Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Konjunktur >

Corona-Beschlüsse – Reaktionen: Handel kritisiert Schließung an Gründonnerstag


Reaktionen auf Corona-Gipfel  

Handel kritisiert Schließung der Supermärkte an Gründonnerstag

23.03.2021, 12:22 Uhr | cho, fls, rtr

Corona-Beschlüsse – Reaktionen: Handel kritisiert Schließung an Gründonnerstag. Schlangestehen vor Aldi (Symbolbild): Der Handelsverband fürchtet, dass geschlossene Märkte an Gründonnerstag zu mehr Kundenandrang am Mittwoch und Samstag führen. (Quelle: dpa/Hauke-Christian Dittrich)

Schlangestehen vor Aldi (Symbolbild): Der Handelsverband fürchtet, dass geschlossene Märkte an Gründonnerstag zu mehr Kundenandrang am Mittwoch und Samstag führen. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Viele Wirtschaftsverbände sind enttäuscht über die Ergebnisse der Bund-Länder-Gespräche. Sie hätten es gerne lockerer – oder zumindest besser planbar. An der Börse zeichnet sich Anspannung ab.

Die Wirtschaft reagiert gemischt auf die neusten Entscheidungen im Kampf gegen das Coronavirus. Während sich die Reisebranche erleichtert zeigt, kritisiert der Einzelhandel die Beschlüsse erneut scharf.

"Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht", erklärte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) am Dienstag. Die Corona-Politik honoriere nicht ausreichend, dass die Ansteckungsgefahr beim Einkaufen auch von Experten als niedrig beurteilt werde. Es sei deshalb höchste Zeit, alle Geschäfte unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte zu öffnen.

Dass auch Lebensmittelhändler am Gründonnerstag schließen sollen, sieht der HDE kontraproduktiv. Das führe nur dazu, dass es am Mittwoch und Samstag in den Geschäften voller werde. "Den Lebensmittelhandel symbolisch für einen Tag zuzumachen, hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter", so Genth.

Härtester Lockdown bisher über Ostern

Bund und Länder hatten in der Nacht zu Dienstag eine Verschärfung des Lockdowns vom 1. bis zum 5. April beschlossen. Geschäfte müssen geschlossen bleiben, nur der "Lebensmitteleinzelhandel im engeren Sinne" darf am Karsamstag (3. April) öffnen. Wo Außengastronomie geöffnet ist, wird sie wieder geschlossen.

Für Reiserückkehrer aus dem Ausland soll ein Test vor dem Abflug nach Deutschland verpflichtend werden. Hotels im Inland bleiben indes zu. Auch der Urlaub in Ferienwohnungen, Appartements, Wohnwagen und Wohnmobilen bleibt verboten. Welche weiteren Beschlüsse getroffen wurden, lesen Sie hier.

Reiseverband fordert Urlaub auch im Inland

Die Reisebranche zeigt sich überwiegend erleichtert, dass keine Quarantänepflicht bei der Rückkehr aus Nicht-Risikogebieten beschlossen wurde. Das sei zu begrüßen, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig, im ZDF. 

Er plädierte allerdings dafür, auch Inlandsreisen zu ermöglichen, wo dies "gesundheitlich vertretbar" sei. Dies sei wichtig, damit die Branche wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen könne. Dazu seien ferner Fortschritte bei den Impfungen und ein "intelligentes Testverfahren" nötig.

Handwerk warnt vor "Betriebe-Kollaps"

Weitere Kritik an den Beschlüssen kommt aus dem Handwerk. "Die Lockdown-Verlängerung kommt angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen zwar nicht überraschend, sie ist aber ein großer Schock für viele Handwerksbetriebe", erklärte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, am Dienstag in Berlin. Ein breitflächiger "Betriebe-Kollaps" werde nun immer wahrscheinlicher.

Es sei zwar richtig, dass die Bundesregierung zusätzliche Corona-Hilfen für bestimmte Firmen entwickeln wolle, "allerdings wird dies nur wirken können, wenn die Betriebe dann anders als bei vorherigen Programmen auch wirklich unbürokratisch und sehr schnell an die Hilfen kommen".

