Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Geld & Vorsorge > Steuern > Steuererklärung >

Corona – Homeoffice-Pauschale: Was Sie von der Steuer absetzen können

Steuertipps 2020  

Homeoffice wegen Corona – was Sie absetzen können

30.11.2020, 15:57 Uhr
Corona – Homeoffice-Pauschale: Was Sie von der Steuer absetzen können. Eine junge Frau arbeitet zu Hause am Laptop (Symbolbild): Um ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen zu können, muss man strenge Vorgaben erfüllen. (Quelle: Getty Images/ MoMo Productions)

Arbeiten zu Hause (Symbolbild): Um ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen zu können, muss man strenge Vorgaben erfüllen. (Quelle: MoMo Productions/Getty Images)

Viele Menschen arbeiten während der Corona-Pandemie von zu Hause – obwohl sie kein richtiges Arbeitszimmer haben. Nun soll eine neue Pauschale kommen. Wie Sie das Homeoffice beim Finanzamt richtig geltend machen.

2020 ist ein Jahr voller Herausforderungen – auch bei der Steuererklärung. Quasi über Nacht haben Tausende Unternehmen massenhaft Arbeitnehmer ins Homeoffice geschickt. Doch nur die wenigsten Angestellten dürften über ein häusliches Arbeitszimmer verfügen, das den strengen Vorgaben des Finanzamts gerecht wird. Deshalb sollen im Corona-Jahr neue Regeln gelten.

Finanzpolitiker von Union und SPD haben sich auf eine neue Homeoffice-Pauschale von fünf Euro pro Tag geeinigt. Zuvor hatte der Bundesrat vorgeschlagen, im Jahressteuergesetz 2020 auch Aufwendungen für das Homeoffice anzuerkennen. 

Unklar ist noch, wie die Pauschale genau angesetzt werden darf. Das Gesetz muss zudem noch von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Wir geben einen Überblick, wie es mit dem Jahressteuergesetz weitergeht und was nach derzeitigem Stand für Arbeitszimmer und Steuern gilt.

Corona-Homeoffice: Wer kann ein Arbeitszimmer absetzen?

Trotz der strikten Voraussetzungen dürfen bereits jetzt mehr Menschen ein Arbeitszimmer absetzen, als das vor der Corona-Krise der Fall war. Bislang erkannten die Finanzämter es in der Regel nur bei solchen Beschäftigten an, die offenkundig nicht alle beruflichen Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz erledigen können. Dazu zählen etwa Lehrer, Förster oder Außendienstmitarbeiter.

Wer allerdings wegen der Pandemie von zu Hause arbeiten musste, dem erlauben die Finanzämter in diesem Jahr auch den Steuerabzug – sofern alle der folgenden drei Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Der Chef muss das Homeoffice angeordnet haben. Eine Aufforderung oder Empfehlung reicht nicht.
  2. Das Arbeitszimmer muss ein abgeschlossener Raum sein. Küchentisch, Arbeitsecke im Wohnzimmer oder der Schreibtisch im WG-Zimmer sind nicht ausreichend. 
  3. Das räumlich getrennte Arbeitszimmer darf höchstens zu 9 Prozent privat genutzt werden. Ein Schlafsofa für Gäste kann bereits ein Ausschlusskriterium sein.

Tipp: Machen Sie zu verschiedenen Zeiten Fotos von Ihrem Arbeitszimmer, um sie gegebenenfalls beim Finanzamt einreichen zu können.

Wie kann ich ein Arbeitszimmer absetzen?

Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, berechnen Sie die Kosten für das Arbeitszimmer anteilig.

  • Beispiel: Leben Sie in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung und ihr Arbeitszimmer ist 10 Quadratmeter groß, setzen Sie bei der Steuererklärung 10 Prozent der Miete sowie der Nebenkosten wie Strom oder Versicherungen an.

Um diesen Anteil voll absetzen zu können, reicht es, wenn Sie an drei von fünf Tagen zu Hause arbeiten. Auch Ausgaben für die Renovierung und Ausstattung des Arbeitszimmers, etwa für Tapeten, Vorhänge und Lampen, dürfen Sie komplett geltend machen. Arbeiten Sie höchstens zwei von fünf Tagen im Homeoffice, dürfen Sie maximal 1.250 Euro im Jahr steuerlich absetzen.

Gut zu wissen: Bei Paaren, die ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, darf jeder seine Kosten bis 1.250 Euro geltend machen. Das hat der Bundesfinanzhof 2017 neu geregelt.

Was kann ich ohne Arbeitszimmer absetzen?

Auch wer kein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer besitzt, kann beim Finanzamt Jobkosten geltend machen. Zu diesen sogenannten Werbungskosten zählen Arbeitsmittel wie Büromaterial, ein neuer Laptop, Schreibtisch, Bürostuhl oder Bücherregal, aber auch Kosten für Weiterbildungen.

Mussten Sie für die Fortbildung Arbeitsplatz oder Homeoffice verlassen, gibt es zudem eine Verpflegungspauschale. Eventuell können Sie auch Übernachtungskosten geltend machen.

Telefonkosten können Sie pauschal zu 20 Prozent absetzen, maximal 20 Euro im Monat. Lagen Ihre tatsächlichen Kosten für berufliche Zwecke höher, müssen Sie das mit Einzelbelegen nachweisen – und dafür also Name des Gesprächspartners, Telefonnummer und Grund des Gesprächs notieren.

