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Wann die ersten Kampfpanzer in der Ukraine eintreffen

Von t-online, dpa, Reuters, jpd

Aktualisiert am 26.01.2023 - 19:48 UhrLesedauer: 5 Min.
Begehrtes Kriegsgerät: Aufnahmen zeigen die Kampfkraft des Leopard II. (Quelle: t-online)
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Nun ist es offiziell: Deutschland und die USA schicken Kampfpanzer in die Ukraine. Doch wie geht es weiter? Ein Überblick.

Das Wichtigste im Überblick


  • Welche Nato-Staaten haben Leopard-Bestände?
  • Wer will liefern?
  • Wer will keine Leopard-Panzer an die Ukraine liefern?
  • Wann sollen die ersten Panzer eintreffen?
  • Gibt es Pläne zu weiteren Lieferungen?
  • Wie reagiert Russland auf die Lieferung?

Deutschland hat am Mittwoch angekündigt, 14 Leopard-Kampfpanzer in die Ukraine zu liefern. Zudem will die Regierung erlauben, dass auch Bündnispartner – beispielsweise Polen – ihre Leopard-Panzer exportieren dürfen. Doch wie viele Panzer vereint die Nato? Wer will liefern und wer zögert noch? Ein Überblick:

Welche Nato-Staaten haben Leopard-Bestände?

Von den 30 Nato-Mitgliedstaaten haben 13 Staaten Leoparden im Bestand, 17 nicht: Dazu gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Frankreich und Italien. Sechs Länder haben einen geringen Bestand an den Panzern: Portugal, die Niederlande, Dänemark, Tschechien, Ungarn und die Slowakei haben jeweils bis zu 49 der Panzer.

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Norwegen und Kanada weisen einen Bestand von bis zu 99 Leoparden auf. Das schwedische Militär verfügt hingegen über rund 120 Stück, und Polen und Finnland verfügen über mehr als 200. Finnland und Schweden haben nach langer militärischer Neutralität die Aufnahme in die Nato beantragt. Allerdings haben Ungarn und Türkei als letzte Staaten der Mitgliedschaft noch nicht zugestimmt. Spanien, die Türkei, Griechenland und Deutschland selbst besitzen jeweils mehr als 300 Leopard-Panzer. Der Besitz bedeutet jedoch nicht, dass alle Panzer auch sofort einsatzbereit sind.

Wer will liefern?

Nachdem Deutschland angekündigt hat, der Ukraine 14 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6 zu liefern, ziehen weitere Nato-Länder nach. US-Präsident Joe Biden teilte am Mittwoch mit, die USA werden 31 Abrams-Kampfpanzer an die Ukraine liefern. Auch der norwegische Verteidigungsminister Björn Arild Gram sagte dem norwegischen Fernsehsender NRK am Mittwoch, man werde Panzer aus deutscher Produktion abgeben. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Es gehe aber um Panzer vom Typ Leopard 2A4.

Nach der Entscheidung der Bundesregierung hatte sich Spanien am Mittwoch ebenfalls zur Lieferung von Leopard-Panzern in die Ukraine bereit erklärt. Eine genaue Zahl nannte die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez allerdings noch nicht. Das müsse man mit den Verbündeten besprechen, betonte Verteidigungsministerin Margarita Robles am Donnerstag.

Spanien verfügt insgesamt über 108 Leopard-Panzer vom Typ 2A4, die alle 1995 gebraucht aus Deutschland zunächst auf Mietbasis übernommen worden waren. 2006 ging dann das Eigentum für gut 15 Millionen Euro an Spanien über. 55 dieser Panzer sind noch in den beiden spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla im Einsatz. In Saragossa sind die restlichen 53.

Robles hatte im vorigen Sommer wissen lassen, die 2A4 in Saragossa seien in "einem absolut desolaten Zustand" und überhaupt nicht einsatzfähig. "Wir haben bereits die Industrie kontaktiert, da es in Saragossa eine Reihe von Leopard-2A4 gibt, die seit langem stillgelegt sind", erklärte Verteidigungsministerin Robles am Donnerstag vor Journalisten in Madrid. Man müsse "prüfen, welche davon in Betrieb genommen werden können, um die Lieferung zu planen".

Auch Kanada hat Kampfpanzer-Lieferungen an die Ukraine angekündigt und will in einem ersten Schritt vier Modelle vom Typ Leopard ins Kriegsgebiet schicken. Die Lieferung werde "in den kommenden Wochen" erfolgen, sagte Verteidigungsministerin Anita Anand am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Ottawa. Zudem sollten kanadische Soldaten ihre ukrainischen Pendants bei der Inbetriebnahme der Panzer unterstützen. Außerdem denke Kanada darüber nach, zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr Panzer zu schicken.

Die Niederlande erklären ebenfalls ihre Bereitschaft dazu. Ministerpräsident Mark Rutte erklärt, sein Land könne die von Deutschland bisher geleasten Panzer kaufen und dann der Ukraine zur Verfügung stellen.

