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Der Streit ums russische Gas wird persönlich

Von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 05.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Tief zerstritten: Die Ă–konomen RĂĽdiger Bachmann (l.) und Sebastian Dullien (r.) sind in der Gasembargo-Frage geteilter Meinung.
Tief zerstritten: Die Ă–konomen RĂĽdiger Bachmann (l.) und Sebastian Dullien (r.) sind in der Gasembargo-Frage geteilter Meinung. (Quelle: IPON, University of Notre Dame, U. Frey/t-online/imago-images-bilder)
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Kann Deutschland auf Öl und Gas aus Russland verzichten? Darüber gibt es unter den Volkswirten einen Riesenkrach – der uns vor allem eines lehrt.

Normalerweise gehen Deutschlands führende Ökonomen einigermaßen pfleglich miteinander um. Man kennt sich, schätzt sich nicht immer, aber man wahrt die Form.

Doch über die Frage, ob Deutschland kurzfristig auf Öl und Gas aus Russland verzichten kann, haben sich die Volkswirte in den vergangenen Wochen tief zerstritten. Der Krach wird längst nicht mehr auf der fachlichen Ebene ausgetragen – es wird persönlich geholzt.

Denn im Kern geht es um die Frage, welche Rolle Wissenschaftler haben. Sollen sie forschen und Studien verfassen? Sollen sie die Politik beraten? Sollen sie selbst Politik machen?

"Irgendwelche mathematischen Modelle"

Auslöser der Auseinandersetzung ist eine Studie, die Bundeskanzler Olaf Scholz in der Talk-Show "Anne Will" als "unverantwortlich" diffamierte. Die Autoren von "What if – The Economic Effects für Germany of a Stop of Energy Imports from Russia" hatten mit verschiedenen Modellen die Konsequenzen eines Gasembargos durchgerechnet.

Sie kamen zu dem Schluss, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland im schlimmsten Fall um drei Prozent einbrechen würde, wenn Deutschland von sich aus den Gashahn zudreht. Das sei verkraftbar. Da hätten ein paar Wissenschaftler "irgendwelche mathematischen Modelle zusammengerechnet, die dann nicht funktionieren", schimpfte Scholz.

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Dennoch: Während Politiker wie Wirtschaftsminister Robert Habeck in diesen Tagen öffentlich zu ihren Gewissensnöten und Zweifeln stehen, haben sich die Wissenschaftler längst entschieden.

"AnmaĂźung" und "heruntergelassene Hosen"

Die einen finden, dass Deutschland sich den Boykottforderungen jetzt sofort anschließen muss. Die anderen, meist Wissenschaftler von arbeitgeber- oder gewerkschaftsnahen Forschungsinstituten, halten das für ein enormes Risiko. Es könnte die Kernschmelze der Industriestruktur bedeuten.

Beide Seiten führen sich so auf, als müssten sie ihre Truppen schon morgen persönlich in den Krieg führen. Vor allem im sozialen Netzwerk Twitter ist von "Ökonomen Feldherren" und "Anmaßung" die Rede, von "heruntergelassenen Hosen" und "Appeasern".

Die erste Studie ("What if?") stammt von einer Gruppe von Wissenschaftlern um die Ökonomen Rüdiger Bachmann, der als VWL-Professor in den USA lehrt, und Andreas Peichl, Makroökonom am Münchner Ifo-Institut. Sie kommen – wie auch die Wissenschaftsakademie Leopoldina – zu dem Ergebnis, es sei keine Katastrophe, wenn Deutschland kein Gas aus Russland mehr kauft.

Zu viele unbekannte Faktoren

Drei Prozent weniger beim Bruttoinlandsprodukt? In der Corona-Pandemie war die Wirtschaft um fast fĂĽnf Prozent geschrumpft. Ă„hnlich wie vor zwei Jahren die Veranstaltungswirtschaft und die Tourismusbranche staatliche Subventionen bekamen, mĂĽsste der Staat diesmal der Chemieindustrie unter die Arme greifen, meinen sie.

Andere Ökonomen warnen, eine Situation, die noch nie da gewesen ist, so abzuschätzen. Denn Volkswirte sind zwar immer gut mit ihren Prognosen, wenn sich Entwicklungen fortschreiben lassen. Kommt es dagegen zu überraschenden Brüchen, liegen sie oft daneben.

So ist auch diesmal nicht klar, wie die langfristigen Folgen eines solchen Embargos wären: Wird die Chemieindustrie ein Jahr mit Produktionsunterbrechungen verkraften? Lässt sich das Gasnetz ohne Probleme hochfahren, wenn irgendwann Frieden geschlossen ist? Werden die Firmen überleben, die auf Vorprodukte beispielsweise von BASF in Ludwigshafen angewiesen sind? Wie schnell kann es gelingen, Gas dauerhaft aus anderen Quellen zu kaufen – und wie teuer wird das?

Wissenschaftler sind keine politischen Entscheider

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, und Sebastian Dullien, der Frontmann des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, sehen die Lage wesentlich düsterer. Millionen neuer Arbeitsloser seien zu befürchten, der Wirtschaftseinbruch könne doppelt so schlimm ausfallen wie in der "What if?"-Studie beschrieben. Weil Hüthers IW im Wesentlichen von den Metallarbeitgebern, Dulliens IMK von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanziert wird, wurden die Einwände der beiden Institute als parteiisch abgetan.

"Als Staats- und WeltbĂĽrger" sei er fĂĽr einen Gasboykott, sagte Bachmann, einer der streitbarsten der Autoren der ersten Studie, dem Sender ntv. Die Folgen eines Importstopps habe er als Wissenschaftler beschrieben.

Dumm nur, dass die Wirtschaftswissenschaftler, Staats- und Weltbürger in den vergangenen Wochen vergessen haben, dass sie die Politik nur beraten sollen. Entscheiden müssen die Bundesregierung und das Parlament. Was passiert, wenn man diese Rollen verwechselt, hätten die Ökonomen bei anderen erfahren können, die die Regierung in den vergangenen Jahren beraten haben: bei den Epidemiologen, den Virologen und den Immunologen.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche.

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