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"Rentner und Rentnerinnen bekommen von all dem nichts"

  • Christine Holthoff
  • Nele Behrens
Von Christine Holthoff, Nele Behrens

Aktualisiert am 15.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Steigende Kosten: Von dem Entlastungspaket f├╝r hohe Energiepreise profitieren Rentner nicht.
Steigende Kosten: Von dem Entlastungspaket f├╝r hohe Energiepreise profitieren Rentner nicht. (Quelle: RealPeopleGroup/getty-images-bilder)
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Die Kosten f├╝r Energie sind auf einem Rekordniveau, vielen Menschen droht die Armut. Gleichzeitig bereichern sich viele Unternehmen, kritisiert Deutschlands oberste Verbrauchersch├╝tzerin Jutta Gurkmann im Interview.

Die Kosten f├╝r Strom, Gas und ├ľl sind seit Wochen auf Rekordniveau, Hunderte Energieversorger haben zum Sommer die n├Ąchste Preissteigerung angek├╝ndigt ÔÇô und das geplante EU-├ľlembargo der EU sch├╝rt weitere Sorgen bei den Verbrauchern.

Die Bundesregierung will die Folgen f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger mit einem milliardenschweren Entlastungspaket abfedern ÔÇô aber das reiche nicht, kritisiert Jutta Gurkmann, seit M├Ąrz Vorst├Ąndin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Im Interview mit t-online erkl├Ąrt sie, was die Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt in Folge der hohen Inflation wirklich brauchen, welche Gruppe besonders betroffen ist und wie die Wirtschaft ihren Teil dazu beitragen k├Ânnte, dass niemand bald im Dunkeln sitzt.

t-online: Frau Gurkmann, aktuell wird alles teurer. Die Ampel hat deswegen ein gro├čes Entlastungspaket an den Start gebracht. Wird damit f├╝r Deutschlands Verbraucher alles gut?

Jutta Gurkmann: Sch├Ân w├Ąr's. Leider deuten die Prognosen aber nicht darauf hin, dass die Preise in absehbarer Zeit wieder sinken. Das hei├čt: Die Verbraucherkrise bleibt akut ÔÇô und sie wird mit dem Entlastungspaket nicht vorbei sein. Wenn die Preise weiter steigen, muss die Regierung nachbessern.

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Alle Ma├čnahmen der Ampel kosten gesch├Ątzt 15 Milliarden Euro. Warum reicht das nicht?

Das zweite Entlastungspaket geht in die richtige Richtung, l├Ąsst aber auch vieles aus. Klar, ein 9-Euro-Ticket ist ganz nett, aber es bringt mir wenig, wenn der Bus auf dem Land nur zweimal t├Ąglich f├Ąhrt. Die 300 Euro Energiepreispauschale helfen nur bedingt, auch der Heizkostenzuschuss ist zu niedrig. Haushalte mit geringem Einkommen sollten mindestens 1.000 Euro bekommen, um die prognostizierten Kosten aufzufangen. Und Rentnerinnen und Rentner bekommen von all dem gar nichts.

Was sollte die Bundesregierung Ihrer Meinung nach noch tun?

Wir sprechen uns zus├Ątzlich f├╝r ein Moratorium von Energiesperren f├╝r Strom- und Gaskunden aus. Denn wer seine steigenden Stromrechnungen nicht bezahlen kann, k├Ânnte bald im Dunkeln sitzen. Das darf nicht sein.

Jutta Gurkmann: Die neue Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands sieht von der Industrie aktuell zu wenig Bereitschaft. Die Wirtschaft sage immer nur, wo sie nicht sparen k├Ânnte.
Jutta Gurkmann: Die neue Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands sieht von der Industrie aktuell zu wenig Bereitschaft. Die Wirtschaft sage immer nur, wo sie nicht sparen k├Ânnte. (Quelle: vzbv)

In der Corona-Krise haben die Deutschen viel gespart. Sind die Geldbeutel der Deutschen tats├Ąchlich so leer, dass sie ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen k├Ânnen?

Zum Teil ja. Viele Menschen hat schon die Corona-Krise hart getroffen. In der aktuellen Krise gibt es immer mehr Menschen, die nirgends mehr sparen k├Ânnen ÔÇô und die Energiepreise steigen trotzdem weiter. Wo das Geld fr├╝her gerade so bis zum Ende des Monats gereicht hat, wird es nun bereits ab der Monatsmitte eng. Das zeigen auch die langen Schlangen, die sich bei den Tafeln bilden. Da sind viele Menschen dabei, die nie damit gerechnet h├Ątten, einmal auf diese Unterst├╝tzung angewiesen zu sein.

