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Traton: Die VW-Tochter will US-Anbieter Navistar kaufen

Anleger euphorisch  

VW-Tochter bietet Milliarden für US-Lkw-Hersteller

01.02.2020, 16:34 Uhr | dpa

Traton: Die VW-Tochter will US-Anbieter Navistar kaufen . Traton: Bisher ist die VW-Tochter in den USA kaum vertreten, während Rivale Daimler mit der Marke Freightliner dort seine große Stärke hat.  (Quelle: Hersteller/Traton Group)

Traton: Bisher ist die VW-Tochter in den USA kaum vertreten, während Rivale Daimler mit der Marke Freightliner dort seine große Stärke hat. (Quelle: Traton Group/Hersteller)

Um auf dem Lkw-Markt in den USA voranzukommen, will die VW-Tochter Traton den US-Anbieter Navistar schlucken. Aus dem eigenen Konzern soll ein Teil abgespalten werden. Gelingt so die Aufholjagd auf Daimler?

Volkswagens Lkw- und Bustochter Traton will ihr Geschäft in Nordamerika mit einer Milliardenübernahme deutlich ausbauen und damit dem Hauptrivalen Daimler auf den Pelz rücken. Die börsennotierte Sparte für schwere Nutzfahrzeuge mit Sitz in München plant, dazu die restlichen Anteile am US-Truckhersteller Navistar zu übernehmen. Dafür legt Traton 2,9 Milliarden US-Dollar (2,6 Mrd Euro) auf den Tisch, wie die Konzernmutter VW in Wolfsburg mitteilte.

VW könnte auf Daimler aufholen

Mit dem Deal könnte VW in den USA gegenüber Weltmarktführer Daimler aufholen, bisher fährt man den Stuttgartern hinterher. Traton hält schon 16,8 Prozent an Navistar. Die Firma kommt aus Lisle (Illinois).

Dem Verwaltungsrat der Amerikaner sei ein Vorschlag zum Kauf der noch nicht von Traton gehaltenen Aktien für 35 US-Dollar je Anteilschein gemacht worden, hieß es. Der letzte Schlusskurs von Navistar an der New Yorker Börse hatte am Donnerstag bei 24,07 Dollar gelegen.

Navistar-Aktie legt zu

Volkswagen war im September 2016 eingestiegen und hatte damals 15,76 Dollar je Papier bezahlt. Allerdings greift VW-Nutzfahrzeugvorstand und Traton-Chef Andreas Renschler nun bei deutlich günstigeren Kursen zu als zuletzt – das Hoch lag vor zwei Jahren bei über 47 Dollar.

Anleger zeigten sich euphorisch. Die Navistar-Aktie legte im außerbörslichen US-Handel um gut 50 Prozent auf 36,45 Dollar zu. Offenbar rechnen Marktakteure mit einer Ablehnung des Angebots und Aufstockung des Preises – oder mit einer Gegenofferte. VW hat es zudem mit einem lautstarken Großaktionär zu tun: US-Starinvestor Carl Icahn besitzt ebenfalls fast 17 Prozent an Navistar.

Daimler führt Weltmarkt bei Nutzfahrzeugen an 

Bisher ist Traton in den USA kaum vertreten, während Rivale Daimler mit der Marke Freightliner dort seine große Stärke hat. Traton ist dafür seinerseits in Europa und Südamerika präsenter. Daimler führt den Weltmarkt bei schweren Nutzfahrzeugen an. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wurden 390.694 Lkw und Busse verkauft – mehr als doppelt so viele Fahrzeuge wie bei Traton in dem Zeitraum.

Mit Navistar könnte die Rechnung anders aussehen: Die Amerikaner wurden im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Oktober) weltweit 106.500 Lkw und Busse los, Traton im Kalenderjahr 2019 insgesamt 242.200 Fahrzeuge. Daimler muss die Zahlen für das Gesamtjahr 2019 erst noch vorlegen, kam aber 2018 auf einen Absatz von 548.223 Lkw und Bussen.

VW will Anteile an Renk abstoßen 

Renschlers Strategie zielte bisher darauf ab, in den USA und Asien vor allem über Kooperationen vertreten zu sein. Dazu wollte Traton zusammen mit Navistar Teile günstiger einkaufen oder auch mit dem chinesischen Hersteller Sinotruk schwere Lkw für China bauen. Das Übernahmeangebot an Navistar steht unter dem Vorbehalt, dass sich beide Seiten auf einen Zusammenschlussvertrag einigen.

Einen anderen Bereich will der VW-Konzern dagegen abstoßen. Die gehaltenen 76 Prozent am Spezialgetriebebauer Renk – bis Ende 2018 Teil der Nutzfahrzeugtochter MAN – sollen an den Finanzinvestor Triton verkauft werden, man erwartet hieraus einen Buchgewinn von 150 Millionen Euro. VW-Management und -Betriebsrat betonten, Teil der Vereinbarung sei eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für die Renk-Werke in Augsburg, Hannover und Rheine bis Ende 2026.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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