Was gilt, wenn die Homeoffice-Pauschale kommt?

Die Finanzpolitiker der Koalitionsfraktionen haben sich nach Angaben des finanzpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Lothar Binding, auf vorübergehende steuerliche Entlastungen für Arbeitnehmer im Homeoffice verständigt. Man wolle die Möglichkeit eines pauschalen Abzugsbetrags von 5 Euro pro Tag für Steuerpflichtige im Homeoffice schaffen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Regelung solle aufgrund der Corona-Pandemie zunächst auf zwei Jahre begrenzt sein. "Ob solche Regelungen dauerhaft angelegt sein sollten, um der nach der Pandemie möglicherweise veränderten Arbeitswelt gerecht zu werden, sollte auf der erst dann möglichen Erfahrungsgrundlage in zwei Jahren entschieden werden", sagte Binding.

Binding nannte eine Obergrenze für die Pauschale von 500 Euro im Jahr. Dies entspreche der Nutzung des Homeoffice an 100 Arbeitstagen. Aus der CSU war zuvor die Zahl 600 genannt worden. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, man befürworte eine solche Homeoffice-Pauschale. "Gerade die Leistungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und vor allem der Eltern im Homeoffice bedürfen aus Sicht der Bundesregierung einer besonderen Unterstützung."

Unklar ist einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge allerdings noch, ob die Homeoffice-Pauschale neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro gewährt wird. Wenn sie wie andere Werbungskosten behandelt würde, könnten nur diejenigen profitieren, die auf mehr als 1.000 Euro Werbungskosten kommen.

Das Finanzministerium setzt sich laut FAZ für diesen Weg ein. "Würde die Homeoffice-Pauschale unabhängig, also zusätzlich zum Werbungskosten-Pauschbetrag gewährt, wäre dies eine übermäßige (und damit verfassungsmäßig zweifelhafte) Begünstigung."

Zeit für Jahressteuergesetz drängt

Bereits im September hatten sich Hessen und Bayern im Bundesrat für genau diese Homeoffice-Pauschale eingesetzt. Jeder Arbeitnehmer soll sie absetzen können – unabhängig davon, ob ein abgeschlossenes Arbeitszimmer existiert oder ob der Chef das Homeoffice angeordnet hat.

Dieser Forderung schloss sich Ende Oktober der Bundesrat an; nun ist sich offenbar auch die Bundesregierung weitgehend einig. Die Zeit drängt allerdings: Das Jahressteuergesetz muss noch im Dezember im Bundesgesetzblatt verkündet werden – und viele Sitzungstage von Bundestag und Bundesrat gibt es nicht mehr.

Wie wird die neue Homeoffice-Pauschale aufgenommen?

Thomas Eigenthaler, der als Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft die Interessen der Mitarbeiter in den Finanzämtern vertritt, begrüßt die Einigung auf eine Homeoffice-Pauschale grundsätzlich, macht sich aber Sorgen wegen der tageweisen Anrechnung. "Unbürokratischer wäre eine Monatspauschale von 50 Euro gewesen", sagte er im Gespräch mit t-online.

Eigenthaler wundert sich zudem, dass offenbar noch keine Einigkeit darüber herrscht, wie die Homeoffice-Pauschale genau gewährt werden soll. Aus seiner Sicht kann sie nur wie andere Werbungskosten behandelt und nicht zusätzlich gewährt werden. "Es ist ja gerade die Funktion einer Pauschale, dass die echten Aufwendungen darin aufgehen. Alles andere wäre steuerunsystematisch."

Auch der Bund der Steuerzahler (BdSt) hält die geplante Homeoffice-Pauschale für einen Schritt in die richtige Richtung. "Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten und deshalb auf private Ressourcen zurückgreifen, müssen dafür einen steuerlichen Ausgleich erhalten. Das Steuerrecht muss dies genauso anerkennen wie die Entfernungspauschale", sagte Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel t-online. 5 Euro am Tag seien ein guter Ansatz; allerdings hatte sich der Bund der Steuerzahler stets für eine monatliche Pauschale von 100 Euro ausgesprochen, also 1.200 Euro im Jahr.

Bonus vom Arbeitgeber: Von März bis Dezember können Chefs ihre Mitarbeiter in diesem Jahr mit einer Corona-Beihilfe unterstützen. Bis zu 1.500 Euro extra bleiben steuer- und sozialversicherungsfrei – egal ob als Zuschuss zum Gehalt oder als Sachleistung. Verpflichtet ist der Arbeitgeber dazu aber nicht.

Was bedeutet Homeoffice für die Pendlerpauschale?

Das ist die Kehrseite der Entlastung: Wer Kosten fürs Homeoffice geltend macht, kann nicht gleichzeitig für diese Tage auch von der Entfernungspauschale profitieren. Schließlich kann er nur entweder zu Hause oder auf dem Weg zur Arbeit gewesen sein. Beides zusammen geht nicht.

Aber: Wenn Sie Anfang des Jahres ein Jahresticket für Bus und Bahn gekauft haben, sollten Sie das trotzdem wie gewohnt absetzen können. Damals konnten Sie schließlich noch nicht wissen, dass eine Pandemie Sie ins Homeoffice schicken wird.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal