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Sprit: So hängen Öl- und Benzinpreise zusammen


Steigende Ölpreise  

Wird Benzin jetzt noch teurer?

11.11.2021, 10:56 Uhr
Sprit: So hängen Öl- und Benzinpreise zusammen. Tankstelle in Düsseldorf (Symbolbild): Der Ölpreis beeinflusst die Kosten für Benzin und Diesel, doch es gibt auch weitere Faktoren.  (Quelle: imago images/Michael Gstettenbauer)

Tankstelle in Düsseldorf (Symbolbild): Der Ölpreis beeinflusst die Kosten von Benzin und Diesel, doch es gibt auch weitere Faktoren. (Quelle: Michael Gstettenbauer/imago images)

Der Ölpreis legt weiter zu. Viele Verbraucher schauen mit Sorge auf diese Veränderung, denn die Preise an der Tankstelle sind bereits hoch. Doch wie beeinflusst der Ölpreis eigentlich die Kosten von Benzin und Diesel?

Der Blick auf die Preise an der Tankstelle ist für viele Autofahrer zurzeit unangenehm. Die Kosten für Benzin und Diesel sind erheblich gestiegen. Und ein Blick auf den aktuellen Ölpreis lässt viele Verbraucher einen weiteren Anstieg befürchten. Doch wie hängt der Preis für Rohöl mit den Kosten für Benzin und Diesel zusammen?

t-online erklärt, wie sich der Benzinpreis zusammensetzt, ob weiterer Benzinmangel droht und ob die Preise weiter steigen.

Wie entsteht der Ölpreis?

Um zu verstehen, wie der Ölpreis die Tankkosten beeinflusst, lohnt sich zunächst ein Blick auf den Ölpreis selbst. "Der Ölpreis hängt davon ab, ob genügend Öl auf dem Markt ist. Diese Menge hängt wiederum vor allem am Fördervolumen der Opec+-Staaten", erläutert Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. 

"Opec" steht dabei für "Organization of the Petroleum Exporting Countries" (Deutsch: Organisation der erdölexportierenden Länder) und bezeichnet einen Zusammenschluss von ursprünglich 13 Ländern. Insgesamt fördern diese Länder rund 40 Prozent des weltweiten Erdöls und verfügen über drei Viertel der weltweiten Reserven.

Da der Marktanteil einiger anderer Länder (darunter Russland) in den vergangenen Jahren immer relevanter wurde, werden diese unter "Opec+" mit dazugezählt. Die Länder stimmen untereinander ab, welche Menge an Öl gefördert und auf dem Markt platziert werden soll. Damit wollen sie sich gegen eine Preisbildung auf dem Markt absichern. Es kommt aber immer wieder dazu, dass einzelne Länder sich nicht an diese Absprachen halten.

Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?

"Der Benzinpreis setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Zwei Drittel werden durch Steuern und Abgaben bestimmt, das restliche Drittel geht auf den Ölpreis und die Kosten für Verarbeitung sowie die Gewinnmarge zurück" sagt Fritsch.

Bei den Steuern und Abgaben gibt es erstens einen festen Abgabenanteil pro Liter. Bei Benzin fallen 65,45 Cent Energieabgabe an, bei Diesel sind es 47,04 Cent. Hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer und seit dem 1. Januar 2021 die CO2-Steuer. Diese macht bei Benzin rund sieben Cent, bei Diesel acht Cent aus. Außerdem müssen Mineralöl­unternehmen einen Beitrag an den deutschen Erdöl­bevorratungs­verband (EBV) zahlen, bei einem Liter Benzin liegt dieser Beitrag allerdings bei unter einem Cent. 

Ein weiterer Faktor kommt für den Rohölpreis dazu: "Ebenfalls wichtig ist der Umrechnungskurs von Euro zu US-Dollar, da Öl in Dollar gehandelt wird", so Fritsch.

Der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Benzin- oder Dieselpreis ist also eng, aber nicht allein entscheidend. Dennoch wirken sich Veränderungen schnell auch auf die Geldbeutel der Verbraucher aus. "Eine Schwankung beim Ölpreis macht sich bereits am selben Tag an der Tankstelle bemerkbar", sagt Experte Fritsch. 

Wieso sind die Preise aktuell so hoch?

Das liegt in gewisser Weise an zu geringer Nachfrage. Das klingt paradox, lässt sich aber wie folgt erklären: "Zu Beginn der Pandemie ist die Ölnachfrage drastisch eingebrochen. Daraufhin haben die OPEC+-Staaten das Fördervolumen um 10 Millionen Barrel gedrosselt", so Fritsch. Durch künstliche Verknappung sollte der Preis im vergangenen Jahr stabilisiert werden. 

Mittlerweile wurde die Industrie in vielen Ländern wieder hochgefahren, der Verbrauch steigt also. Dennoch sei die Ölnachfrage noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau angekommen, so Fritsch. "Das liegt zum Beispiel daran, dass der Flugverkehr noch nicht wieder in der gleichen Frequenz stattfindet wie vor der Pandemie."

Doch die Förderquoten passen sich nicht so schnell an, wie die Nachfrage steigt. Im Sommer einigten sich die Opec+-Staaten darauf, pro Monat 400.000 Barrel mehr zu fördern. Damit wäre das Vorkrisen-Volumen im September 2022 erreicht. 

Woher kommen die Engpässe bei Benzin und Diesel?

Schon vor einigen Wochen gab es Bilder von langen Schlangen vor Tankstellen in Großbritannien. Dort hingen Schilder, dass das Benzin aus sei. Grund dafür: Fachkräftemangel. Die Nachwuchssituation bei Lkw-Fahrern ist auch in Deutschland ein Problem. Lesen Sie hier, wie eine Britin die Spritkrise erlebt hat.

In Großbritannien wurde der Mangel allerdings zusätzlich durch den Brexit verschärft, da viele ausländische Fahrer nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU Arbeit auf dem Festland suchten. Ohne Fahrer konnten die Tankstellen nicht beliefert werden. Die Lage spitzte sich so zu, dass das Militär aushelfen musste und derzeit Umschulungen für andere Berufsgruppen angeboten werden. 

In Deutschland sieht die Lage hingegen anders aus. Als vor einigen Tagen Autofahrer in Baden-Württemberg über Spritmangel klagten, lag es nicht an fehlenden Fahrern, sondern wohl vor allem an fehlendem Wasser. Sprit wird in großen Tankern über den Rhein verschifft. Doch durch den niedrigen Wasserstand des Flusses konnten die Schiffe nicht mit der üblichen Menge beladen werden. Dadurch entstanden für kurze Zeit Lieferengpässe.

Auf Nachfrage bestätigten verschiedene Tankstellenbetreiber, dass es sich um eine Ausnahme gehandelt habe. Deutsche Autofahrer müssen sich also nicht auf dauerhafte Knappheit einstellen. 

Wird es noch teurer?

Auch in den kommenden Wochen ist noch keine Entlastung zu erwarten. "Zumindest bis Jahresende kann ich beim Ölpreis keine Entwarnung geben", so Fritsch zur Lage auf dem Weltmarkt. Damit könnten auch die Benzin- und Dieselpreise weiter steigen. 

Erst im nächsten Jahr werde sich die Lage entspannen. "Im Laufe des nächsten Jahres wird die Nachfrage nicht mehr so stark zunehmen. Dann ist der Aufholprozess beendet und die Nachfrage wieder auf Vorkrisenniveau", sagt Fritsch. Und das bedeutet dann auch wieder günstigere Preise.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Carsten Fritsch
  • ADAC: "Benzin- und Dieselpreise: So entstehen die Spritpreise"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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