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Warum Sie besser keine Gutscheine verschenken sollten

MEINUNGDrohende Insolvenzen  

Darum sollten Sie an Weihnachten keine Gutscheine verschenken

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

15.12.2020, 12:27 Uhr
Warum Sie besser keine Gutscheine verschenken sollten. Gutschein zum Fest? Vielleicht doch keine so gute Idee. (Quelle: imago images/blickwinkel)

Gutschein zum Fest? Vielleicht doch keine so gute Idee. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Vorausbezahlte Gutscheine sind gefährliche Weihnachtsgeschenke. Denn sie pumpen Geld in Unternehmen, die es möglicherweise bald nicht mehr gibt. Was Sie jetzt wissen sollten.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht sich ernste Sorgen. Er fürchtet, dass die Leute an diesem Dienstag wie verrückt losfahren und Weihnachtsgeschenke einkaufen. Er hat Angst, dass sie sich dabei mit Covid-19 infizieren und die Krankheitswelle weiter befeuern könnten. Altmaiers Empfehlung: lieber Gutscheine bestellen.

Eigentlich ist das ein prima Tipp – in der Praxis der Corona-Pandemie aber leider ein ziemlich riskanter.

Der Wirtschaftsminister nimmt in Kauf, dass die Beschenkten am Ende leer ausgehen. Wenn nämlich der Laden, der den Gutschein ausgegeben hat, in der Zwischenzeit zahlungsunfähig wird, ist der Coupon meist nichts mehr wert.
Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass das passiert.

Gutscheine für lokale Geschäfte sind beliebt

Gutscheine pumpen Geld in Unternehmen, ohne dass die sofort liefern müssen. Sie wirken wie ein Kredit. Es ist kein Wunder, dass viele kleine regionale Läden und Werkstätten Gutscheine besonders toll finden. In der ersten Pandemiewelle gab es sogar Unterstützungsprogramme für lokale Kneipen, Buchläden und Kaffeeröster. Dabei ging es meist um kleine Beträge. Die Kunden wussten, dass sie die Gegenleistung möglicherweise nicht mehr erhalten würden.

Jetzt ist das anders. Wer einen Gutschein für ein gutes Essen, eine Playstation, oder eine Wochenendreise verschenken will, wer ein Zeitschriften-, Kosmetik- oder Blumen-Abo für das kommende Jahr abschließt, nimmt oft mehrere hundert Euro in die Hand. Da lohnt es sich schon, intensiver darüber nachzudenken, wer am Ende des Lockdowns die Ladentür wieder aufsperrt, und wer das Geschäft vielleicht aufgeben muss.

Zahl der Insolvenzen droht 2021 nach oben zu schnellen 

Harte Antworten auf diese Frage gibt es vor Weihnachten nicht mehr. Noch bis Ende Dezember gilt der Insolvenzschutz, den die Bundesregierung im Frühjahr beschlossen hat. Auch wenn die Regelung nur für sanierungsfähige Unternehmen gedacht war, denen es nur wegen der Pandemie schlecht geht, haben ihn viele andere auch genutzt.

Im Gesamtjahr 2020 gibt es nach Informationen des Wirtschaftsauskunftsdienstes Creditreform viel weniger Firmenpleiten als üblich. Normalerweise würde eine tiefe Rezession Hunderttausende Unternehmen in den Konkurs treiben. Doch den Konkurs anmelden werden nach Schätzung von Creditreform nur etwas mehr als 16.300 Unternehmen. Zum Vergleich: 2019 waren es noch über 18.000 Firmenpleiten.

Creditreform prophezeit, dass sich das in 2021 dramatisch ändern wird. Und zwar vor allem in den Branchen, die traditionell vom Gutschein- und Vorauszahlungsgeschäft besonders profitieren. Viele Hotels und Gaststätten, Einzelhandelsgeschäfte in den Innenstädten, Reisebüros, Konzert- und Festivalveranstalter werden die Krise nicht überleben.

Seien Sie auf der Hut vor zu hohen Rabatten

Frühzeitig erkennen kann man das als Verbraucher kaum. Misstrauisch sollte man allerdings werden, wenn eine Firma beispielsweise unüblich hohe Frühbucherrabatte anbietet. Dann könnte es sein, dass der Anbieter ganz dringend Liquidität braucht und den Gewinn vernachlässigt. Auch wenn andere Kunden auf einmal schlechte Bewertungen für Serviceleistungen abgeben, Lieferverzögerungen und Stornos bemängeln, sollte man Verdacht schöpfen. Ist das Sortiment im Laden vor Ort ausgedünnt, haben möglicherweise die Lieferanten den Nachschub schon eingestellt.

Ist die Firma erst einmal pleite, stehen die Chancen schlecht, das Geld zurückzubekommen. Der Bon – egal ob er ein Geschenk war, selbst gekauft oder für eine Reise ausgestellt wurde – wird Teil des Insolvenzverfahrens. Nur 2,6 Prozent betrug die Deckungsquote der ausstehenden Forderungen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Bei einem Gutschein über 200 Euro bekäme der Beschenkte ganze 5,20 Euro zurück.

Gutscheine lieber selber malen

Klar, man kann natürlich bei den Corona-Gewinnern einkaufen. Doch sollten ausgerechnet die großen Internetversender, die Baumarktketten und die Billigmöbel-Märkte noch einmal profitieren, nachdem sie das ganze Jahr über schon glänzend verdient haben?

Verbraucherschützer mahnen schon heute, der Operation „Weihnachtsgutschein“ mit Vorsicht zu begegnen. Statt Vorkasse sollte man besser Zahlung bei Lieferung vereinbaren, meinen sie. Oder darauf achten, dass das Geschenk bald eingelöst wird.

Oder, noch besser: den Gutschein einfach selber malen. Dafür müssen Sie nicht einmal aus dem Haus. Auf der sicheren Seite sind Sie auch. Wenn Sie malen können.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast "Tonspur Wissen".

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