Veranstaltungsbranche sieht "Meer operativer Fehler"

Auch die Veranstaltungswirtschaft kritisiert die Corona-Beschlüsse. Die vollmundig angekündigte Öffnungsstrategie ertrinke in einem Meer operativer Fehler, erklärte der Fachverband Famab. "Wir sind länger im Lockdown als jeder andere Sektor", sagte Famab-Experte Jörn Huber. "Und unsere Produkte und Dienstleistungen lassen sich nun mal nicht zwischen zwei MPKs (Ministerpräsidentenkonferenz) planen oder gar umsetzen."

Die Branche brauche vor allen anderen nun ein verbindliches Signal aus der Politik. Zudem müsse die Regierung endlich dafür sorgen, dass die finanziellen Rettungsmittel in dem Wirtschaftszweig ankämen.

Ökonom: Zusätzlicher Feiertag kostet 7 Milliarden Euro

Bei Deutschlands führenden Volkswirten rufen die Beschlüsse ein geteiltes Echo hervor. Der Chef des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, Sebastian Dullien, sagte am Dienstag: "Ökonomisch werden die neuen Beschlüsse keine großen direkten Einflüsse auf die Wirtschaftsaktivität haben. Einkäufe, die in der Schließzeit über Ostern nicht stattfinden, dürften entweder davor oder danach aufgeholt werden."

Jedoch habe die seit Anfang März eingeleitete Öffnungsstrategie wirtschaftlich mehr Schaden als Nutzen gebracht, so Dullien. "Für die wirtschaftliche Erholung am besten wären etwas längere und möglicherweise auch härtere Kontaktbeschränkungen gewesen, nach denen man dann nachhaltig hätte lockern können, insbesondere weil absehbar im zweiten Quartal auch die Impfkampagne deutliche Fortschritte machen dürfte."

Anders sieht es Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING. "Für die Wirtschaft ist die Verlängerung des Lockdowns bis Mitte April noch schlimmer als der sogenannte 'Super-Lockdown' zu Ostern", sagt er. "Das erste Quartal wird damit noch schwächer ausfallen als bisher erwartet." Mit den Beschlüssen von heute Nacht werde die Wirtschaftsleistung auch im zweiten Quartal niedriger sein als zuletzt angenommen.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) betont die Unwägbarkeiten, die vom geplanten Ruhetag ausgehen. "Klar ist, dass damit jedoch erhebliche Kosten verbunden sind. Die gesamte Wertschöpfung an einem normalen Arbeitstag liegt bei rund zehn Milliarden Euro", sagt IW-Direktor Michael Hüther. "Noch ist unklar, ob am verordneten 'Ruhetag" ' am Gründonnerstag auch die Bänder in der Industrie stillstehen." Würde der Gründonnerstag ein regulärer gesetzlicher Feiertag, käme das die Wirtschaft im schlimmsten Fall teuer zu stehen. Hüther: "Ein solcher zusätzlicher Feiertag kostet rund sieben Milliarden Euro."

Anspannung an der Börse

Den Anlegern an der Börse drückte die Lockdown-Verlängerung in Deutschland derweil aufs Gemüt. Nach dem robusten Wochenauftakt ist der Dax am Dienstag schwach in den Handel gestartet, am Ende der ersten Handelsstunde büßte er 0,52 Prozent auf 14.580,42 Punkte ein. Der MDax verlor 0,49 Prozent auf 31.692,47 Punkte und der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx fiel um 0,3 Prozent.

Aus Sicht von Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners müssen Börsianer jetzt bestimmen, wie groß Auswirkungen auf Unternehmen werden und wie sehr sich die wirtschaftliche Erholung dadurch nach hinten verschiebt. Laut Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets hinterlässt der Lockdown über Ostern "bei allem berechtigten Optimismus einen faden Beigeschmack". Er fürchtet deshalb, dass die Luft beim Dax vorerst etwas raus sein könnte.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mitteilung des HDE
  • Mitteilung ZDH
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal