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Adventskalender für Tiere im Trend: Zooplus-Chef Lefebvre erklärt


Zooplus-Chef Lefebvre
"Haustiere werden zunehmend vermenschlicht"

InterviewVon Frederike Holewik

17.12.2023Lesedauer: 5 Min.
Interview
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

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Hund im winterlichen Pullover (Symbolbild): Immer mehr Menschen kaufen ihren Tieren Weihnachtsgeschenke. (Quelle: IMAGO/Addictive Stock/imago-images-bilder)

Nicht nur Kinder bekommen Adventskalender und Weihnachtsgeschenke. Auch immer mehr Haustiere werden an den Feiertagen bedacht. Der Markt wächst.

Adventskalender, Pullis, Spielzeug: Wer sein Haustier liebt, greift auch gerne mal tiefer in die Tasche und kauft neben Futter noch viele weitere Produkte. Ein gutes Geschäft für die Händler – und der Markt wächst.

Der Franzose Geoffroy Lefebvre leitet seit 2022 den deutschen Online-Händler Zooplus. Nach eigener Darstellung ist das Unternehmen im Bereich Heimtierbedarf führend.

Im Gespräch mit t-online erklärt er, warum sich Hundepullis besser verkaufen als die für Katzen, welche Gemeinsamkeiten die Heimtier- und die Luxusbranche haben und wie viel Tierbesitzer für die Weihnachtsgeschenke ihrer Fellnasen ausgeben.

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t-online: Herr Lefebvre, haben Sie selbst Haustiere?

Geoffroy Lefebvre: Ich bin mit Tieren aufgewachsen, meine Eltern hatten Dackel und Beagle. Ich habe mittlerweile drei Hunde: einen elfjährigen Labrador namens Vador, Léïa, einen Border Terrier, und einen Chihuahua, der Yoda heißt. Wo die Namensinspiration herkam, ist da wohl klar!

Bekommen die drei etwas zu Weihnachten?

Dieses Jahr haben wir das erste Mal einen Adventskalender für sie gekauft. Allerdings sind sie nicht verwöhnt, deswegen teilen sie sich einen Kalender und wir öffnen alle drei Tage drei Türchen.

Hund, Katze und Meerschweinchen gehören in vielen deutschen Haushalten und damit auch an den Feiertagen selbstverständlich dazu. Welche Weihnachtsprodukte werden bei Ihnen derzeit besonders oft gekauft?

Gerade für Hunde sind Weihnachtsoutfits sehr beliebt. Unser Bestseller ist ein Pulli für Hunde mit einem abnehmbaren Weihnachtsbaum. Darunter verbirgt sich ein Herz, sodass der Pulli auch den Rest des Jahres getragen werden kann. Katzen anzuziehen ist deutlich schwerer, deswegen kaufen Katzenbesitzer eher Spielzeuge, wie bunte Spiralen und Knisterbälle. Adventskalender für Tiere sind auch stark im Kommen.

Wie viel geben Ihre Kunden für Weihnachtsgeschenke aus?

Wir haben eine Umfrage durchgeführt. Darin haben 80 Prozent der Tierbesitzer angegeben, dass sie beabsichtigen, ein Geschenk für ihr Haustier zu kaufen, einige wollen bis zu 50 Euro dafür ausgeben. Da kann bei den vielen Millionen Haustieren allein in Deutschland eine beträchtliche Summe zusammenkommen.

Sind saisonale Produkte generell ein Wachstumsmarkt?

Ja, das sind sie. Wir sehen auch, dass die Hersteller hier besonders kreativ sind: von Hundepools im Sommer über Halloweenkostüme bis hin zu neuen Spielsachen zum Jahresstart. Weihnachten ist noch immer das wichtigste Event. Soziale Netzwerke spielen eine große Rolle, denn die Besitzer wollen ihre Tiere passend zur Jahreszeit ablichten und kaufen dafür Accessoires.

Geoffroy Lefebvre

Der gebürtige Franzose hat an der École polytechnique sowie der École Nationale Supérieure des Télécommunications in Paris studiert und danach einen Masterabschluss an der privaten Hochschule Insead erworben. Im Anschluss war Lefebvre zunächst bei McKinsey & Company und dann in verschiedenen Bereichen beim Luxuswarenkonzern Richemont tätig. So war er unter anderem CEO von Jaeger-LeCoultre, Baume & Mercier und zuletzt von Yoox Net-a-Porter. Seit Oktober 2022 leitet er die Geschäfte von Zooplus.

Welches Produkt hat Sie zuletzt überrascht?

Vor meiner Tätigkeit bei Zooplus habe ich im Luxusmodesektor gearbeitet, deshalb schockt mich nichts mehr wirklich. Was mich aber fasziniert, ist, dass Tierprodukte mittlerweile wie jene für Menschen vermarktet werden. Wir haben eine Marke für Hygieneprodukte mit einem Sortiment, das dem von menschlichen Kosmetikmarken sehr nahekommt.

