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ARD: Amazon knechtet Leiharbeiter - Reportage hinter den Kulissen

Amazon knechtet Leiharbeiter: Reportage hinter den Kulissen

14.02.2013, 13:28 Uhr | t-online.de - sia

ARD: Amazon knechtet Leiharbeiter - Reportage hinter den Kulissen. Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld (Quelle: dpa)

Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld (Quelle: dpa)

Äußerst miese Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland: Die Rechnung für den Erfolg des größten Online-Händlers der Welt zahlen wohl Tausende Leiharbeiter, die für das Unternehmen im Einsatz sind. Sie werden aus ganz Europa in die Logistikzentren des Konzerns in Bad Hersfeld, Koblenz oder Augsburg gekarrt. Ihren erschreckend harten Arbeitsalltag - untergebracht in Ferienparks oder Motels, bewacht von Sicherheitsleuten, die der rechten Szene angehören sollen - zeigt die ARD-Reportage "Ausgeliefert".

Tausende Aushilfen fürs Weihnachtsgeschäft

Auf die Spur der Amazon-Leiharbeiter brachte die Autoren Diana Löbl und Peter Onneken die E-Mail eines Busfahrers, der die Wanderarbeiter für Amazon fuhr. Sieben Menschen würden beispielsweise in eine Hütte gepfercht und im Keller eines Restaurants abgefüttert, hieß es darin.

Über die unwürdigen Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter spricht die in ihrer Heimat arbeitslose spanische Kunstlehrerin Silvina. Die verheiratete Mutter von drei Kindern wurde - wie viele ihrer Kollegen, durch ein Arbeitsangebot von Amazon nach Deutschland gelockt: Sie sollte im Weihnachtsgeschäft als Aushilfe in der Logistik arbeiten.

Mit falschen Versprechungen angelockt

Angestellt wurden die herangekarrten Helfer aus Polen, Ungarn, Spanien, Rumänien laut der Reportage dann aber nicht bei Amazon, sondern bei dem Zeitarbeitsunternehmen Trenkwalder - für weniger als neun Euro in der Stunde. In der Heimat war ihnen deutlich mehr Lohn versprochen worden.

Ein guter Deal nur für den Konzern: Löbl und Onneken schildern Amazons "generalstabsmäßige Organisation" der Leiharbeiter, die ganz nach Bedarf des Konzern eingesetzt werden - oder eben nicht. Und demnach auch schon mal 15 Tage am Stück arbeiten müssen. Eine Möglichkeit, sich zu wehren, haben sie kaum, erklärt Heiner Reimann von Ver.di in dem Film. Sie fürchteten, ohne Geld und Zeugnis nach Hause geschickt zu werden.

Leben mit fremden Menschen auf engstem Raum

Der Report zeigt: Lieber erdulden sie, mit fremden Menschen auf engstem Raum zu leben, auf überfüllte Busse angewiesen zu sein, die nur einmal pro Schicht fahren, und etwaige Verspätungen vom Lohn abgezogen zu bekommen. Anfragen der ARD zu der fragwürdigen Beschäftigungspraxis soll Amazon nicht beantwortet haben.

Im Logistik-Zentrum bei Koblenz kommt aber Norbert Faltin zu Wort. Dort arbeiten dem Amazon-Vorarbeiter zufolge 3300 Mitarbeiter, davon hätten 3100 eine befristete Stelle. Nicht einmal jeder Fünfte wird nach den Angaben übernommen. Bei Amazon in Augsburg sind laut dem Report sogar 5038 Mitarbeiter beschäftigt, allerdings nur 1038 mit einer Festanstellung.

Sicherheitsdienst aus der rechten Szene

Wie die versteckte Kamera des Filmteams zeigt, gelten für die Amazon-Wanderarbeiter strikte Verhaltensregeln. Für deren Einhaltung sorgt ein zwielichtiger Sicherheitsdienst. Diese teils tätowierten, muskulösen Männer der Firma H.E.S.S. (Hensel European Security Services) sind überall, durchsuchen die Taschen der Aushilfen, ihre Häuser, verbreiten Angst. "We are like the police", zitiert eine Leiharbeiterin einen Security-Mann.

Als die Journalisten H.E.S.S.-Männer filmen, die Kapuzenpullover von Thor Steinar tragen - einer von Neonazis bevorzugten Marke -, werden sie vom Sicherheitsdienst verfolgt. Sie können die Ferienanlage nur unter Polizeischutz verlassen. Bei weiteren Recherchen decken die Reporter zahlreiche Verbindungen des Unternehmens zur rechten Szene auf. Amazon äußerte sich auch dazu nicht.

Einsatz endet vorzeitig

Silvinas Arbeit bei Amazon findet drei Tage vor Weihnachten ein überraschend schnelles Ende. Während ihrer letzten Schicht wird ihr mitgeteilt, dass sie nicht mehr gebraucht wird und ihre Sachen packen muss.

Amazon hat indes angekündigt, den Vorwürfen nachgehen zu wollen. "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten", erklärte Amazon auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

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