden Organisationen vertreten zusammen fast 550 Mitgliedsunternehmen. Die Branchen haben ein Marktvolumen von 30 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. 

Die Konzerne sind dabei unterschiedlich stark betroffen, je nachdem, wie sie ihre Lieferketten organisiert haben. Im ersten Halbjahr 2020 seien vier Millionen Autos weniger gebaut worden als geplant. Bei Volkswagen liefen demnach 21 Prozent weniger Autos vom Band. BMW hingegen sei erst jetzt betroffen. Die US-amerikanischen Konzerne Ford und GM blieben ebenfalls jeweils um 18 und zwölf Prozent hinter ihren Plänen zurück. 

Autoexperte Dudenhöffer verweist auch auf den globalen Charakter der Firmen: "Eigentlich gibt es 'die deutsche Autowirtschaft' nicht, sondern es gibt internationale Großkonzerne." Das führe auch zu weltweiten Auswirkungen der Lieferprobleme. 

Wie lange wird die Krise anhalten?

Das ist in der Branche momentan die Gretchenfrage, für die es verschiedene Antworten und Prognosen gibt. In der Autoindustrie ist von wenigen Monaten bis zu einem Jahr die Rede. Der Autozulieferer Continental etwa rechnet mit einer Verbesserung in den kommenden Monaten. "Vielleicht gibt es zum Ende des vierten Quartals oder Anfang 2022 eine leichte Entspannung, weil die Chiphersteller ihre Kapazitäten ausbauen", sagte Werner Volz, Finanzchef der Antriebssparte, in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung".

Viele Chiphersteller sind allerdings bereits ausgelastet. Daher werden aktuell viele neue Werke – teils von den Autoherstellern selbst – gebaut. Doch das bringt mehrere Schwachpunkte mit sich. Zum einen vergehen von Bau bis Inbetriebnahme eines neuen Werkes zwei bis drei Jahre. Zum anderen ist ein neues Werk ein Risiko.

Dudenhöffer ist sich sicher: Die Krise könne am schnellsten gelöst werden, wenn die Chiphersteller Investitionssicherheit in Form von festen Zusagen durch die Autobauer hätten. Daher geht er davon aus, dass der Chipmangel noch einige Jahre andauern werde. 

Die Unternehmen versuchen nun, die Probleme mit Zwischenlösungen zu überbrücken. Manche bauen die Autos zunächst ohne Chips fertig, um dann nur noch diese einbauen zu müssen und so Zeit zu sparen. Bei anderen werden gewisse Funktionen nicht verbaut, und wieder andere versuchen, mit Chips für andere Automodelle, die weiter erhältlich sind, ihre Lücken zu füllen. 

Wie sieht die Zukunft der Halbleiter-Produktion aus?

Viele der neuen Produktionsstätten entstehen derzeit in China. Dudenhöffer rechnet damit, dass das Land in gut zehn Jahren Weltmarktführer in diesem Bereich sein werde. "Langfristig definiert China, wie die Welt aussieht, deswegen ist es absolut falsch, Allianzen gegen China schmieden zu wollen", sagte der Autoexperte t-online. 

Das liege auch daran, dass es auf deutscher und europäischer Ebene an einer langfristigen Investitions- und Kompetenzaufbau-Strategie mangele. "Es wird fast nur mit heißer Nadel gestrickt und Themen, die gerade en vogue sind, werden aufgegriffen und nach ein oder zwei Jahren wieder verlassen", so Dudenhöffer. So werde es aber zum systemimmanenten Problem, dass keine langfristigen Lösungen entstünden. 

Was bedeutet das alles für Autokäufer?

Die anhaltende Krise hat auch Auswirkungen auf Verbraucher. Dudenhöffer rechnet damit, dass die erhöhten Kosten in der Produktion letztlich auf die Kunden umgelegt würden. 

"Die Krise wird Auswirkungen auf die Preise haben", sagte er. "Nicht zwangsläufig auf die Listenpreise, aber es wird weniger Sonderangebote und Rabatte geben. Auch Gebrauchtwagen sind schon deutlich teurer. Das geht aus den offiziellen Preissteigerungs- und Inflationsraten nicht hervor, da sie nur die Listenpreise einbeziehen."

Auch beim Autozulieferer Continental geht man von Preissteigerungen für Kunden aus. Für ihren Geschäftsbereich Vitesco würde auf Halbleiter von Brokern zurückgegriffen, diese seien jedoch teurer. Diese Preisdifferenz versuche das Unternehmen an die Autohersteller weiterzugeben. Die Hersteller wiederum geben ihre Mehrkosten dann an die Autokäufer weiter. 

Verwendete Quellen:

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