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"Weltmeister der Doppelmoral": Pressereaktionen zum Gas-Deal mit Katar


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"Weltmeister der Doppelmoral"

Von dpa, wan

30.11.2022Lesedauer: 4 Min.
LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Eine Studie sieht für die meisten geplanten Anlagen keinen Bedarf, sollte Deutschland die Klimaziele einhalten wollen.
LNG-Terminal in Wilhelmshaven (Archivbild): Das Lieferabkommen mit Katar stößt in der deutschen Presse auf Kritik. (Quelle: Reuters/Fabian Bimmer)
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Katar wird ab 2026 Flüssiggas nach Deutschland liefern. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist stolz, die deutsche Presse hingegen übt harsche Kritik an dem Geschäft.

Der katarische Energiekonzern Qatar Energy wird von 2026 an über das US-Unternehmen Conoco Philipps Flüssiggas nach Deutschland liefern. Ein entsprechender Vertrag wurde jetzt unterzeichnet.

Zwar sollen dann 15 Jahre lang 2 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr an den LNG-Terminals ankommen, das ist aber verhältnismäßig wenig. Sie entsprechen 2,8 Milliarden Kubikmetern Gas – die Nord-Stream-Pipeline brachte 59,2 Milliarden Kubikmeter. Der Gasdeal ist umstritten, weil damit nur drei Prozent des Gasbedarfs bedeckt werden, man aber mit einem Staat Geschäfte macht, der viele Menschenrechte missachtet. Die deutsche Umwelthilfe spricht von einem "schmutzigen Deal", der BDI sieht keine Aussicht auf günstigere Preise.

Auch in der deutschen Presse kommt das Abkommen, das von Wirtschaftsminister Robert Habeck als "super" gepriesen wird, eher schlecht weg. Eine Übersicht.

t-online-Chefredakteur Florian Harms kritisiert den langen Zeithorizont im morgendlichen Newsletter "Tagesanbruch": "In der gegenwärtigen Energiekrise nutzt das Gas aus Katar nichts. Trotzdem soll es später 15 Jahre lang fließen. '15 Jahre ist super', sagt Wirtschaftsminister Robert Habeck, der sich eigentlich auch Klimaminister nennt. Spätestens ab 2040 solle der Gasverbrauch nämlich 'runtergehen', dann würden 'andere Energieformen dominant'. 2040. In 18 Jahren. Das ist mal eine Ansage. Statt über das 1,5-Grad-Ziel werden wir dann wohl eher über 3,5 Grad Erderhitzung reden. 2040. In 18 Jahren."

Die "Augsburger Allgemeine" wirft Deutschland "Doppelmoral" vor: Nun also doch – Katar wird Flüssiggas nach Deutschland liefern. Richtig, das ist das Emirat am Golf, an dem die Deutschen gerade aus Anlass der Fußball-WM ihr hochmoralisches Gemüt kühlen. Ausgebeutete Arbeiter, Diskriminierung von Homosexuellen, ein durch Gier der Seele beraubter Fußball: Das sind die Vorwürfe. Gerade erst hat Wirtschaftsminister Robert Habeck Kapitän Manuel Neuer geraten, die One-Love-Binde zu tragen. (...) Einerseits die Katarer über die richtigen Werte zu belehren, andererseits ihr Gas zu wollen, ist ein typischer Fall deutscher Doppelmoral."

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Ins gleiche Horn stößt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung": "Seine eigentliche Bedeutung erhält der Gasdeal allein als katarischer Kommentar zur Debatte um Boykott und Menschenrechte: Tatsächlich steht Deutschland nun als Weltmeister der Doppelmoral da. Als Gasverkäufer ist uns Katar in der Not gerade recht, als WM-Gastgeber aber sei es bei jeder Gelegenheit geschmäht: Das ist ein Widerspruch, der sich tatsächlich schwer auflösen lässt."

Im Kommentar der "Berliner Zeitung" wird die Frage laut, wie es um das Ansehen Deutschland bestellt ist: "Es ist schon etwas peinlich, wenn deutsche Politikerinnen sich einerseits mit Regenbogenbinden in Katar präsentieren und wir die absolutistische Monarchie dort andererseits mit langfristigen Fossil-Deals finanzieren. Ja, soll der Rest der Welt denn denken, dass Deutschland nur an Symbolpolitik interessiert ist? Dass uns die Rechte von Homosexuellen und Frauen nur interessieren, wenn wir nicht von jenen profitieren, die sie missachten? Vielleicht denkt man das ja zu Recht, und wir sind längst so weit."

Kaum eine Wahl sehen die "OM Medien" (Vechta/Cloppenburg): "Sicher, Katar ist alles andere als ein perfekter Partner. Auf ihn statt auf Putin bei der Energieversorgung zu setzen, das wirkt, wie Pest gegen Cholera zu tauschen. Am besten ist es natürlich, wenn man beide Seuchen niemals abbekommt. Dass das aber nicht immer so funktioniert, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat, sehen wir an diversen Beispielen in der Geschichte."

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Der Bremer "Weser-Kurier" fordert mehr Tempo bei ähnlichen Geschäften: "(...) Trotzdem kann der kleine Schritt von großer Bedeutung sein – wenn er der Auftakt für weitere Schritte ist. Sie sollten nicht nur in eine Richtung gehen. LNG ist lediglich eine Brückentechnologie, eine Lösung, die nicht von Dauer sein wird. Es wird grundsätzlich nicht nur einen Weg geben, wenn es darum geht, Energie zu gewinnen, die anders als LNG auch noch wirklich im Sinne des Klimaschutzes ist. Wenn dafür die Weichen im gleichen Tempo gestellt werden, wie jetzt der LNG-Deal zustande gekommen ist, wäre viel gewonnen."

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In der Volksstimme (Magdeburg) findet das Gasgeschäft hingegen grundsätzlich Zustimmung: "Der Flüssiggas-Deal mit Katar setzt in Deutschland fix Empörungspotenzial frei. Das ist ein Dolchstoß für den Klimaschutz, tönt es sofort. Und dann noch der Lieferant: Dieses Menschenrechte missachtende Golf-Emirat, das Ausländer sich krumm schuften lässt, den westlichen Wertekanon missachtet und keine Regenbogen-Armbinden haben will! Die sollen uns nun Gas liefern? Ja, wer denn sonst? Ganz praktisch ist es ein Vertrag zum Zähneknirschen."

Die "Badische Zeitung" sieht den Zeitpunkt der Bekanntgabe als keinen Zufall an. "Jetzt also doch. Katar liefert Flüssiggas nach Deutschland. Man darf davon ausgehen, dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe dieses Geschäfts sorgsam geplant war. Als eine 'konkrete Demonstration unseres Engagements für die Deutschen' belobigte Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabi das Abkommen – wohlwissend, wie schwer sich diese Deutschen gerade damit tun, auf öffentlichkeitswirksame, aber doch risikominimierte Art und Weise während der Fußball-WM in Katar ihr Eintreten für Menschenrechte zu demonstrieren."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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