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Galeria Karstadt Kaufhof ist insolvent: Diese Kaufhaus-Filialen schließen


Diese Karstadt-Filialen sind jetzt gefährdet

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 10.11.2022Lesedauer: 5 Min.
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Kaufhaus in Stuttgart: Mindestens 40 Filialen von Karstadt-Kaufhof sollen schließen. (Quelle: IMAGO/Arnulf Hettrich)
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Der Kaufhauskonzern ist insolvent – schon wieder. Mindestens 40 Filialen müssen diesmal schließen. Hat das noch Zukunft?

Kissen, Sneaker, Shampoo: In vielen deutschen Städten ist all das an einem Ort zu haben – zumindest noch. Denn Galeria Karstadt Kaufhof hat Insolvenz angemeldet. Es ist nicht das erste Mal.

Mindestens ein Drittel der Filialen soll schließen, kündigte Chef Miguel Müllenbach am Montag an, auch betriebsbedingte Kündigungen sind geplant (eine Liste der möglicherweise betroffenen Filialen finden Sie weiter unten im Text). Eine Komplettpleite ist das zwar noch nicht, zunächst hat Karstadt Kaufhof die Insolvenz im Schutzschirmverfahren beantragt. Das bedeutet, dass das Unternehmen die Insolvenz selbst verwaltet und versucht, sich zu sanieren.

Trotz Milliardenhilfen kein Neustart

Trotzdem ist der Konzern schwer angeschlagen, und das seit Längerem: Schon im ersten Corona-Lockdown im April 2020 hatte das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren beantragt. Die Warenhauskette schloss rund 40 Filialen, baute Tausende Stellen ab und bekam mehr als zwei Milliarden Euro Schulden erlassen.

Doch der Neustart misslang. 2021 und 2022 folgten weitere Schließungen. Zugleich bat der Konzern den Staat um Unterstützung. Insgesamt griff der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen mit 680 Millionen Euro unter die Arme.

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Mittlerweile gehören zum Konzern noch 131 Kaufhäuser in 97 Städten. Dort arbeiten mehr als 17.000 Mitarbeiter. Diese Zahl wird der Eigentümer, der österreichische Immobilienkonzern Signa unter seinem Chef René Benko, nun deutlich reduzieren. Welche Häuser konkret betroffen sind, lässt sich bislang nur vermuten.

Naheliegend sind aber jene Häuser, die auch bei den letzten Filialschließungen im Gespräch waren, aber letztlich noch erhalten blieben:

  • Berlin-Lichtenberg (Ringcenter)
  • Bielefeld
  • Chemnitz
  • Dortmund
  • Goslar
  • Hamburg (Alstertal-Einkaufszentrum)
  • Leonberg
  • Leverkusen
  • Nürnberg-Langwasser
  • Nürnberg Lorenzkirche
  • Potsdam
  • Singen

Der Insolvenzverwalter ist damals wie heute derselbe: Arndt Geiwitz war bereits beim ersten Schutzschirmverfahren im Einsatz. Im WDR kündigte er nun harte Einschnitte an. Welche Kaufhäuser betroffen seien, werde in spätestens drei Monaten feststehen.

Gutachten: Deutlich weniger Fußgänger

Die goldenen Zeiten der großen Warenhäuser scheinen vorüber, ihr Geschäftsmodell überholt. Und doch kommt ein Gutachten der Universität St. Gallen, das dem "Business Insider" vorliegt, zu dem Schluss, dass Galeria Karstadt Kaufhof weiterhin eine bedeutende Rolle spielt.

Die Forscher schätzen, dass eine Pleite von Galeria den Fiskus und die Sozialkassen ungefähr 2,4 Milliarden Euro kosten würde. Für die Innenstädte wäre ein Ende der Warenhauskette ebenfalls schwierig. Das Gutachten geht je nach Standort davon aus, dass zwischen 37 und 50 Prozent weniger Passanten in die Fußgängerzone kommen.

Das könnte den Innenstadt-Einzelhandel bis zu 22 Milliarden Euro pro Jahr an Umsatz kosten. Neben den direkten Beschäftigten bei Galeria könnte das dann wiederum auch Auswirkungen auf Tausende Arbeitsplätze haben. Der akute Fachkräftemangel im Einzelhandel ist dabei allerdings nicht mit eingepreist. Ist der Kaufhausriese also "too big to fail"?

Städtetag: "Für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt"

Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster und Präsident des Deutschen Städtetages, sieht die Entwicklung mit Sorge: "Weitere Schließungen von Filialen der Kaufhauskette Galeria wären für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt." Die Kaufhäuser seien wichtige Orte der Versorgung und Begegnung.

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Markus Lewe, Präsident des Deutschen Städtetags: "Der Umbau der Innenstädte läuft seit Jahren." (Quelle: IMAGO/Christian-Ditsch.de)

Und Lewe betont ebenfalls: "Kaufhäuser in Innenstädten und Stadtteilzentren wirken auch heute noch als Kundenmagnet und ziehen viele Menschen an. Davon profitieren im Umfeld andere Händler und Gastronomiebetriebe und deren Beschäftigte."

