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Was man beim Impfen von der "Titanic" lernen kann

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 16.02.2021Lesedauer: 4 Min.
Ein Mann wird geimpft (Symbolbild): ImpfdrÀngler stellen eine Gefahr dar.
Ein Mann wird geimpft (Symbolbild): ImpfdrÀngler stellen eine Gefahr dar. (Quelle: T-Online-bilder)
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Manch ein BĂŒrgermeister ist zufĂ€llig genau dann im Impfzentrum, wenn eine Dosis ĂŒbrig ist. Dabei sind ImpfdrĂ€ngler gefĂ€hrlich fĂŒr unsere Gesellschaft und sollten sich an eine einfache Regel halten.

ImpfdrĂ€ngler sind Menschen, die sich eine Corona-Impfung verschaffen, obwohl sie noch gar nicht dran sind. Zu Recht werden sie dafĂŒr kritisiert. Denn sie verhalten sich nach der Maxime "Jeder fĂŒr sich". Die mag im Wirtschaftsleben zwar richtig sein. FĂŒr das gedeihliche Zusammenleben von Menschen in Fragen von Leben und Tod aber taugt sie nicht.


Einfach erklÀrt: Die Etappen bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs

Die Entwicklung eines Impfstoffs startet mit der Arbeit im Labor. Zuerst muss das Virus analysiert und verstanden werden, ĂŒber welche Mechanismen der Erreger die Immunreaktionen des Körpers auslöst. Erst dann folgen die eigentlichen Etappen bis hin zur Zulassung. (Symbolbild)
Etappe 1 – Erprobung an Tieren: ZunĂ€chst wird getestet, wie wirksam und vertrĂ€glich der Impfstoff ist. Neben Affen nutzen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch Frettchen und genetisch verĂ€nderte MĂ€use. (Symbolbild)
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Dennoch ist es falsch, diejenigen zu verteufeln, die sich jetzt an den BedĂŒrftigen vorbei eine Impfung verschaffen. Richtig ist, durch klare Regeln dafĂŒr zu sorgen, dass sich Menschen aus freien StĂŒcken am alten Seefahrerprinzip "Frauen und Kinder zuerst" orientieren. Ein Blick in die Geschichte von BootsunglĂŒcken zeigt, wann das klappt – und wann nicht.

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Frauen und Kinder auf hoher See haben trotz der Maxime, den SchwĂ€chsten zuerst zu helfen, die schlechtesten Chancen, ein SchiffsunglĂŒck zu ĂŒberleben.

Sie finden nur halb so oft einen Platz im Rettungsboot wie MĂ€nner. Das ergab eine Studie, die 18 Schiffskatastrophen des 19. und 20. Jahrhunderts auswertete. Am hĂ€ufigsten ĂŒberleben danach die Mitglieder der Crew.

LegendĂ€r ist die Geschichte des KapitĂ€ns des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia, der den Kahn im Januar 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio zuerst auf Grund setzte, dann "ausrutschte" und in ein Rettungsboot "fiel". Er ĂŒberlebte, 32 Menschen starben.

Es braucht klare Ansagen

Anders lĂ€uft es nur, wenn es eine klare Ansage des KapitĂ€ns gibt. Auf der MS Birkenhead, die 1852 vor Kapstadt einen Felsen rammte, zĂŒckte der Schiffsoffizier sogar den SĂ€bel, um Frauen und Kindern einen Platz in den Rettungsbooten zu sichern.

Sie alle ĂŒberstanden das UnglĂŒck, wĂ€hrend sich nur ein Drittel der MĂ€nner retten konnte. Auch den Untergang der "Titanic" im Jahr 1912 ĂŒberlebten ĂŒberproportional viele Frauen und Kinder. 80 Prozent der Geretteten waren Frauen und Kinder, nur jeder fĂŒnfte war ein Mann.