Die deutsche Heimtierbranche wächst. Der Branchenverband spricht für das Jahr 2022 von einem Gesamtumsatz von 5,13 Milliarden Euro, ein Wachstum von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Warum erfreut sich – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – gerade diese Branche wachsender Beliebtheit?

Wir sehen verschiedene Entwicklungen. Beispielsweise hat der Markt für Accessoires inflationsbedingt ein bisschen eingebüßt. Und das Wachstum der Branche hat auch mit gestiegenen Preisen zu tun und nicht nur mit höheren Verkaufsvolumina. Einige Kunden versuchen die steigenden Kosten durch den Umstieg auf günstigere Marken auszugleichen. Aber viele Menschen halten an Marken- und Premiumfutter fest und kaufen auch weiterhin gerne Spielzeuge.

In wirtschaftlich angespannten Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Wie erklären Sie sich das?

Haustiere werden zunehmend vermenschlicht. Studien zufolge sagen 95 Prozent der Haustierbesitzer, dass das Tier ein Teil der Familie ist. 60 Prozent der Tierbesitzer würden sogar lieber bei ihren eigenen Ausgaben sparen als bei ihrem Haustier.

Immer wieder heißt es: Jüngere Menschen entscheiden sich für Haustiere statt Kinder. Liegt darin auch eine Begründung für die höheren Ausgaben für Haustiere?

Ich persönlich glaube, dass viele junge Menschen während der Corona-Pandemie einsam waren. Gleichzeitig ist ihnen bewusster als den Generationen zuvor, welche Auswirkungen ein Menschenleben auf die Klimakrise hat. Das passt auch dazu, dass mehr als 90 Prozent unserer Kunden angegeben haben, sich für Nachhaltigkeit zu interessieren.

Heißt das, dass die Anzahl an Haustieren steigt?

Nein. Vor der Pandemie stieg die Anzahl der Haustiere zwar um jährlich 0,5 bis 1 Prozent. Während Corona gab es je nach Land einen Zuwachs von vier bis sechs Prozent. Seit Ende des Lockdowns steigt die Zahl an Tieren in Tierheimen – eine traurige Entwicklung, die zeigt, welche wichtige Entscheidung es ist, sich ein Tier in die Familie zu holen. Im Jahr 2023 ist die Zahl der Haustiere in Deutschland sogar leicht gesunken.

Zooplus ist neben Deutschland noch in 29 weiteren Ländern aktiv. Sehen Sie Unterschiede, wie in verschiedenen Nationen mit dem Thema Haustier und dem Kauf von Haustierprodukten umgegangen wird?

Der größte Unterschied liegt darin, welche Tiere als Haustiere gehalten werden. 98 Prozent der verkauften Tiernahrung bei uns ist für Hunde und Katzen. In Polen gibt es mehr Katzen, in Spanien beispielsweise mehr Hunde. Wir beobachten auch Trends: In Spanien werden die präferierten Hunderassen immer kleiner. In Deutschland merken wir, dass viele Kunden auf deutsche Marken setzen, was wahrscheinlich an der Präsenz der vielen Firmen für Tierfutter liegt, die lokal produzieren.

Sie kommen aus der Modebranche, haben elf Jahre in verschiedenen Funktionen für den Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont gearbeitet. Was hat Sie an Zooplus gereizt?

Es gibt viele Überscheidungen zwischen Luxusprodukten und Tierbedarf. Beides hat mit dem Erfüllen von Kundenwünschen zu tun. Es geht darum, Trends zu verstehen. Aber zwei Dinge haben mich beeindruckt: Zooplus ist komplett datenbasiert und unser Level an Expertise und Professionalität ist sehr hoch. Darüber hinaus hat das Unternehmen, das bereits 1999 gegründet wurde, immer noch eine starke "Get it done"-Mentalität und einen sehr guten unternehmerischen Spirit.

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Was tun Sie als CEO, um diese gute Stimmung aufrechtzuerhalten?

Wir sind kein Start-up mehr, mittlerweile arbeiten mehr als 1.200 Menschen europaweit bei Zooplus. Da ist es wichtig für mich zuzuhören, in Person und auch durch technische Feedbacklösungen. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass uns unsere Liebe zu Tieren verbindet und motiviert. Als Motto für das kommende Jahr haben wir uns deswegen den Satz "Celebrating Pet Love Every Day" ("Tierliebe täglich feiern") ausgesucht.

In Deutschland fordern Arbeitnehmer in verschiedenen Branchen die Einführung einer Viertagewoche. Wie handhaben Sie das?

Es gab jüngst einige Firmen, insbesondere im produzierenden Gewerbe, die die Viertagewoche in ihren Fabriken eingeführt haben, da die Mitarbeiter dort nicht von der gleichen Homeoffice-Flexibilität profitieren wie ihre Kollegen im Büro. Das halte ich für einen fairen Ausgleich. Für uns im Dienstleistungsgeschäft mit Homeoffice-Flexibilität ist eine Viertagewoche derzeit kein Thema.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Geoffroy Lefebvre
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