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Über 90 Prozent: Bedeutet der Füllstand der Gasspeicher Entwarnung?


Ist das schon die Entwarnung?


Aktualisiert am 21.09.2022Lesedauer: 4 Min.
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Gaskraftwerk Huckingen (rechts) in Duisburg: Insgesamt reicht das Speichervolumen der deutschen Erdgasspeicher für rund zwei Monate aus. (Quelle: Jochen Tack via www.imago-images.de)

Die Gasspeicher füllen sich zügig weiter. Wie das ohne russische Lieferungen geht und was das für den Winter bedeutet.

In vielen Wohnungen wird in diesen Tagen zum ersten Mal für diesen Winter die Heizung aufgedreht. Die meisten Deutschen dürften diesen Schritt dieses Jahr deutlich unwilliger gehen als sonst: Hohe Energiepreise und die Aussicht auf Engpässe im Winter bereiten Sorgen.

Umso überraschender kommt da die Meldung, dass die deutschen Gasspeicher mittlerweile zu über 90 Prozent gefüllt sind. Damit ist bereits Mitte September das Ziel für November erfüllt – und das trotz ausbleibender russischer Lieferungen. Doch heißt das Entwarnung und gemütliches Zurücklehnen?

Die Bundesnetzagentur gibt sich weiter skeptisch. "Die Frage, ob eine Gasmangellage verhindert werden kann, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Maßgeblich ist insbesondere auch der private Gasverbrauch", heißt es auf Anfrage von t-online. Daher seien auch weiterhin "signifikante Einsparungen" erforderlich.

Netzagentur: Sind besser vorbereitet

Vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine war Nord Stream 1 Deutschlands wichtigste Pipeline. Seit Ende August kommt auf diesem Weg gar kein Gas mehr. Dennoch betrug der Speicherfüllstand am vergangenen Sonntag 90,07 Prozent – 0,32 Prozentpunkte mehr als am Vortag. Die Füllstandsangaben werden immer mit Verzögerung gemeldet.

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Dazu, wie das erreicht wurde, heißt es von der Bundesnetzagentur nur knapp, es habe "verstärkte Vorsorgemaßnahmen" gegeben und mittlerweile sei Deutschland "besser vorbereitet als noch vor einigen Monaten". Detaillierter erklärt es der Geschäftsführer vom Branchenverband Ines, Sebastian Bleschke. "Der hohe Speicherstand ist vor allem durch niedrige Verbräuche und geringere Exporte in andere Länder ermöglicht worden", sagt er.

In Zahlen heißt das: Im August wurden zwischen 3.300 und 3.500 Gigawattstunden pro Tag importiert. Davon wurden rund 1.000 Gigawattstunden in andere Länder exportiert. Von der verbliebenen Menge wurden 1.300 Gigawattstunden verbraucht und rund 1.200 Gigawattstunden im Mittel eingespeichert.

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Das angepeilte Ziel von 85 Prozent Speicherfüllung bis Oktober ist damit bereits deutlich erfüllt. Eine Ministerverordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. November, also in sechs Wochen, zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein sollen. EU-weit gilt seit dem Frühjahr die Vorschrift, dass die Speicher bis zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein müssen. Dieses Ziel war schon Ende August erreicht worden.

"Mit den 90 Prozent haben wir eine Hürde genommen; die 95 Prozent zu erreichen, bleibt aber vor dem Hintergrund deutlich steigender Gasverbräuche herausfordernd", sagt Bleschke. Ähnlich äußerte sich auch der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Auf Twitter schrieb er, Deutschland habe "einen weiteren Meilenstein geschafft".

Experte: Warnung vor Euphorie

"Ich warne allerdings vor Euphorie, denn bereits in den letzten Tagen ist der Gasverbrauch deutlich gestiegen und diese Entwicklung wird vermutlich in den kommenden Wochen noch an Fahrt aufnehmen", sagt Bleschke weiter. Schon jetzt sei der tägliche Verbrauch bereits bei rund 1.500 Gigawattstunden und der Verbrauch wird im Oktober noch weiter ansteigen.

Es sei daher eine paradox anmutende Situation. "Entweder schaffen wir die 95 Prozent sehr frühzeitig oder gar nicht mehr. Beide Szenarien sind aktuell denkbar."

In bisherigen Szenarien hatte die Bundesnetzagentur es auch bei weiteren Lieferungen aus Russland als schwierig eingestuft, dass die Ziele erreicht werden (s. Grafik).

Speicher reichen für rund zwei Monate

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Für gewöhnlich sind sie mit Beginn der Heizperiode im Herbst gut gefüllt. Bis zum Frühjahr nehmen die Füllstände dann ab. An kalten Wintertagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus deutschen Speichern abgedeckt.

In den vergangenen Monaten waren die Speicher in den Fokus gerückt, da sie als wichtiger Baustein gelten, um den Winter im Zweifelsfall auch ohne russische Gaslieferungen meistern zu können. "Die Importsituation ist aufgrund des Wegfalls russischer Gaslieferungen komplett anders als in den vergangenen Jahren, daher werden wir im Winter deutlich stärker auf Ausspeicherungen angewiesen sein", erläutert Bleschke.

Doch die Speicher allein können das gar nicht leisten. Zahlen von Bleschkes Verband zeigen: Die Speicher in Deutschland können insgesamt Gas mit einem Energiegehalt von maximal rund 256 Terawattstunden speichern. Das entspricht etwa einem Viertel des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland (rund 1.000 Terawattstunden). "Dieses Speichervolumen alleine kann Deutschland zwei bis drei durchschnittlich kalte Wintermonate mit Gas versorgen", sagt die Bundesregierung.

Dabei ist jedoch zu beachten: Der Verbrauch würde in einer Gasmangellage deutlich sinken. Schon jetzt wird Gas gespart, sowohl Netzagentur-Chef Müller als auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck werden nicht müde, die Bevölkerung dazu aufzurufen.

Regierung setzt auf LNG und Sparsamkeit

Neben Sparsamkeit setzt die Bundesregierung auf Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und den Niederlanden, die in den vergangenen Monaten einen größeren Anteil ausgemacht haben als in früheren Jahren.

Darüber hinaus sollen ab Dezember mehrere Anlandeterminals für Flüssiggas (LNG) in Deutschland ans Netz gehen. Dabei gibt es zum einen schwimmende Terminals, die besonders schnell die Gasversorgung unterstützen sollen. Die Floating Storage and Regasification Units (FSRU) können das Flüssiggas in den gasförmigen Zustand zurückverwandeln und in das Netz einspeisen.

Davon hat die Bundesregierung vier Stück gemietet. Zum Ende des Jahres sollen eins in Wilhelmshaven und eins in Brunsbüttel ans Netz gehen. Am Dienstag war Baustart für ein weiteres Terminal in Lubmin. Das vierte soll in Stade zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sind an diesen Standorten langfristig feste Terminals geplant, die allerdings deutlich längere Bauzeiten vorsehen.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Sebastian Bleschke (Ines)
  • Schriftliches Statement Bundesnetzagentur
  • Twitteraccount von Klaus Müller (Bundesnetzagentur)
  • Lagebericht der Bundesnetzagentur (Stand 19.09.2022)
  • agsi.gie.eu (20.09.2022)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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