Unter ihnen sind immer ├Âfter auch ├Ąltere Menschen.

Richtig. Viele Rentner leiden besonders unter den aktuellen Preisspr├╝ngen. Von der Energiepreispauschale sp├╝ren sie nichts, weil diese nur an Arbeitnehmer gezahlt wird. Rentner brauchen deshalb schnell Sonderentlastungen. Doch auch f├╝r j├╝ngere Menschen ist die aktuelle Inflation ein Problem. Wer kann denn jetzt noch Geld f├╝rs Alter zur├╝cklegen? Wir m├╝ssen aufpassen, dass wir in der aktuellen Krise nicht den Grundstein f├╝r die n├Ąchste legen: die Altersarmut k├╝nftiger Generationen.

Es gibt verschiedene Forderungen, wie ├Ąrmeren Menschen geholfen werden k├Ânnte. Mieterbund-Pr├Ąsident Lukas Siebenkotten etwa forderte unl├Ąngst einen Rechtsanspruch auf einen staatlichen Zuschuss. Dieser solle Menschen zugutekommen, deren Einkommen im Vergleich zur Warmmiete zu niedrig ist. Was halten Sie davon?

Wir m├╝ssen aufpassen, dass die Instrumente nicht zu kompliziert werden. Aber es ist wichtig, dass wir jetzt L├Âsungen f├╝r den Herbst finden ÔÇô auch wenn bei den aktuellen Temperaturen keiner ans Heizen denkt. Wir setzen dabei aber vor allem auf F├Ârderungen f├╝r energieeffiziente Geb├Ąudesanierungen. Mieter m├╝ssen bei der Umlage der Sanierungskosten entlastet werden.

Lange Schlangen bei der Tafel (Symbolbild): Die hohe Inflation treibt viele Menschen dazu, Hilfe von sozialen Einrichtungen anzunehmen. Rentner sind besonders h├Ąufig betroffen.
Lange Schlangen bei der Tafel (Symbolbild): Die hohe Inflation treibt viele Menschen dazu, Hilfe von sozialen Einrichtungen anzunehmen. Rentner sind besonders h├Ąufig betroffen. (Quelle: epd-bild/Philipp Reiss/imago-images-bilder)

Die EU ringt um ein ├ľlembargo, Experten gehen davon aus, dass auf kurz oder lang auch Bremser wie Ungarn oder die Slowakei diesem Schritt zustimmen werden. Sollte ich mit Blick auf den Herbst also jetzt schon mal die Tankkanister f├╝rs Auto f├╝llen?

Niemand kann seri├Âs vorhersagen, wie sich die Preise von Heiz├Âl, Benzin und Diesel weiterentwickeln. Dennoch m├╝ssen wir mit weiter steigenden Energiepreisen zumindest rechnen. Darum ist es wichtig, bereits jetzt Energie zu sparen. Hamsterk├Ąufe treiben die Preise dagegen nur unn├Âtig zus├Ątzlich in die H├Âhe.

Ihr Vorg├Ąnger Klaus M├╝ller, der heute die Bundesnetzagentur leitet, kritisiert, dass die Deutschen die Krise noch nicht ernst genug n├Ąhmen und zu wenig Energie sparten. Muss die Regierung den Deutschen die Krise st├Ąrker vor Augen f├╝hren?

Viele Verbraucher sind sich der Lage durchaus bewusst und wollen Energie sparen. Wir erleben geradezu einen Ansturm auf unsere Beratungsangebote. Wir w├╝rden auch eine nationale Aufkl├Ąrungskampagne der Bundesregierung zum Energiesparen unterst├╝tzen.

Wie erfolgreich kann die sein? Sind wir nach fast drei Jahren Pandemie und Einschr├Ąnkungen nicht einfach krisenm├╝de?

Der Erfolg der Kampagne h├Ąngt ganz davon ab, wen sie anspricht. F├╝r uns ist klar: Beim Energiesparen sind alle gefordert. Industrie, Dienstleistung, Handel, Gewerbe, der ├Âffentliche Sektor ÔÇô und nat├╝rlich auch die privaten Haushalte. Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung, die wir alle zusammen meistern m├╝ssen. Stattdessen bleibt aber bei vielen Verbrauchern das ungute Gef├╝hl, dass manche Unternehmen jetzt unter dem Deckmantel der Inflation und des Kriegs gegen die Ukraine den gro├čen Reibach machen.

Jutta Gurkmann ist seit dem 1. M├Ąrz Vorst├Ąndin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). F├╝r den Vzbv ist die Juristin seit 2009 t├Ątig. Vor der ├ťbernahme des Vorstandes hat Gurkmann sieben Jahre lang den Gesch├Ąftsbereich Verbraucherpolitik verantwortet.

K├Ânnen Sie belegen, dass manches Unternehmen die Inflation ausnutzt?

Das zu belegen ist nicht unsere Aufgabe. Wenn es aber Indizien daf├╝r gibt ÔÇô Rekordgewinne zum Beispiel -, muss die Regierung dem nachgehen. Damit hat sie das Bundeskartellamt beauftragt. Denn es kann ja nicht sein, dass die Verbraucher mit immer mehr Kosten belastet werden, w├Ąhrend sich Konzerne eine goldene Nase verdienen.

Sollten Unternehmen, die in der Krise gr├Â├čere Gewinne machen als sonst also mehr Steuern bezahlen, so wie es die Gr├╝nen fordern?

Die Bundesregierung sollte Wege finden, unrechtm├Ą├čige Gewinne zu verhindern oder zur├╝ckzuholen. Es d├╝rfen nicht nur die Verbraucherinnen und Verbraucher zur Verantwortung gezogen werden. Klar, auch sie m├╝ssen ihren Anteil leisten, aber doch nicht allein.

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Im Notfallplan Gas sind die Verbraucher jedenfalls besonders gut gesch├╝tzt.

Ja, die Regelungen auf EU-Ebene und in Deutschland sehen f├╝r Verbraucher einen besonderen Schutz vor. Wir erwarten, dass dies im Ernstfall auch so umgesetzt wird. Gleichzeitig gibt es aber Stimmen aus der Wirtschaft, die ├änderungen fordern, frei nach dem Motto: Industrie zuerst, danach irgendwann die Verbraucher ÔÇô wenn noch etwas ├╝brig bleibt.

Aber ist das mit Blick auf drohende Arbeitslosigkeit nicht auch verst├Ąndlich?

Die Firmen sagen immer nur, wo sie nicht sparen k├Ânnen. Dabei m├╝ssen alle schauen, wo es Sparpotenzial gibt.

Kein Heizen von B├╝ros? Wenn Unternehmen im Herbst mehr auf Homeoffice setzen w├╝rden, k├Ânnte die Wirtschaft mit geringem Aufwand viel Energie einsparen.
Kein Heizen von B├╝ros? Wenn Unternehmen im Herbst mehr auf Homeoffice setzen w├╝rden, k├Ânnte die Wirtschaft mit geringem Aufwand viel Energie einsparen. (Quelle: alvarez/getty-images-bilder)

Sie finden also, dass die Unternehmen ihre B├╝ros nicht beheizen sollten?

Noch mal: Alle sollten schauen, wo sie Einsparpotenziale haben. Es gibt nicht den einen Schalter, mit dem man seinen Energieverbrauch halbieren kann. Es gibt nur viele kleine R├Ądchen: Durchs Homeoffice zum Beispiel entfallen gewaltige Pendelstrecken. Und wer das Thermostat um eine Stufe herunterstellt, spart bis zu 20 Prozent der Heizenergie.

Das lie├če sich auch zu Hause machen, w├╝rde mancher Firmenchef einwenden.

Klar, das sagen wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern in der Beratung auch immer. Es kann aber niemand erwarten, dass die Leute mit zwei Pullis ├╝bereinander in der Wohnung sitzen und gegen├╝ber leuchten die Schaufenster und Reklametafeln die ganze Nacht hindurch. Da kann man doch nicht allen Ernstes noch auf Verst├Ąndnis und Akzeptanz hoffen.

Ist der Energieverbrauch also bald das Ma├č aller Dinge? M├╝ssen dann verbrauchsintensive Gesch├Ąfte wie Schwimmb├Ąder, Saunah├Ąuser oder Fitnessstudios schlie├čen?

Die Lage ist ernst. Wir m├╝ssen alles auf den Pr├╝fstand stellen und schauen: Wo k├Ânnen wir einfach und effektiv Energie einsparen, um gut durch den n├Ąchsten Winter zu kommen? Und die Bundesregierung muss Tempo machen beim Ausbau der Erneuerbaren und die Verbraucherinnen und Verbraucher dabei viel st├Ąrker einbinden. Eine verbrauchernahe Energiewende ist eine schlafende Riesin. Zeit, sie zu wecken.

Frau Gurkmann, vielen Dank f├╝r dieses Gespr├Ąch.

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Von Christine Holthoff
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