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Anzeichen für baldige Zinswende der EZB mehren sich

Von rtr, mak

Aktualisiert am 16.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Christine Lagarde: Die EZB-Präsidentin schließt eine Zinswende in diesem Jahr nicht mehr aus.
Christine Lagarde: Die EZB-Präsidentin schließt eine Zinswende in diesem Jahr nicht mehr aus. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
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Der Druck auf die EZB wächst: Die Inflation steigt weiter. Nun senden mehrere Experten der Notenbank jedoch Signale, die für eine Zinswende sprechen. Die Frage ist nur: Wann kommt sie?

Angesichts der hohen Inflation im Euroraum mehren sich vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im März die Signale für einen strafferen geldpolitischen Kurs. Nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel gilt es bei der Bewertung der Inflation auch den Anstieg der Preise für Wohneigentum in den Blick zu nehmen.


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Der Immobilienboom erhöhe das Risiko, dass die Währungshüter zu spät bei der Änderung der Geldpolitik agierten, warnte die deutsche Ökonomin im Gespräch mit der "Financial Times". Mit Blick auf die weitere geldpolitische Kursbestimmung sagt sie: "Wir können das nicht ignorieren."

Baldiges Ende der Anleihenkäufe?

Ebenfalls aufhorchen ließen Äußerungen des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau: Er brachte am Dienstag auf einer Veranstaltung der London School of Economics ein Ende der Anleihenkäufe im Rahmen des Programms namens APP für das dritte Quartal ins Spiel. Ein Aus für die Zukäufe gilt als eine Voraussetzung für eine Zinserhöhung.

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Der EZB-Rat hat das Ende der Anleihen-Zukäufe über das 1,85 Billionen Euro schwere Pandemie-Notprogramm PEPP ab dem Frühjahr beschlossen. Damit die Finanzmärkte danach nicht auf dem Trockenen sitzen, läuft das kleinere Anleihenprogramm namens APP weiter.

Dessen Ende haben die Währungshüter bislang bewusst offengelassen. Der EZB-Rat geht in seiner Orientierungslinie für die Finanzmärkte davon aus, dass die Nettoankäufe beendet werden, "kurz bevor" er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt.

Villeroy brachte nun die Idee auf, das Wort "kurz" zu streichen, um flexibler agieren zu können. Allerdings müsse man sich vor der Zinssitzung im Juni keinen Plan für Zinserhöhungen zurechtlegen: "In diesem Stadium ist jegliche Spekulation über diesen Fahrplan künftiger Erhöhungen verfrüht."

Zinsspekulationen an der Börse

Auch Schnabel sieht Argumente, die für ein Ende der Anleihenkäufe sprechen. Ihr Nutzen rechtfertigten womöglich die zusätzlichen Kosten nicht, sagte sie der "FT". Die EZB sieht sich mit einer Rekord-Inflation konfrontiert.

Die Teuerung in der Eurozone war im Januar auf einen neuen Rekordwert von 5,1 Prozent geklettert und hatte damit nicht nur viele Experten, sondern auch die Währungshüter auf dem falschen Fuß erwischt. EZB-Chefin Christine Lagarde hat vor diesem Hintergrund zuletzt eine Zinswende 2022 nicht mehr völlig ausgeschlossen.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Sie sieht Argumente, die für ein Ende der Anleihenkäufe sprechen.
EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Sie sieht Argumente, die für ein Ende der Anleihenkäufe sprechen. (Quelle: Reiner Zensen/imago-images-bilder)

An den Börsen waren zuletzt die Zinsspekulationen ins Kraut geschossen. Dort wurde sogar von Erhöhungen bis Dezember von einem halben Prozent ausgegangen. Die EZB beließ den Leitzins zuletzt bei 0,0 Prozent.

Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken: Der Einlagesatz blieb bei minus 0,5 Prozent. Letztmalig hatte die EZB Leitzinsen im Jahr 2011 angehoben. Mehr zu den Zinssätzen der Notenbank lesen Sie hier.

Experte: Frau Lagarde muss handeln

Auch immer mehr Experten fordern die EZB zum Handeln auf, zuletzt Stefan Kooths, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). "Frau Lagarde muss deutlich machen, dass die Krise nun konjunkturell überwunden ist, und klar sagen, dass die EZB jetzt Zug um Zug aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik aussteigt", sagte er t-online am Dienstag.

Andernfalls laufe die EZB Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen entankern, so Kooths weiter. "Nur wenn die Menschen weiterhin darauf vertrauen können, dass sie das Preisstabilitätsziel nicht aufgibt, wird die Inflation wieder sinken."

Lagarde: Im März liegen neue EZB-Prognosen vor

Lagarde hat indes bereits signalisiert, dass es keinen abrupten Richtungswechsel geben wird. Sie wies darauf hin, dass den Währungshütern zur Zinssitzung am 10. März neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der EZB-Volkswirte vorliegen werden. Sie seien dann besser in der Lage, die Folgen des jüngsten Inflationsschubs einzuschätzen.

Direktorin Schnabel ließ nun eine verstärkte Sorge über die Inflationsentwicklung durchblicken. Sollte der Anstieg der Immobilienpreise einberechnet werden, hätte dies deutliche Auswirkungen auf die gemessene Inflation – vor allem auf die Kerninflation, warnte sie.

Zu der überarbeiteten Strategie der EZB gehört es, dass künftig selbst genutztes Wohneigentum dabei mit einbezogen werden soll. Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann hatte im Herbst allerdings betont, dass dies vorerst noch Zukunftsmusik sei.

Im Unterschied zu den USA sind die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum nicht im Warenkorb des Europäischen Statistikamts Eurostat enthalten. Bislang werden dort nur Mieten erfasst.

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  • Nele Behrens
Ein Kommentar von Nele Behrens
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