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Corona | Delta-Variante: Wird dieser Reisesommer kürzer als gedacht?


Sorge vor Delta-Variante  

Wird dieser Reisesommer kürzer als gedacht?

02.07.2021, 16:35 Uhr
Corona | Delta-Variante: Wird dieser Reisesommer kürzer als gedacht?. Touristen am Strand von Scharbeutz: Auch in der Lübecker Bucht in Schleswig-Holstein boomt der Reiseverkehr – doch wie lange hält das an? (Quelle: IMAGO / Chris Emil Janßen)

Touristen am Strand von Scharbeutz: Auch in der Lübecker Bucht in Schleswig-Holstein boomt der Reiseverkehr – doch wie lange hält das an? (Quelle: IMAGO / Chris Emil Janßen)

Die beliebtesten Urlaubsorte sind voll, die Branche nennt im Juli schon Geheimtipps. Und trotzdem bleibt die Sorge vor Delta: Wird es für den deutschen Tourismus nur ein kurzer Sommer?

Die Deutschen wollen raus: Nach mehr als einem Jahr Pandemie ist der Andrang auf die Urlaubsorte im eigenen Land hoch. Rügen, Zingst, Sylt oder der Timmendorfer Strand – auf Buchungsportalen wie Booking.com sind für die Sommerferien kaum noch Unterkünfte zu ergattern. Auch der Chiemsee oder das Allgäu sind im August zu mehr als 90 Prozent belegt – wer in den Sommerferien noch spontan verreisen will, muss flexibel sein. 

Die Tourismusbranche könnte jubeln, war sie doch von mehreren Corona-Lockdowns mit am stärksten gebeutelt. Doch die Freude ist noch verhalten: "Seit den Lockerungen ziehen die Buchungen merklich an. Nichtsdestotrotz bleibt die Pandemielage fragil", sagt Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) t-online.

Hintergrund ist die weiterhin große Unsicherheit, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Nachdem die Frühjahrssaison für viele Gastronomen, Hoteliers und Reiseveranstalter stark beeinträchtigt war, bietet der Sommer für viele nur einen kurzen Moment des Aufatmens – ehe es angesichts der Delta-Variante im Herbst womöglich neuerliche Einschränkungen geben könnte.

Fürs Erste jedoch sind viele regionale Tourismusverbände von Nord- bis Süddeutschland, die t-online befragt hat, zufrieden mit der aktuellen Buchungslage. "In den bekannten Hotspots an den Küsten sind kaum noch freie Kapazitäten verfügbar", sagt Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. In ihrem Bundesland liegen mit Amrum, Föhr, Timmendorfer Strand oder Sylt gleich mehrere beliebte Reiseziele.  

Spontanurlauber sollten auf Mosel oder Harz ausweichen

In Süddeutschland sieht die Lage ähnlich aus: In der Region Chiemsee haben nur noch zehn Prozent der Betriebe überhaupt noch Kapazitäten in der Hauptsaison frei, teilt der Tourismusverband Chiemsee-Alpenland mit. Und auch bei Ferienwohnungen gibt es in manchen Regionen mehr Anfragen als Wohnungen die zur Verfügung stehen, so der Deutsche Ferienhausverband. 

Wer spontan noch Urlaub buchen möchte, sollte daher auf weniger bekannte Orte in Deutschland ausweichen. Der DTV verweist auf die Sächsische Schweiz, die Moselregion oder das Lausitzer Seenland. Wen es ans Meer zieht, könne "mit Glück" noch einen Platz südlich von Flensburg oder in Holstein im Elbe-Auenland finden, heißt es vom Tourismusverband Schleswig-Holstein.

Keine Preiserhöhungen durch Corona-Schäden

Selbst die vermeintlich zweite Reihe der deutschen Urlaubsorte profitiert damit vom diesjährigen Sommerboom. Ist der Corona-Schreck für die Branche also längst vergessen? Mitnichten.

"Weg ist weg", sagt Hans-Dieter Niederprüm vom Tourismusverband Fränkisches Seenland. DTV-Geschäftsführer Kunz ergänzt: "Die Verluste vom Lockdown zwischen Januar und Mai können nicht nachgeholt werden. Ein Bett kann nur einmal vermietet werden."

Und noch immer ist nicht ganz alles beim Alten. Auch wenn viele deutsche Urlauber zurück in die Tourismushochburgen strömen, fehlen einige Besuchergruppen: In den meisten Regionen bleiben ausländische Touristen und Geschäftsreisende weg. 

Die Preise wollen viele Anbieter dennoch nicht erhöhen. Fast alle Verbände gaben auf t-online-Anfrage an, dass die Mitglieder die Zimmer und Ferienwohnungen in Zukunft zu denselben Preisen vermieten werden, nur in Mecklenburg-Vorpommern müssen Kunden bis zu elf Prozent mehr einplanen. 

"Es ist nicht die Zeit, unbekümmert in die Zukunft zu blicken"

Doch wie lange das so bleibt, ist fraglich. Auch wenn der Sommer mit niedrigen Inzidenzen und dem Impffortschritt einen Boom für die Branche bedeutet, blicken viele Betriebe mit Sorge nach vorn. Die Delta-Variante des Coronavirus, die sich in den europäischen Nachbarländern wie Großbritannien oder Portugal ausbreitet, macht viele Betriebe vorsichtig.

"Es ist nicht die Zeit, unbekümmert in die Zukunft zu blicken – die Corona-Pandemie ist nicht vorbei", sagt DTV-Chef Kunz. Wichtig sei der weitere Impffortschritt und strenge Hygieneregeln auch in den Urlaubsgebieten – darauf verweisen etwa auch die Verbände in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Die Angst vor einem weiteren Lockdown geht um, bei Anbietern und Kunden.

Gäste sind für die Herbstsaison noch zurückhaltend

Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, berichtet von Verunsicherung unter den Gästen durch die Delta-Variante, besonders im Herbst. "Hier buchen die Kunden bisher nur sehr verhalten ihre Urlaubsreisen", sagt er. Viele Deutsche scheinen den Sommer zwar genießen zu wollen, warten den Herbst aber lieber ab.

Diese Verunsicherung wird die Branche auch mit strikten Corona-Maßnahmen nicht vermeiden können. Seit über einem Jahr steckt der deutsche Tourismus damit in einem Kreislauf der Ungewissheit, mit dem die Gastronomen und Hotelbetreiber auf ihre Art und Weise umgehen müssen.

Manche suchen die Flucht nach vorne und blicken bewusst positiv in die Zukunft, denn: "Etwas anderes als Optimismus bleibt einer Tourismusdestination ja auch nicht", so Niederprüm.   

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Presseanfrage: Deutscher Tourismusverband
  • Presseanfrage: Booking.com
  • Presseanfrage: Tourismusverband Schleswig-Holstein
  • Presseanfrage: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
  • Presseanfrage: Tourismusverband Chemiesee-Alpenland
  • Presseanfrage: Tourismusverband Fränkisches Seenland
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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