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Annexion der Krim kommt Russland teuer zu stehen


Annexion kostet Milliarden  

Die Krim hängt noch am Tropf der Ukraine

09.06.2014, 14:31 Uhr | rtr, t-online.de

Annexion der Krim kommt Russland teuer zu stehen. Auf der Krim herrscht mancherorts spürbare Wasserknappheit - dieser Kanal wird üblicherweise vom ukrainischen Fluss Dnjepr gespeist (Quelle: Reuters)

Auf der Krim herrscht mancherorts spürbare Wasserknappheit - dieser Kanal wird üblicherweise vom ukrainischen Fluss Dnjepr gespeist (Quelle: Reuters)

Mit einer vom Westen nicht anerkannten Volksabstimmung hat die Krim sich von der Ukraine losgesagt, doch in der existenziellen Wasser- und Stromversorgung ist die Schwarzmeer-Halbinsel noch immer abhängig vom fast bankrotten Festland. Kiew schickt offenbar schon weniger Wasser und könnte den Hahn ganz zudrehen - theoretisch. Russland, das die Krim annektierte, muss viel in die Region investieren, um seinen verlockenden Versprechen nachzukommen.

Rohr für Rohr verlegen die Landarbeiter zur Bewässerung der staubigen Felder auf der Krim, seit vom ukrainischen Festland nicht mehr genügend Wasser auf die Halbinsel fließt. Der Wassermangel ist nur ein Beleg für die logistischen Probleme, die Russland nach der Abspaltung der Krim von der Ukraine überwinden muss.

Auch zwei Monate nach der Eingliederung in das russische Territorium müht sich die Führung in Moskau, zumindest die Grundbedürfnisse ihrer neuen Bürger zu befriedigen. Vor allem Wasser und Strom erhält die Krim bisher zum Großteil aus der Ukraine.

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Billige Rache?

"Wir haben Brunnen gebohrt und nutzen Tröpfchenbewässerung - aber das Wasser reicht trotzdem nicht", klagt Wasili. Der stämmige Bauer versorgte seine 50 Hektar großen Gemüsefelder bei Dschankoi bisher mit Wasser aus dem Dnjepr, das in einem Kanal über die Landbrücke von der Ukraine auf die Krim geleitet wird. Er und andere Bauern haben ihre Felder auf genügsamere Früchte umgestellt, seit die Ukraine der Krim nach ihren Worten langsam den Wasserhahn zudreht.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew wirft der ukrainischen Übergangsregierung vor, mit ihrer Wasserpolitik billig Rache zu nehmen. Die Behörden des Nachbarlandes dagegen erklären, das Wasser fließe weiter in Richtung Krim. Sie sagen aber nicht, wie viel.

Moskau hat Milliarden-Spritze versprochen

Für Russland steht viel auf dem Spiel. Das Land hat den Menschen auf der Krim Investitionen von umgerechnet bis zu fünf Milliarden Euro allein dieses Jahr versprochen, um ihre Wirtschaft in die russische zu integrieren und die moskaufreundliche Stimmung dort aufrechtzuerhalten.

"Die Leute schauen optimistisch in die Zukunft", sagt Juri Korban, der Direktor eines der vielen Weinbau-Betriebe entlang der Küste. "Aber der russischen Führung ist völlig klar, dass die Verantwortung auf ihren Schultern lasten wird, falls die Wirtschaft auf der Krim stagniert."

Die russische Wirtschaft selbst steht schon jetzt am Rande der Rezession. Die Kapitalflucht hat zugenommen, seit die USA und die EU dem Land mit Wirtschaftssanktionen drohen. Nimmt man Südossetien als Beispiel, das Russland seit dem Krieg gegen Georgien 2008 kontrolliert, dann liegt vor der Moskauer Führung noch ein langer und teurer Weg. Auch den Südossetiern hatte der Kreml viel versprochen. Heute ist die Region fast vollständig auf Hilfen aus Moskau angewiesen. 

Eines der wenigen Druckmittel Kiews

Zwar gilt es als unwahrscheinlich, dass die Ukraine die Halbinsel einfach von der Wasser- und Stromversorgung abhängt. Aber etwa 80 Prozent des Trinkwassers und bis zu 90 Prozent des Stroms auf der Krim stammen vom ukrainischen Festland.

Es ist eines der wenigen Druckmittel, die die ukrainische Führung gegen Moskau in der Hand hat. Es wird Milliarden von Euro und Jahre kosten, um Leitungen vom russischen Festland über die vier Kilometer breite Meeresenge auf die Krim zu verlegen.

Russland will zudem eineinhalb Milliarden Euro investieren, um die Kraftwerke auf der Halbinsel auf Vordermann zu bringen und sie an das russische Stromnetz anzubinden. Erdgas wiederum hat die Krim genug: Schon heute versorgt sich die Halbinsel damit weitgehend selbst. Zudem werden vor ihrer Küste Erdgasfelder mit einem Volumen von 2,3 Billionen Kubikmetern vermutet. Dies würde ausreichen, um ganz Europa fünf Jahre lang zu versorgen.

"Fass ohne Boden"

Gemüse und Getreide baut die Krim sogar mehr an als sie selbst verbrauchen kann. Aber sie muss viel Zucker, Fleisch und Milchprodukte importieren. Bisher kommen die Warentransporte noch weitgehend ungehindert auf der Krim an. Sollte die Ukraine die Lieferungen jedoch einstellen, werde Russland die Krim auf dem Seeweg von der Region Krasnodar aus versorgen, versicherte der Landwirtschaftsminister der Halbinsel jüngst.

Doch Experten warnen bereits, dass es Russland am langen Atem für Investitionen auf der Krim mangeln könnte, falls sich seine eigene wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert. "Was Investitionen angeht, ist die Krim ein Fass ohne Boden", sagt der Direktor des Moskauer Instituts InfraNews, Alexej Besborodow. "Die Häfen sind alt, die Bahnstrecken marode, und die Straßen sind seit Ewigkeiten nicht saniert worden."

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