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Rentenversicherungen: Wichtiger Zins sinkt 2022 – was das für Sie bedeutet


Von 0,9 auf 0,25 Prozent  

Wichtiger Zins sinkt – was das für Rentenversicherte bedeutet

18.11.2021, 09:11 Uhr
Rentenversicherungen: Wichtiger Zins sinkt 2022 – was das für Sie bedeutet. Ein Kunde unterschreibt einen Vertrag (Symbolbild): Verbraucher bekommen beim Abschluss einer neuen Lebensversicherung künftig einen deutlich geringeren Garantiezins. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/skynesher)

Ein Kunde unterschreibt einen Vertrag (Symbolbild): Verbraucher bekommen beim Abschluss einer neuen Lebensversicherung künftig einen deutlich geringeren Garantiezins. (Quelle: skynesher/Thinkstock by Getty-Images)

Wegen der Niedrigzinsen am Finanzmarkt fällt zum Jahreswechsel auch der Höchstrechnungszins. Das hat Folgen für die Versprechen, die Renten- und Lebensversicherungen neuen Kunden machen dürfen.

Seit Jahren kämpfen die Anbieter von Lebens- und Rentenversicherungen damit, dass immer weniger Menschen ihre Produkte kaufen wollen. Ein Grund dafür ist der sogenannte Rechnungszins. Dieser fällt seit Jahren – und 2022 sogar besonders drastisch: von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent.

Die Versicherungsanbieter dürfen Neukunden damit maximal 0,25 Prozent Zinsen pro Jahr garantieren. Das betrifft Riester- und Rürup-Renten genauso wie Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) und Risikolebensversicherungen. Altverträge sind von der Senkung aber nicht betroffen.

"Wer ohnehin darüber nachdenkt, eine BU abzuschließen, sollte das auf jeden Fall noch dieses Jahr tun", sagt Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge und Krankenversicherung bei der Finanzberatung MLP, im Gespräch mit t-online. "Gleiches gilt für Risikolebensversicherungen. Denn die Produkte werden 2022 bei gleicher Versicherungsleistung teurer."

Höchstrechnungszins: Der Zins wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt und soll verhindern, dass sich Versicherungsgesellschaften mit Garantieversprechen für Lebensversicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte übernehmen. Sie dürfen Neukunden weniger, aber nicht mehr laufende Verzinsung bieten. Diese bezieht sich übrigens nicht auf den kompletten Beitrag des Versicherten, sondern nur auf den Sparanteil, der nach Abzug von Provision und Kosten übrig bleibt.

Berufsunfähigkeit: Vorteile bei Abschluss 2021

Wie viel Neukunden sparen können, hat MLP für verschiedene Eintrittsalter berechnet. Demnach zahlen sie bei einer BU zwischen 4 und 12 Prozent weniger, wenn sie noch in diesem statt im kommenden Jahr abschließen. Bei einer angenommen Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro monatlich und einer Laufzeit bis 67 Jahre entspreche das zwischen 1.940 und 4.510 Euro. "Je jünger Sie sind, desto stärker ist die Ersparnis", sagt Michelsen.

Ersparnis bei BU ohne garantierte Rentensteigerung

AlterBU-RenteBeitrag bei 0,9 Prozent RechnungszinsBeitrag bei 0,25 Prozent RechnungszinsErsparnis in ProzentErsparnis über die Laufzeit
20 Jahre2.000 Euro67 Euro75 Euroca. 11 Prozent4.510 Euro
25 Jahre2.000 Euro72 Euro79 Euroca. 9 Prozent3.530 Euro
30 Jahre2.000 Euro77 Euro83 Euroca. 8 Prozent2.660 Euro
40 Jahre2.500 Euro116 Euro122 Euroca. 5 Prozent1.940 Euro

Ersparnis bei BU mit garantierter Rentensteigerung

AlterBU-RenteBeitrag bei 0,9 Prozent RechnungszinsBeitrag bei 0,25 Prozent RechnungszinsErsparnis in ProzentErsparnis über die Laufzeit
20 Jahre2.000 Euro79 Euro88 Euroca. 11 Prozent5.080 Euro
25 Jahre2.000 Euro84 Euro92 Euroca. 9 Prozent4.030 Euro
30 Jahre2.000 Euro89 Euro96 Euroca. 8 Prozent3.110 Euro
40 Jahre2.500 Euro130 Euro136 Euroca. 5 Prozent1.940 Euro

Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es mit und ohne garantierte Rentensteigerung. Wer sich für eine solche Steigerung entscheidet, dessen BU-Rente steigt jedes Jahr automatisch um 1 bis 3 Prozent. "Dafür kostet diese Version mehr, weil die Anbieter mehr Leistung absichern müssen", sagt Michelsen. In ihrer Berechnung hat MLP eine Steigerung von 2 Prozent angenommen. Lesen Sie hier, wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert.

