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Spritkrise in England: Regierung vermeidet das Wort "Brexit"

dpa, Christoph Meyer

Aktualisiert am 28.09.2021Lesedauer: 3 Min.
Spritknappheit in England: An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlange ÔÇô nicht ganz unschuldig an der Situation ist der Brexit. (Quelle: Glomex)
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Wegen des Mangels an Lastwagenfahrern und Panikk├Ąufen geht an britischen Tankstellen der Sprit aus. Bei der Debatte ├╝ber die Ursachen wird ein Thema als Tabu behandelt.

Kilometerlange Staus an Tankstellen und verzweifelte Menschen, die nicht an ihren Arbeitsplatz oder nach Hause kommen. Die Kraftstoffkrise in Gro├čbritannien dominierte auch am Dienstag die Schlagzeilen in dem Land.

Nun k├Ânnte sogar die Armee aushelfen. Wie die Regierung in der Nacht zum Dienstag mitteilte, werden Lastwagenfahrer aus der Truppe darauf vorbereitet, Tankstellen zu beliefern. Hintergrund f├╝r die Krise ist n├Ąmlich nicht ein Mangel an Kraftstoff, sondern dass er nicht am richtigen Ort ist. In Gro├čbritannien fehlen sch├Ątzungsweise rund 100.000 Lastwagenfahrer und das hatte auch schon in anderen Bereichen zu Engp├Ąssen gef├╝hrt, beispielsweise blieben teilweise Supermarktregale leer.

Doch fehlende Sandwiches hatten bei weitem nicht die gleichen Auswirkungen wie die Krise an der Zapfs├Ąule. Nachdem in der vergangenen Woche einige Tankstellen-Filialen wegen der Versorgungsprobleme geschlossen wurden, versuchten viele Menschen schnell noch einmal vollzutanken ÔÇô und verschlimmerten die Lage drastisch. Nun klagen ├ärzte und Pfleger, dass sie nicht zu ihren Patienten kommen und Handwerker f├╝rchten um ihre Auftr├Ąge.

Regierung schiebt Fahrermangel auf Corona

Der Regierung zufolge liegt die Wurzel des ├ťbels vor allem in der Corona-Pandemie und einem R├╝ckstau an ausgefallenen Fahrpr├╝fungen. Verkehrsminister Grant Shapps deutete am Dienstag zwar an, dass auch der Brexit eine Rolle spielen k├Ânne. Auf der anderen Seite, betonte er, habe der EU-Austritt dem Land erst m├Âglich gemacht, die Regeln f├╝r Fahrpr├╝fungen zu vereinfachen.

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Glaubt man der Regierung in London, ist der Mangel an Lkw-Fahrern ein globales Problem und in L├Ąndern wie Polen noch deutlich schlimmer als auf der Insel. In Polen sind indessen keine ├Ąhnlichen Schwierigkeiten zu beobachten wie in Gro├čbritannien.

Debatte ├╝ber Brexit als Ursache? Fehlanzeige

Tats├Ąchlich wird das Thema Brexit inzwischen mit spitzen Fingern angefasst. Weder die Regierung noch die Opposition scheinen sonderlich interessiert daran, eine Debatte ├╝ber den Zusammenhang zwischen dem Austritt aus dem Binnenmarkt und wirtschaftlichen Verwerfungen im Land f├╝hren zu wollen. Brexit-Gegner Andrew Adonis, der f├╝r die Labour-Partei im Oberhaus sitzt, sprach bereits in Anlehnung an den B├Âsewicht der Harry-Potter-Romane, dessen Name als Tabu gilt, vom "Lord Voldemort der britischen Politik".

Labour-Chef Keir Starmer h├Ąlt sich inzwischen mit Brexit-Kritik zur├╝ck. Er darf in dieser Hinsicht wohl als gebranntes Kind gelten. Starmer hatte sich w├Ąhrend der Brexit-Gespr├Ąche vehement f├╝r ein zweites Referendum eingesetzt und wollte den EU-Austritt r├╝ckg├Ąngig machen. Doch das spielte letztlich den Brexit-Hardlinern um Boris Johnson in die H├Ąnde, die den Sozialdemokraten in deren traditionellen Hochburgen im Norden Englands die ├╝berwiegend vom Brexit begeisterte W├Ąhlerschaft abspenstig machten.

Starmer, der den altlinken Jeremy Corbyn an der Parteispitze abl├Âste, hat inzwischen alle H├Ąnde damit zu tun, die eigene Partei zusammenzuhalten. Keine einfache Aufgabe, wie sich beim Parteitag im s├╝denglischen Brighton Anfang der Woche zeigte. Ein ehemaliger Corbyn-Verb├╝ndeter warf im Streit um Mindestl├Âhne seinen Posten als Mitglied des Schattenkabinetts hin. Labour, so scheint es, ist selbst w├Ąhrend einer der gr├Â├čten Krisen der vergangenen Jahre wieder einmal mehr mit sich selbst als mit Kritik an der Regierung besch├Ąftigt.

Scholz verbindet Fahrermangel mit Brexit

Keine Hemmungen, das Thema Brexit mit dem Fahrermangel in Verbindung zu bringen hatte hingegen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, als er am Montag von einem britischen Journalisten angesprochen wurde. Man habe ja versucht, die Briten vom Austritt abzuhalten, sagte er. Die h├Ątten sich aber anders entschieden. Nun hoffe man, dass sie mit den daraus entstandenen Problemen zurechtk├Ąmen.

Auch der Ex-Chefunterh├Ąndler der EU bei den Brexit-Verhandlungen, Michel Barnier, sprach Klartext: "Unser wichtigstes Kapital ist der Binnenmarkt und elementarer Teil davon ist die Arbeitnehmerfreiz├╝gigkeit", sagte er der BBC am Montag. Gro├čbritannien m├╝sse nun den Konsequenzen des EU-Austritts ins Auge sehen.

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