Finnland wird sich nach Angaben von Verteidigungsminister Mikko Savola ebenfalls der Staatengruppe anschließen, die der Ukraine Panzer zur Verfügung stellen. "Die internationale Zusammenarbeit zur Lieferung von Leoparden in die Ukraine schreitet jetzt voran und Finnland wird sich daran beteiligen", sagt er vor Journalisten. Er lehnt es ab, sich zum genauen Umfang zu äußern. Der Beitrag seines Landes werde aber begrenzt sein. Nach Angaben des finnischen Verteidigungskommandos besitzt das Land rund 200 Leopard-2-Panzer.

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Von den 14 europäischen Staaten, die Leopard-Panzer haben, hatte auch Polen öffentlich Bereitschaft signalisiert, einige Exemplare abzugeben. Großbritannien hat bereits 14 Challenger-Panzer zugesagt. Frankreich und Schweden schließen eine Lieferung in Zukunft nicht aus, haben aber vorerst keine Panzer-Abgabe geplant.

Diese Länder könnten Leopard-Panzer liefern (Infografik).
Diese Länder könnten Leopard-Panzer liefern (Infografik). (Quelle: t-online)

Wer will keine Leopard-Panzer an die Ukraine liefern?

Tschechien kündigte bereits an, nicht zugunsten der Ukraine auf die Leopard-2-Kampfpanzer verzichten zu wollen, die Deutschland zugesagt hat. "Es ist jetzt nicht möglich, die Leoparden weiterzuschicken, weil wir diese Panzer für unsere Sicherheit brauchen", sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala der dpa nach einem Treffen mit Scholz in Berlin.

Deutschland stellte im Zuge des sogenannten Ringtausches der Slowakei 15 und Tschechien 14 Leopard-2A4-Panzer und Bergepanzer Büffel zur Verfügung. Dabei handelt es sich um überholte Fahrzeuge aus Rheinmetall-Beständen. Die vorgesehenen Leopard-Kampfpanzer werden im Frühjahr fertig instand gesetzt sein. Diese sind der Ersatz für an die Ukraine gelieferte Panzer sowjetischer Bauart. Das teilt das Rüstungsunternehmen Rheinmetall mit. Bis Ende März habe man rund 29 Kampfpanzer Leopard 2A4 einsatzbereit. Wie es um die Instandhaltung steht, lesen Sie hier.

Wann sollen die ersten Panzer eintreffen?

Die ersten Leopard-Kampfpanzer aus Deutschland könnten nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in etwa drei Monaten in der Ukraine sein. Das sagte der SPD-Politiker am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags in Berlin. Man beginne jetzt sehr schnell mit der Ausbildung und werde sehr schnell die Nachschubwege klären.

Die Lieferung der Abrams-Panzer in die Ukraine wird nach den Worten von US-Präsident Joe Biden "einige Zeit in Anspruch nehmen". Die Zeit solle nun genutzt werden, um sicherzustellen, dass die Ukrainer vollständig darauf vorbereitet würden, die Abrams-Panzer "in ihre Verteidigung zu integrieren", sagte Biden am Mittwoch in Washington. "Die Abrams-Panzer sind die leistungsfähigsten Panzer der Welt, aber sie sind auch extrem komplex in Betrieb und Wartung."

Gibt es Pläne zu weiteren Lieferungen?

Die Lieferung von Kampfflugzeugen oder die Entsendung von Bodentruppen schloss Scholz am Mittwoch im Bundestag aus. "Dass es nicht um Kampfflugzeuge geht, habe ich ja sehr früh klargestellt und mache das auch hier", sagte der SPD-Politiker. Als kurz nach Kriegsbeginn über Flugverbotszonen diskutiert worden sei, hätten er und US-Präsident Joe Biden gesagt: "Das werden wir nicht tun. Und an dieser Haltung hat sich gar nichts geändert und wird sich auch nichts ändern."

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Scholz fügte hinzu: "Bodentruppen werden wir in keinem Fall schicken. Ich habe gesagt, es wird keine direkte Beteiligung von Nato-Soldaten in dem Ukraine-Krieg geben. Das ist bisher nicht der Fall und das wird auch in Zukunft nicht der Fall sein. Und darauf können sich alle verlassen", sagte Scholz. "Das ist von Anfang an so gesagt worden, nicht nur von mir, sondern auch vom amerikanischen Präsidenten. Und zusammen sollte das ja wohl ein gewichtiges Wort sein."

Wie reagiert Russland auf die Lieferung?

In einer ersten Reaktion aus Moskau verurteilte das russische Außenministerium die Leopard-Entscheidung Deutschlands scharf. Dies komme einem "vorgeplanten Krieg" gegen Russland gleich, sagt Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa.

Auch die russische Botschaft in Berlin hat die deutsche Ankündigung scharf kritisiert. "Berlins Entscheidung, Kiew Panzer vom Typ Leopard 2 zu liefern, ist äußerst gefährlich, weil sie den Konflikt auf ein neues Level der Konfrontation hebt", sagte Botschafter Sergej Netschajew am Mittwoch einer Pressemitteilung zufolge. Die Entscheidung widerspreche den Ankündigungen deutscher Politiker, sich nicht in den Konflikt hineinziehen lassen zu wollen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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Von Carl Exner, Axel Krüger
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