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Organspende in Deutschland: Stiftung kritisiert Gesetzentwurf

Widerspruchslösung  

Stiftung kritisiert Vorstoß bei der Organspende

01.04.2019, 17:27 Uhr | dpa

Organspende in Deutschland: Stiftung kritisiert Gesetzentwurf. Organspendeausweis: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz spricht sich gegen die von Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Widerspruchslösung aus. (Quelle: imago images/Christian Ohde)

Organspendeausweis: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz spricht sich gegen die von Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Widerspruchslösung aus. (Quelle: Christian Ohde/imago images)

Vor einer Aufgabe des Prinzips der Freiwilligkeit für die Organspende hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz gewarnt. Teile der Politik hatten für eine Widerspruchslösung geworben. Was schlägt die Stiftung vor?

Eine Gruppe von Abgeordneten um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Politiker Karl Lauterbach stellt heute einen Gesetzentwurf für eine Widerspruchslösung bei der Organspende vor. Bei der Widerspruchsregelung könne von Spende keine Rede mehr sein, sagt Vorstand Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. 

Stiftung sieht Freiwilligkeit gefährdet

Vorgesehen ist in dem Entwurf von Jens Spahn, dass alle Personen ab 16 Jahren ausführlich informiert und als Spender registriert werden – außer, sie widersprechen. Sie sollen ihre Entscheidung auch jederzeit revidieren können.

Brysch mahnt: "Jede Organspende ist eine freiwillige Entscheidung." Die Widerspruchslösung setze aber darauf, dass die meisten sich nicht mit der Frage beschäftigen und schweigen. "Schweigen heißt aber nicht Zustimmung", sagt Brysch. Es sei ethisch besonders wertvoll, einem anderen Menschen sein Organ zu schenken. "Doch dieses Geschenk ist nicht mit der Brechstange zu erzwingen."

Abstimmung im Bundestag ohne Fraktionszwang

Eine andere parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten wirbt für verbindliche regelmäßige Befragungen der Bürger und ein bundesweites Online-Register. Diese Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock betont in einer Stellungnahme: "Wir wollen die Organspende nach dem Tod als eine bewusste und freiwillige Entscheidung beibehalten und stärken, die nicht durch den Staat erzwungen werden darf." Die Widerspruchslösung wecke Ängste und senke das Vertrauen in die Organspende.

Erwartet wird, dass der Bundestag ergebnisoffen und ohne Fraktionszwang über eine Neuregelung zur Organspende abstimmt.

Erstmals wieder Steigerung der Zahl der Organspender

Brysch fordert, der Gesetzgeber müsse mehr Verantwortung in dem Bereich übernehmen. "Das Transplantationssystem muss in staatliche Hände gelegt werden." Das gelte sowohl für die Regeln und Verteilungskriterien als auch für die Organisation und die Kontrolle des Systems. Heute trägt unter anderem die Deutsche Stiftung Organtransplantation zentrale Verantwortung.


Seit Jahren herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In Deutschland standen zuletzt 9.400 Patienten auf den Wartelisten für eine Organtransplantation. Erstmals seit 2010 war die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr wieder gestiegen. 955 Menschen spendeten nach ihrem Tod ihre Organe für schwerkranke Patienten. Im Vergleich zu 2017 ist dies eine Steigerung von knapp 20 Prozent.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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