Hinweis: Die Berechnungen betrachten nur die Veränderung, die sich durch den niedrigeren Rechnungszins ergibt, das heißt, für 2022 wird ein gleiches Eintrittsalter angenommen. Die Ersparnis kann geringer ausfallen, wenn Versicherer bereits heute mit einem niedrigeren Rechnungszins oder Abschlägen bei den Rentenfaktoren kalkulieren. 

Auch wer sich dieses Jahr noch für eine Risikolebensversicherung entscheidet, kann sparen – allerdings in geringerem Umfang als bei der BU. Das liegt daran, dass die Versicherung nur eine einmalige Todesfallleistung auszahlt und keine Rente, die mitunter über Jahrzehnte laufen kann und für die Anbieter deshalb viel mehr Geld zurückstellen müssen. Lesen Sie hier, wann sich eine Risikolebensversicherung lohnt.

Ersparnis bei Risikolebensversicherungen

AlterVersicherungssummeBeitrag bei 0,9 Prozent RechnungszinsBeitrag bei 0,25 Prozent RechnungszinsErsparnis in ProzentErsparnis über die Laufzeit
30 Jahre200.000 Euro19,50 Euro20 Euroca. 6 Prozent220 Euro
40 Jahre200.000 Euro27 Euro28 Euroca. 4 Prozent320 Euro
50 Jahre200.000 Euro41 Euro41 Euroca. 2 Prozent-

Der sinkende Rechnungszins dürfte die Produkte nicht nur teurer machen, sondern auch dazu führen, dass immer mehr Versicherer nicht einmal mehr die eingezahlten Beiträge komplett zusichern. Schon 2021 hatten einige Anbieter auf die Zinsflaute reagiert und sich von einer vollständigen Garantie verabschiedet. Für Kunden muss das nicht schlecht sein.

"Die Deutschen hängen sehr an Garantien, rauben sich damit aber Renditechancen", sagt Michelsen. "Wenn die Beitragsgarantie sinkt, haben Versicherer mehr Spielraum bei der Kapitalanlage und die Versicherten können langfristig von einer höheren Kapitalmarktchance profitieren."

Warum die Riester-Rente in Schwierigkeiten steckt

Ein Problem dürften vor allem Anbieter von Riester-Renten bekommen. Denn hier ist eine 100-prozentige Beitragsgarantie gesetzlich vorgeschrieben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warnte bereits im Frühjahr, dass viele Versicherer unter diesen Bedingungen ab 2022 keine Riester-Rente mehr anbieten könnten. Der Verband fordert seit Längerem, die gesetzliche Beitragsgarantie auf 80 Prozent zu senken.

"Davon halte ich gar nichts", sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzmarktteams beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Die Anbieter sollten lieber ihre Kosten reduzieren, statt eine Senkung der Garantie zu fordern, von der Verbraucher letztlich nichts haben."

Es sei zwar richtig, dass Versicherer bei niedrigeren Beitragsgarantien stärker in ertragreichere Produkte wie Aktien investieren könnten, "das ist aber kein Selbstläufer, weil sie dazu nicht verpflichtet sind", so Mohn. Aus ihrer Sicht sind Versicherungen grundsätzlich nicht geeignet, um fürs Alter vorzusorgen. "Das waren sie auch schon nicht, als sie noch 5 Prozent Rendite erwirtschaftet haben. Denn diese Renditen müssen ins Verhältnis zur damaligen Inflationsrate gesetzt werden, die dann meistens auch entsprechend hoch war." Mehr zur Riester-Rente lesen Sie hier.

Verbraucherschützer empfehlen Geldanlage in ETFs

Deutlich besser geeignet sei eine breit gestreute und langfristige Geldanlage am Kapitalmarkt, etwa in ETFs. Das sind spezielle Aktienfonds, bei denen ein Computeralgorithmus einen Index wie zum Beispiel den internationalen MSCI World nachbildet.

Doch auch wer sich am Kapitalmarkt allein nicht zurecht finde, brauche aus Sicht der Verbraucherschützerin eine Alternative. "Deshalb plädieren wir für eine Hilfestellung vom Staat durch einen staatlich organisierten Vorsorgefonds, der günstig und breit gestreut ist."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Miriam Michelsen
  • Gespräch mit Dorothea Mohn
  • Berechnungen der Finanzberatung MLP
  • Deutsche Aktuarvereinigung
  • Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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