Gleichzeitig stellt er aber auch fest: "Der Umbau der Innenstädte läuft seit Jahren." Nachhaltige und regionale Produkten seien mehr gefragt, Pop-up-Stores und Co-Working-Spaces würden für Abwechslung sorgen. Auch eine Umwidmung von Ladenflächen hält er für denkbar. "Einige Städte haben auch erfolgreich ehemalige Kaufhausstandorte umgebaut und dort zum Beispiel Bibliotheken oder Hochschulstandorte angesiedelt", so Lewe weiter.

Benko macht "sich einen schlanken Fuß"

In der Branche ist man sich derweil nicht einig. Nicht alle Händler wollen das Argument, dass große Kaufhäuser die Kundenströme in die Innenstädte lenken, als Rechtfertigung für Rettungspaket um Rettungspaket gelten lassen.

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"Es ist schon mehr als erklärungsbedürftig, wieso der wohlhabende Gesellschafter von GKK nicht persönlich für eine Überbrückungsleistung in seinem Unternehmen sorgt, sondern sich einen schlanken Fuß macht und den Steuerzahler voll ins Risiko schickt", schrieb in der vergangenen Woche etwa Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbunds, auf LinkedIn.

Ludwig Veltmann ist Geschäftsführer des Mittelstandsverbunds.
Ludwig Veltmann ist Geschäftsführer des Mittelstandsverbunds. (Quelle: Mathias Richter)

Auf Nachfrage von t-online bekräftigt er seinen Standpunkt noch einmal. Besonders in der aktuellen Lage, nach pandemiebedingten Umsatzeinbußen und horrenden Energiekosten, befänden sich viele kleine und mittelständische Unternehmen in einer schwierigen Lage und würden damit allein gelassen, so Veltmann weiter.

Der Seitenhieb gilt dem österreichischen Immobilien-Milliardär René Benko. Seit 2019 gehört der damals aus Karstadt und Galeria Kaufhof zusammengeführte Konzern zu seinem Unternehmen, der Signa-Holding.

Auch die Gewerkschaft Verdi fordert von Benko, Verantwortung zu übernehmen. "Probleme auf die Beschäftigten abzuwälzen, ist keine akzeptable Lösung." Sie wollen nun um "jeden Arbeitsplatz" kämpfen, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die Beschäftigten hätten viele konkrete Vorschläge für eine erfolgreiche Zukunft gemacht, die im Management wenig Gehör gefunden hätten. Verdi habe die Unternehmensleitung aufgefordert, umgehend in Verhandlungen einzutreten.

Kritiker halten Geschäftsmodell für überholt

Mittlerweile steht zwar fest: Weitere Staatshilfen wird es zunächst nicht geben. Doch das lag wohl auch an Benko. Die Bundesregierung stand weiteren Staatshilfen skeptisch gegenüber und forderte daher einen höheren Einsatz des Eigentümers. Doch Benko war nicht bereit, mehr als 15 Prozent beizusteuern.

Schließlich ist schon bei den bisher ausgezahlten Geldern unklar, ob sie jemals zurückgezahlt werden. Immerhin machte der Konzern allein im vergangenen Jahr 662 Millionen Euro Verlust.

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René Benko mit seiner Frau Nathalie Benko. (Quelle: via www.imago-images.de)

Nun also die Einigung auf ein Schutzschirmverfahren. In einem Mitarbeiterbrief führte Galeria-Chef Mühlenbach die Notwendigkeit dafür auf äußere Effekte zurück: Corona-Lockdowns, zurückhaltender Konsum, Inflationsschock. Mit dem Geschäftsmodell habe das nichts zu tun, zitiert die "Welt" aus dem Brief.

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Das aber sehen längst nicht alle so. In der Branche wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Wie könne es sein, dass ein Traditionsunternehmen mit so viel staatlicher Unterstützung vor der Pleite stehe, fragen sich viele. An den betriebswirtschaftlichen Entscheidungen der vergangenen Jahre gibt es daher erhebliche Zweifel.

Eigentümer Benko gibt sich in der aktuellen Krise bedeckt, meidet die Öffentlichkeit – was vielleicht auch mit seinen anderen Problemen zu tun hat: Mitte Oktober fand eine Durchsuchung in seiner Signa-Holding statt. Der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zufolge besteht der Verdacht, dass er einem Spitzenbeamten im Finanzministerium einen Posten bei Signa angeboten haben soll, um eine Steuerprüfung zu beeinflussen.

Hinzu kommt Anfang November noch ein Prozessauftakt in Wien. Es geht um angebliche Spenden von Immobilienunternehmern an den wohltätigen Verein eines Wiener Gemeinderates, der dafür Hilfe bei Immobilienprojekten in Aussicht gestellt haben soll. Benko und andere sind wegen Bestechung angeklagt. (Lesen Sie hier, was das mit Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurs zu tun hat.) Für Benko gilt im Zusammenhang mit den Finanzvorwürfen und dem Spendenprozess die Unschuldsvermutung.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Pressemitteilung Städtetag
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