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Das kostet die Behandlung ungeimpfter Corona-Patienten

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 11.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Ärzte und Intensivpfleger kĂŒmmern sich um die schwer kranken Covid-Patienten auf der Covid-Intensivstation der Leipziger Uniklinik (Symbolbild): Eine Behandlung hier kann schnell sehr teuer werden.
Ärzte und Intensivpfleger kĂŒmmern sich um die schwer kranken Covid-Patienten auf der Covid-Intensivstation der Leipziger Uniklinik (Symbolbild): Eine Behandlung hier kann schnell sehr teuer werden. (Quelle: getty-images-bilder)
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Ungeimpfte Corona-Patienten auf den Intensivstationen verursachen jeden Tag tausende Euro an Kosten. DafĂŒr kommt das Solidarsystem der Krankenkassen auf. Nun regt sich Protest.

Die Belegung der Intensivbetten ist zur entscheidenden GrĂ¶ĂŸe der Corona-Pandemie geworden. Die hohe Auslastung bedeutet nicht nur Strapazen fĂŒr die Mitarbeiter, sie verursacht auch enorme Kosten fĂŒr das Gesundheitssystem. Getragen werden diese Kosten aktuell von den Krankenkassen und damit von allen Versicherten.

Schon fĂŒr einen einzelnen Patienten liegt der Preis fĂŒr die Behandlung auf einer Intensivstation bei mehreren Tausend Euro. Eine Berechnung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, wie hoch die Kosten genau sind und wie stark sie von Fall zu Fall variieren.

BeatmungsgerÀte treiben Kosten in die Höhe

Bei Patienten auf der Intensivstation, die nicht beatmet werden mussten, liegen die Kosten im Mittel (Median) bei 3.900 Euro pro Fall. Muss ein Patient beatmet werden, steigen die Kosten stark an. Hier liegt das Mittel bei 23.200 Euro. Vor allem wenn eine Lungenersatzmaschine (ECMO) zum Einsatz kommen muss, wird es teuer. So schlagen die zehn Prozent der beatmungspflichtigen Patienten mit den höchsten Kosten von etwa 77.000 Euro zu Buche.

Insgesamt ergibt sich so ein Mittelwert von 4.400 Euro pro Fall. Der Mittelwert oder Median beschreibt den Wert, der in einer Zahlenreihe genau in der Mitte liegt. Die eine HĂ€lfte der FĂ€lle liegt darunter, die andere HĂ€lfte darĂŒber. Berechnet man hingegen den Durchschnitt, liegen die Kosten pro Fall bei 10.200 Euro.

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FĂŒr die Berechnung analysierte das Institut 182.000 Corona-FĂ€lle, die zwischen MĂ€rz und Mai 2021 im Krankenhaus aufgenommen wurden. Da Covid-19 nur als Nebendiagnose gestellt werden kann, ist dabei unklar, ob die Patienten mit oder wegen Corona hospitalisiert wurden. Die Berechnung der Kosten erfolgt jeweils auf Fallbasis und kann daher nicht eindeutig auf einen Tageswert heruntergebrochen werden. Ein Fall bezieht sich dabei auf die Hospitalisierung in einem Krankenhaus. Wechselt ein Patient die Klinik, zĂ€hlt er als neuer Fall. Die durchschnittliche Hospitalisierung dauert zwischen zwei und drei Wochen.

Ein großer Teil der Kosten entfĂ€llt aktuell auf Ungeimpfte. Denn aus den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) geht klar hervor: Nicht alle Corona-Patienten auf der Intensivstation sind ungeimpft, aber eine deutliche Mehrheit.

Die deutsche Krankenhausgesellschaft beschrieb den durchschnittlichen Covid-Intensivpatienten unlĂ€ngst als "derzeit ungeimpft, mĂ€nnlich und mittleren Alters". Durch das gesunkene Durchschnittsalter der Patienten mĂŒssen die Ärzte und Pfleger lĂ€nger um das Leben der Erkrankten kĂ€mpfen. JĂŒngere Menschen liegen im Schnitt lĂ€nger auf der Intensivstation, weil sie bessere Überlebenschancen haben (lesen Sie hier mehr dazu, wer die aktuellen Intensivpatienten sind). Aktuell trĂ€gt diese Kosten die Solidargemeinschaft.

KassenÀrzte fordern Kostenbeteiligung von Ungeimpften

Vor rund zwei Wochen hatte sich die KassenĂ€rztliche Vereinigung Berlin (KV) fĂŒr eine allgemeine Impfpflicht und eine Kostenbeteiligung Ungeimpfter an Krankenhausleistungen ausgesprochen. "Der hohe Anteil der Menschen, die noch nicht geimpft sind, wird uns sonst in eine Katastrophe fĂŒhren und unser Gesundheitssystem in einem Maße ĂŒberlasten, wie wir es bisher nicht kennengelernt haben. Mit einer Impfpflicht allein kommen wir hier nicht mehr weiter", hieß es vom KV-Vorstand.

Die Krankenhauspatienten sollten demnach ĂŒber eine Eigenbeteiligung oder ĂŒber einen Aufschlag auf den Kassenbeitrag zur Kasse gebeten werden. "Die Einnahmen könnten den PflegekrĂ€ften im stationĂ€ren Bereich und den Medizinischen Fachangestellten in der ambulanten Versorgung zugutekommen", so die KV Berlin. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung hingegen wollte sich auf Nachfrage nicht zum Themenkomplex Ă€ußert.

Krankenversicherungen sind zurĂŒckhaltend

Die gesetzlichen Krankenkassen haben sich bisher nicht zu Kostenbeteiligungen von Ungeimpften positioniert. Allgemein gilt: In Deutschland herrscht Versicherungspflicht. Das heißt, dass jeder in Deutschland gemeldete Mensch bei einer Krankenkasse versichert sein muss. Die Wahl der eigenen Krankenkasse ist dabei aber freigestellt. Versicherte können auch eine private Krankenversicherung wĂ€hlen, doch in beiden FĂ€llen greift das Solidarprinzip: Wer einzahlt, kann alle angebotenen Leistungen in Anspruch nehmen.

Bei den privaten Krankenversicherungen gibt man sich bislang ebenfalls meist zurĂŒckhaltend. So hieß es bei der Allianz auf Anfrage von t-online, dass aktuell der Impfstatus von Versicherten nicht erfasst werde. Dieser spiele daher auch keine Rolle bei der Berechnung der Policen.

Eine Ausnahme stellt R+V-Chef Norbert Rollinger dar. Bereits im September sprach er sich im Interview mit t-online dafĂŒr aus, eine Beteiligung von Ungeimpften an den Mehrkosten zu diskutieren. "Als Versicherungsbranche werden wir frĂŒher oder spĂ€ter darĂŒber nachdenken mĂŒssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden", so Rollinger (lesen Sie das ganze Interview hier).

Ökonomen: Kosten könnten noch deutlich höher sein

Auf Basis der AOK-Daten hatte das Kieler Institut fĂŒr Weltwirtschaft im September eine Hochrechnung prĂ€sentiert. Diese bezifferte die Kosten fĂŒr die Behandlung von Ungeimpften allein zwischen Juli und Mitte September auf mindestens 120 Millionen Euro.

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Die tatsĂ€chlichen Kosten könnten aber noch deutlich höher gelegen haben, heißt es in dem Bericht. Denn im Nachhinein wurde die Hospitalisierungsrate durch das RKI korrigiert. Zudem seien die Kosten durch Folgebehandlungen noch nicht mit einbezogen.

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