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Gute VorsĂ€tze – so bleiben Sie dran

Von Ulrike Scheuermann

Aktualisiert am 16.01.2022Lesedauer: 5 Min.
NeujahrsvorsÀtze (Symbolbild): Ulrike Scheuermann erklÀrt, wie Sie sie am besten einhalten können.
NeujahrsvorsÀtze (Symbolbild): Ulrike Scheuermann erklÀrt, wie Sie sie am besten einhalten können. (Quelle: Christian Ohde/imago-images-bilder)
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Sie hatten gute VorsÀtze und sind schon wieder kurz davor aufzugeben? Warum das so ist und wie Sie gemeinsam leichter und nachhaltiger Ihre Ziele verfolgen.

Vielleicht haben Sie es schon nach den ersten Wochen im neuen Jahr bemerkt: Es ist nicht leicht, die eigenen Ziele im Alltag zu verfolgen. Damit sind Sie nicht allein. Im RĂŒckblick auf das Jahr 2021 zeigt eine reprĂ€sentative Umfrage: Es gelang nur der HĂ€lfte aller Deutschen, die gesteckten Ziele aus 2020 lĂ€nger als drei Monate durchzuhalten, weitere 21 Prozent hielten zumindest zwei bis drei Monate durch.

Deutlich erschwerend kam die Corona-Pandemie dazu: Im Vergleich mit frĂŒheren Jahren fiel es den Menschen rund 50 Prozent schwerer, die Vorhaben umzusetzen.

Gegenspieler "schlechtes Gewissen"

Ich hoffe, das entlastet Sie gleich schon mal. Denn einer der wichtigsten Gegenspieler zum erfolgreichen Verfolgen von Zielen ist das schlechte Gewissen, oft mit Selbstbeschuldigungen: "Wenn ich das nicht durchhalte, bin ich selbst schuld", "Du hast dich halt nicht im Griff".

Wenn wir mit solchen Gedanken und entsprechend negativen GefĂŒhlen unsere VorsĂ€tze verfolgen, zieht uns das mit der Zeit immer mehr runter und vergiftet quasi die Lust auf das, was wir doch gerade so gerne mehr in unser Leben integrieren wĂŒrden. Wenn wir dagegen die Umsetzung mit Freude und unserer Natur entsprechend einrichten, wird es uns leichter fallen, Ziele zu verfolgen und dranzubleiben.

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Welche guten VorsÀtze die Deutschen haben

Schauen wir erst einmal, welche Ziele fĂŒr uns am wichtigsten sind. Mit einer reprĂ€sentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit werden jedes Jahr die guten VorsĂ€tze fĂŒr das kommende Jahr und deren Umsetzung aus dem Vorjahr erfragt. Was sind die hĂ€ufigsten guten VorsĂ€tze der Deutschen fĂŒr das neue Jahr?

Auf Platz 1 stehen mit jeweils 64 Prozent zwei Ziele: "Stress vermeiden oder abbauen" und "Mehr Zeit fĂŒr Familie/Freunde". An dritter Stelle rangiert "Umwelt- bzw. klimafreundlicher verhalten" mit 60 Prozent. Es folgen "Mehr bewegen/Sport" (59 Prozent), "mehr Zeit fĂŒr mich selbst" (53 Prozent) und "gesĂŒnder ernĂ€hren" (50 Prozent).

Das Wichtigste: Zeit fĂŒr wichtige Menschen und weniger Stress

Als ich die Rangfolge studierte, habe ich ehrlich gesagt innerlich frohlockt. Denn unter den ersten PlĂ€tzen finden wir den SchlĂŒssel zur Umsetzung von guten VorsĂ€tzen mit Leichtigkeit und im Einklang mit unserer Natur – anstatt mit zusĂ€tzlichem Stress und Verbissenheit. Sie sind auch aus wissenschaftlicher Sicht fĂŒr Gesundheit, ein langes Leben und Zufriedenheit enorm wichtige Faktoren – und sie bedingen sich gegenseitig.

Es gibt inzwischen eine ĂŒberwĂ€ltigende Menge an wissenschaftlichen Studien, die alle zu diesem Ergebnis kommen: Unsere Sozialkontakte sind die Nummer 1 fĂŒr ein gesundes, langes Leben. Sie kommen noch VOR gesunder ErnĂ€hrung, Bewegung, Nichtrauchen.

Gute soziale Beziehungen machen genau deshalb so gesund und zufrieden, weil sie den Stresslevel deutlich senken. Wir setzen also zwei Ziele gleichzeitig um, wenn wir mehr Zeit mit den Menschen verbringen, die uns am Herzen liegen.

Entspanntes Zusammensein mit Menschen wirkt positiv

Warum hat das soziale Miteinander eine so starke Wirkung? Unser Körper schĂŒttet beim entspannten Zusammensein mit anderen Substanzen aus, die dazu beitragen, dass wir dadurch gut und gesund leben. Endorphine und Oxytocin sorgen fĂŒr GlĂŒcksgefĂŒhle und senken den Stresslevel.

