• Home
  • Gesundheit
  • Diskussion um Zeitumstellung: Forscher warnen vor ewiger "Sommerzeit"


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextInflationsrate sinktSymbolbild f├╝r einen TextEx-FDP-Chef Martin Bangemann ist totSymbolbild f├╝r einen TextDFB-Elf hat jetzt eine PressesprecherinSymbolbild f├╝r einen TextLotto: Die aktuellen GewinnzahlenSymbolbild f├╝r ein Video"Gro├če Tennis-Karriere geht zu Ende"Symbolbild f├╝r einen Text9-Euro-Ticket: Teure Panne in BerlinSymbolbild f├╝r einen TextGesundheitskarte kommt aufs HandySymbolbild f├╝r einen TextDirndl bei G7-Gipfel? S├Âder sauerSymbolbild f├╝r einen TextFKK-Gaffer blockieren Retter ÔÇô Mann totSymbolbild f├╝r einen TextStummer Schlaganfall: So t├╝ckisch ist erSymbolbild f├╝r einen TextMordversuch: Kampfhund untergetauchtSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserFC Bayern: Lewandowski-Ersatz gefunden?Symbolbild f├╝r einen TextSchlechtes H├Âren erh├Âht das Demenzrisiko

Forscher warnen vor ewiger "Sommerzeit"

Von dpa
Aktualisiert am 12.09.2018Lesedauer: 4 Min.
Schlafforscher bef├╝rchten, dass bei einer dauerhaften Sommerzeit bei vielen Menschen der nat├╝rliche Schlaf-Wachrhythmus gest├Ârt wird.
Schlafforscher bef├╝rchten, dass bei einer dauerhaften Sommerzeit bei vielen Menschen der nat├╝rliche Schlaf-Wachrhythmus gest├Ârt wird. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

M├╝nchen (dpa) - Im Sommer eine Stunde vor, im Winter eine Stunde zur├╝ck - viele Menschen leiden unter der Zeitumstellung. Die EU-Kommission will nun vorschlagen, sie abzuschaffen.

Wissenschaftler begr├╝├čen das grunds├Ątzlich. Aus ihrer Sicht widerspricht der k├╝nstliche Wechsel der Biologie. Viele Forscher warnen allerdings vor der dauerhaften Einf├╝hrung der Sommerzeit - sie k├Ânne fatale Folgen haben.

In einer nicht repr├Ąsentativen Online-Umfrage der EU-Kommission hatten sich 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Mitgemacht haben damit weniger als ein Prozent der EU-B├╝rger. Allein drei Millionen Antworten kamen aus Deutschland. Die meisten waren f├╝r eine dauerhafte Sommerzeit.

Die drastischsten Worte dazu findet Till Roenneberg vom Institut f├╝r Medizinische Psychologie der Universit├Ąt M├╝nchen. Stelle man die Uhren ganzj├Ąhrig auf Sommerzeit um, werde es "riesige Probleme geben", warnt er vor dem "Cloxit". "Man erh├Âht die Wahrscheinlichkeit f├╝r Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das hei├čt, wir Europ├Ąer werden dicker, d├╝mmer und grantiger."

Der Chronobiologe prognostiziert zudem: "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch ├╝berholen." Denn vor allem Sch├╝ler und Studenten seien betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten, bei zu wenig Schlaf stark eingeschr├Ąnkt werde. Im Alter von etwa 20 Jahren schlafe man besonders sp├Ąt ein und stehe morgens entsprechend sp├Ąt auf. Russland habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuf├╝hren - und sei damit gescheitert, sagt Roenneberg.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Es schlug ein wie eine Bombe
Erdo─čan und seine Frau Emine kommen in Madrid an: F├╝r seine Zustimmung zum Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens kassiert der t├╝rkische Pr├Ąsident viele Zugest├Ąndnisse.


Bei dauerhafter Sommerzeit m├╝sse man an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen, sagt Roenneberg: "Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens." Er kritisiert, dass die Online-Befragung weitgehend ohne Aufkl├Ąrung geschehen sei. "Wenn EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gesagt h├Ątte, dass wir k├╝nftig alle ganzj├Ąhrig eine Stunde fr├╝her arbeiten m├╝ssen, w├Ąren die Leute auf der Stra├če gewesen. Es ist aber nichts anderes." Auch Ingo Fietze von der Berliner Charit├ę sagt: "Da denkt im Moment keiner dran, weil es Sommer ist und so hell drau├čen. Wenn die Umfrage im Winter gewesen w├Ąre, h├Ątten wahrscheinlich viele f├╝r die Winterzeit pl├Ądiert."

Die Forscher und die Deutsche Gesellschaft f├╝r Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sprechen sich f├╝r eine dauerhafte "Normalzeit" aus. "Die bisherige Winterzeit entspricht den Verh├Ąltnissen, die unter Ber├╝cksichtigung der nat├╝rlichen Lichteinfl├╝sse f├╝r unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am g├╝nstigsten ist", sagt der DGSM-Vorsitzende Alfred Wiater. "Wenn wir im Winter am Morgen l├Ąnger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach", sagt Wiater. Das k├Ânne Konzentration und Aufmerksamkeit beeintr├Ąchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job f├╝hren sowie Unf├Ąlle beg├╝nstigen.

Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr - wann wir wach und wann wir m├╝de werden. Das Problem ist: Die wenigsten Deutschen k├Ânnen sich nach diesem nat├╝rlichen Rhythmus richten. Ihr Tagesablauf wird von der sogenannten sozialen Zeit bestimmt. Der Gro├čteil braucht daher morgens einen Wecker, um p├╝nktlich bei der Arbeit oder in der Schule zu sein. Roenneberg nennt das "sozialen Jetlag".

Wenn es durch die Sommerzeit abends l├Ąnger hell ist, setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin erst sp├Ąter ein. Man wird nicht rechtzeitig m├╝de, muss aber morgens trotzdem fr├╝h aus dem Bett. "Mit der Zeit droht ein Schlafmangel - wir werden noch mehr zu einer chronisch unausgeschlafenen, ├╝berm├╝deten Gesellschaft", sagte Schlafforscher Hans-G├╝nter Wee├č k├╝rzlich dem "Stern".

Auch die Umstellung der Uhren wie bisher bringt f├╝r viele Menschen Probleme mit sich - wie lange diese anhalten, ist individuell unterschiedlich. "Ein Drittel der Deutschen sind begnadete Schl├Ąfer. Die interessiert das alles gar nicht. Ein Drittel sind schlechte und ein Drittel sensible Schl├Ąfer", sagt Fietze. Und diese litten unter dem Hin und Her wie unter einem Jetlag. "Normalerweise braucht man f├╝r eine Stunde Zeitverschiebung einen Tag zur Gew├Âhnung - es darf auch bei manchen zwei oder drei Tage dauern."

Die Symptome wie etwa Schlafst├Ârungen, Unwohlsein am Tag oder leichte Magen-Darm-Probleme seien jedoch "verkraftbar", so Fietze. Gro├če medizinische Probleme seien ihm nicht bekannt. Dennoch sei die Uhrenumstellung Unsinn: "Unser ganzer Biorhythmus ist dem Hell-Dunkel-Wechsel angepasst. K├╝nstlich daran zu manipulieren, macht keinen Sinn und das versteht der K├Ârper auch nicht."

Auch DGSM-Chef Wiater sagt: "Besonders die ersten drei Tage nach der Zeitumstellung sind stressig f├╝r unseren Organismus." Das zeige sich an einem erh├Âhten Risiko f├╝r Herzinfarkte und Schlaganf├Ąlle. In der Regel finde man nach einer Woche seinen neuen Rhythmus. "Bei manchen Menschen kann es aber auch mehrere Wochen dauern - insbesondere wenn auch aus anderen Gr├╝nden der Schlaf-Wach-Rhythmus gest├Ârt ist."

Er geht davon aus, dass etwa ein Viertel der Bev├Âlkerung Probleme mit der Zeitumstellung hat. Im Fr├╝hjahr sei sie f├╝r die meisten Menschen schlimmer als im Herbst. Denn sie verursache ein Schlafdefizit - uns wird eine Stunde genommen. Grunds├Ątzlich spielten aber viele psychische Faktoren bei Ein- und Durchschlafst├Ârungen eine Rolle. Habe man Schlafprobleme, verschlechtere sich auch die Stimmung. Stress und Schlaf hingen eng zusammen, sagt auch Roenneberg: "Wenn Sie viel Stress haben, brauchen sie guten Schlaf, um diesen zu bew├Ąltigen. Wenn sie den nicht kriegen, wird der Stress noch gr├Â├čer."

Einer Studie der Universit├Ąt Erlangen-N├╝rnberg zufolge senkt die Uhrenumstellung auf die Sommerzeit vor├╝bergehend sogar die Lebenszufriedenheit. Der Grund: Zus├Ątzlich zum k├Ârperlichen Jetlag f├╝hlten sich die Menschen in ihrer Souver├Ąnit├Ąt im Umgang mit der Zeit beschnitten. In der zweiten Woche nach der Umstellung erreicht die Zufriedenheit demnach wieder ihr urspr├╝ngliches Niveau. Die Zur├╝ckstellung im Herbst hat demnach dagegen keine messbaren Auswirkungen.

Helfen w├╝rden flexiblere Arbeitszeiten. Feste Zeiten zwischen 9.00 und 17.00 Uhr seien heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen n├Âtig, sagt Roenneberg. Eine ├änderung hier sei "viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzj├Ąhrig die Sommerzeit einzuf├╝hren".

Wie auch immer: Die n├Ąchste Umstellung findet auf jeden Fall noch statt. In der Nacht auf den 28. Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zur├╝ckgedreht.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Von Lydia Kl├Âckner
Von Andrea Goesch
DeutschlandEUEU-KommissionJean-Claude JunckerRusslandZeitumstellung







t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website