In beiden FĂ€llen spielte der KapitĂ€n eine ĂŒberragende Rolle, er setzte das Prinzip "Women and Children first" ("WCF") durch. Ist das nicht der Fall, sieht das Bild ganz anders aus. Dann ĂŒberleben vor allem die Starken und DurchsetzungsfĂ€higen, und diejenigen, die sich an Bord gut auskennen: MĂ€nner und die Mitglieder der Besatzung.

Es gibt zu wenige, die den SĂ€bel schwingen

Das PhĂ€nomen wirft ein interessantes Licht auf die GĂŒltigkeit sozialer Normen. Dass Schwache geschĂŒtzt werden mĂŒssen, ist so lange Konsens, wie es den Starken gut geht. Was aber passiert, wenn die Starken selbst etwas zu befĂŒrchten haben, gibt Auskunft ĂŒber den Zustand einer Gesellschaft.

Bei der Organisation der Covid-19-Impfungen wird die starke Ansage zwar formuliert: "WCF" heißt hier "Senioren und Kranke zuerst". Das Problem scheint in der Durchsetzung zu liegen. Es gibt zu wenige, die den SĂ€bel schwingen.

Auf der "Titanic" nahmen Offiziere in Kauf, dass ein paar PlĂ€tze in den Booten nicht besetzt wurden, um einen Run zu vermeiden und die Regel durchzusetzen. Im Nachhinein betrachtet, war das natĂŒrlich nicht sinnvoll.

PlĂ€tze dĂŒrfen nicht leer bleiben

Das gilt auch fĂŒr die Impfkampagne. Pragmatisch zu handeln und diejenigen einsteigen zu lassen, die zufĂ€llig zur richtigen Zeit – eine Sekunde, bevor das Boot zu Wasser gelassen wird – am richtigen Ort sind, kommt fĂŒr die Impferei auch nicht in Frage. Denn von Zufall könnte ja keine Rede sein, wenn sich Gewiefte am Ende eines Tages regelmĂ€ĂŸig am richtigen Ort einfinden, um zu schauen, ob es Reste gibt.

Schiffskommandeure können zudem hinnehmen, dass am Ende einige im sicheren Boot sitzen, die eigentlich gar nicht "dran" gewesen wĂ€ren. Auf hoher See muss der Beweis des richtigen Handels im Nachhinein nicht gefĂŒhrt werden. Bei Impfungen gegen das Virus aber schon.

Auch hier muss vermieden werden, dass "PlĂ€tze leer bleiben", dass Impfdosen verworfen werden mĂŒssen. Wenn sich aber der BĂŒrgermeister einer Gemeinde zuerst impfen lĂ€sst, entwertet er das ganze Verfahren: Vielleicht wurde er ja wirklich ausgelost, vielleicht ist der KapitĂ€n der Costa Concordia ja tatsĂ€chlich durch Zufall in das Rettungsboot geplumpst. Wenn aber der Chef – aus welchen GrĂŒnden auch immer – von der BrĂŒcke geht, darf sich niemand wundern, wenn das Regelwerk zusammenbricht.

In einer Marktwirtschaft lÀsst sich Zeit kaufen

Wenn Reiche jetzt eine Impfreise nach Kuba oder Dubai buchen, Àrgert das viele verstÀndlicherweise. Doch es ist kein grundsÀtzliches Problem.

Es ist eher so wie die VIP-Karte beim Rockkonzert, die die Besitzer an der Warteschlange vorbeifĂŒhrt. Oder das Business-Flugticket, mit dem man einen bevorzugten Platz in der Sicherheitskontrolle kauft. In marktwirtschaftlichen Gesellschaften ist es weithin akzeptiert, dass Zeit Geld ist, und dass man Zeit kaufen kann.

Anders ist es, wenn diejenigen, die die Regeln fĂŒr das Zusammenleben verantworten und durchsetzen, die AbkĂŒrzung nehmen. Dann wird das Private so politisch, wie es eben geht.

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast .

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Von Ursula Weidenfeld
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