Wir sind nĂ€mlich biologisch darauf geeicht, sozial zu sein und uns in Gemeinschaft, mit vertrauten Menschen, normal und entspannt zu fĂŒhlen, ruhig, richtig und wertvoll, sicherer und weniger Ă€ngstlich. Es ist fĂŒr uns evolutionĂ€r gesehen der Normalzustand.

Wenn andere Menschen so existenziell wichtig fĂŒr uns sind, können wir dann auch andere gute VorsĂ€tze damit besser umsetzen? Ja! In der Wissenschaft wird die herausragend positive Kraft guter Sozialkontakte damit begrĂŒndet, dass im sozialen Miteinander auch alles andere gefördert wird:

Wenn man nicht nur fĂŒr sich kocht und das Essen mit anderen gemeinsam genießt, so fĂ€llt es uns leichter, uns gesund zu ernĂ€hren. Wenn man mit anderen Sport treibt, sich zum gemeinsame Joggen verabredet, wird man sich eher dazu aufraffen. Denn von Natur aus sind wir keine Sportskanonen. Überall auf der Welt nehmen weniger als 5 Prozent der Menschen die Treppe, wenn daneben eine Rolltreppe ist.

Sport: aus evolutionÀrer Sicht abwegig

Evolutionspsychologen weisen nach, dass Menschen von Natur aus schon immer darauf ausgerichtet sind, Energie zu sparen. Seit es Menschen, gibt – seit sechs Millionen Jahren – wĂ€re es völlig unsinnig gewesen, Energie mit Sport zu verschwenden. Jede Gelegenheit zum Energiesparen wurde genutzt. Man saß herum, ruhte, bis wieder Nahrung organisiert werden musste. Niemand in der Steinzeit lief eine Joggingrunde am Morgen. Gegen den rationalen Gedanken "Ich sollte Sport machen" stehen noch heute unsere Instinkte, die rufen: "Spare Energie!"

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Schon immer haben Menschen sich bewegt, wenn sie dies gemeinsam taten, vor allem beim Tanzen, aber auch beim Spielen, zum Beispiel gibt es in vielen Kulturen Ballspiele. Auch hier finden wir also wieder den SchlĂŒssel, um unsere Ziele umzusetzen: soziales Miteinander.

Verbinden Sie jeden guten Vorsatz mit sozialen Aspekten

Gemeinsam mit anderen fÀllt uns die Umsetzung leichter. Gutes Verhalten steckt an. Diese drei Ideen helfen Ihnen, Ihre Ziele langfristig zu verfolgen:

  • Laden Sie andere öfter zum gesunden Essen ein: Gemeinsam zu kochen und zu essen ist eine besonders wirksame Möglichkeit fĂŒr Stressabbau (guter Vorsatz Nummer 1a), außerdem hervorragend geeignet fĂŒr die Beziehungspflege (guter Vorsatz Nummer 1b) und schon in sich gesund. Wenn Sie dann noch auf gesunde Zutaten achten, haben Sie gleich noch Vorsatz Nummer 6 umgesetzt: "gesĂŒnder ernĂ€hren". Überdies werden Sie in dieser Zeit nicht Ihre GerĂ€te wie Handy, Computer, Internet nutzen (Vorsatz Nummer 8) und weniger fernsehen (Vorsatz Nummer 9).
  • Verabreden Sie sich zum gemeinsamen Sporttreiben (Vorsatz Nummer 4) – fast jede Sportart oder Tanzen kann man mit anderen machen. Sie werden motivierter sein, wiederum zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, weil Sie dabei Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen (Vorsatz Nummer 1) und Sport und gemeinsam verbrachte Zeit wesentlich beim Stressabbau helfen (Vorsatz Nummer 1a).
  • Überlegen Sie mit den Menschen in Ihrem Haushalt oder in der Nachbarschaft, wie Sie sich gemeinsam umwelt- und klimafreundlicher verhalten können (Vorsatz Nummer 3). Mit Ihren Freunden oder Familie könnten Sie weniger oder gar kein Fleisch essen und statt Fernreisen lieber öfter mit anderen die Natur in der Umgebung erkunden. Mit Nachbarn könnten Sie Carsharing, Kleidertausch und gegenseitige Hilfe beim Reparieren statt Neukauf umsetzen und bei all dem auch noch viel Spaß haben und Kontakte pflegen (Vorsatz Nummer 2).

Sie sehen: Wenn wir unsere guten VorsĂ€tze nicht als Einzelvorhaben mit strengen PlĂ€nen und allein umsetzen, sondern als lockeres Zusammenspiel verstehen, bei dem wir mehrere Ziele miteinander verbinden und dies mit anderen gemeinsam tun, wird vieles leichter und fĂŒgt sich zu einem ganzheitlich erfĂŒllteren, gesĂŒnderen und zufriedenen Leben.

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Ulrike Scheuermann ist Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin. Seit 25 Jahren hilft sie Menschen dabei, ihr Leben mit modernsten Methoden der Psychologie innerlich frei und ohne Blockaden besser und gesĂŒnder zu gestalten. Ihre Self-Care- und Coaching-Programme finden in ihrer Akademie in Berlin und online statt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Ulrike Scheuermann
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