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EZB will Leitzins anheben: Kein Grund zur Freude | Kommentar


Kein Grund zur Freude

  • Florian Schmidt
Ein Kommentar von Florian Schmidt

Aktualisiert am 09.06.2022Lesedauer: 3 Min.
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EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Die Zinsen steigen im Juli.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Die Zinsen steigen im Juli. (Quelle: dpa-bilder)
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Nach elf Jahren hebt die Europäische Zentralbank erstmals die Zinsen wieder an. Das ist grundsätzlich gut – passiert aber viel zu spät.

Na endlich, könnte man sagen. Die Zinswende kommt, Christine Lagarde hat ein Einsehen: Schluss mit dem Zaudern und Zögern – im Kampf gegen die hohe Inflation beendet die Europäische Zentralbank (EZB) das Gelddrucken und erhöht erstmals seit elf Jahren die Zinsen. Gerade noch mal die Kurve gekriegt.

Im Januar, ja, sogar noch im März wären derlei Sätze treffend gewesen. Jetzt jedoch, im Juni, ist es für eine solche Einschätzung zu spät.

Zum Jahresbeginn lag die Teuerungsrate in Deutschland bei 5,1 Prozent, im März wuchs sie als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine sprunghaft auf 7,4 Prozent an. Schon zu diesem Zeitpunkt wäre ein Gegensteuern der Währungshüter nötig, wohl aber noch rechtzeitig gewesen.

Die Inflation steigt den Menschen über den Kopf

Im Mai aber stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland um durchschnittlich 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – so hoch war die Teuerungsrate zuletzt im Jahr 1973. Längst wachsen den Deutschen nicht nur die Kosten für Benzin, Gas und Strom über den Kopf. Auch Brot, Butter und Fleisch verteuern sich drastisch.

Und die EZB? Hat dieser Entwicklung viel zu lange zugeschaut. Noch Anfang des Jahres beschwichtigten Lagarde und Co. regelmäßig: Keine Bange, wir haben alles im Griff, "mittelfristig" erreichen wir das Ziel von zwei Prozent Inflation pro Jahr schon noch.

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Erst nach und nach räumten die Währungshüter zerknirscht ein, dass sie mit ihrer Inflationsprognose deutlich daneben gelegen hatten, dass sie allmählich über die Zinswende, wie sie in den USA und in Großbritannien schon längst Realität wurde, nachdenken müssten. Diese Abwägung jedoch dauerte nochmals drei Monate.

Die EZB muss sich jetzt beeilen

Inzwischen, so sehen es auch viele Experten, ist die Inflation so hoch, dass sich die EZB bei der Zinswende beeilen muss. Statt eines langsamen Anhebens der Zinsen in kleinen Schritten dürften nun größere Anpassungen in einem schnelleren Rhythmus nötig werden, was die Wirtschaft abwürgen könnte.

Dass die EZB genau das vorhat, ist jedoch nicht absehbar, im Gegenteil: Der für Juli avisierte Mini-Zinsschritt von 25 Basispunkten ist die kleinstmögliche Anpassung, die die Notenbank vornehmen konnte. Zudem ist lediglich der Leitzins betroffen, nicht aber der Einlagezins.

Für Sparer heißt das: Bis mindestens September, wenn die EZB auch den Einlagesatz von derzeit minus 0,5 Prozent anfassen will, werden ihnen die Banken für ihre Sparguthaben weiter Strafzinsen berechnen. Wer umgekehrt einen Kredit aufnehmen will, muss derweil schon jetzt mit steigenden Zinsen rechnen.

Die Gefahr der Preis-Lohn-Spirale

So richtig die Entscheidung des EZB-Rats im Prinzip ist – wirklichen Grund zur Freude gibt es nicht. Dafür hätte die Zinswende früher kommen müssen, dafür müsste nun erkennbar sein, dass die Notenbank nicht selbst dann noch zögert, wenn sie sich bereits zum Handeln entschlossen hat.

Erst dann nämlich – und nur dann – können sich die Taten der Zentralbank wirklich auf die Inflation auswirken: Die EZB muss die Menschen davon überzeugen, dass sie die Teuerung wieder eingefangen bekommt.

Gelingt ihr das nicht, verlieren die Bürger das Vertrauen in die Notenbank, werden sie höhere Löhne bei ihren Chefs durchsetzen und damit womöglich die gefürchtete Preis-Lohn-Spirale in Gang setzen, die abermals zu einem Inflationsanstieg führt.

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