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Putin lÀsst die Getreidepreise explodieren

  • Annika Leister
Von Nele Behrens, Annika Leister

Aktualisiert am 13.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Russlands PrÀsident Wladimir Putin auf einem Getreidefeld (Archivbild): Seine Kriegsstrategie treibt die Preise in die Höhe und ganze LÀnder in den Hunger.
Russlands PrÀsident Wladimir Putin auf einem Getreidefeld (Archivbild): Seine Kriegsstrategie treibt die Preise in die Höhe und ganze LÀnder in den Hunger. (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-bilder)
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Putins Truppen blockieren den Export der Ukraine. Sie legen so einen der grĂ¶ĂŸten Konkurrenten Russlands auf dem Weltmarkt lahm – damit befeuere der russische PrĂ€sident zwei globale Probleme, warnt ein Experte.

In deutschen SupermĂ€rkten fehlt es plötzlich an Mehl und Rapsöl, viele Hersteller warnen vor steigenden Preisen in den kommenden Monaten – und die Getreidepreise auf dem Weltmarkt schießen weiter in die Höhe. Im April zahlten deutsche Importeure fĂŒr Weizen so viel wie zuletzt vor zehn Jahren. In Deutschland steigen die Lebenskosten – und in der Welt wĂ€chst der Hunger.

Schuld ist der Krieg zwischen den Kornkammern der Welt: Die Ukraine und Russland zĂ€hlen zu den grĂ¶ĂŸten Weizenexporteuren. Von Lieferungen aus der Region sind viele LĂ€nder in Afrika und dem Nahen Osten abhĂ€ngig. Sie werden nun zum Spielball von Putins Kriegsstrategie.

Denn Russlands Angriffskrieg hat die Versorgungsketten der globalen ErnĂ€hrung unterbrochen: 25 Millionen Tonnen Getreide hĂ€ngen in der Ukraine fest, die russischen Truppen blockieren die HĂ€fen und Seewege. Per Zug ist der Transport mĂŒhsamer, weniger lohnender und zurzeit kaum möglich: Denn russische Truppen nehmen auch Bahnstrecken gezielt unter Beschuss.

"AufstÀnde sind dann wahrscheinlich"

Die Lager sind bereits jetzt gefĂŒllt, fĂŒr die kommende Ernte fehlt der Platz, wenn die Ukraine ihren Weizen nicht bald in die Welt exportieren kann. Die Folge: Eine weltweite Hungerkrise droht – jetzt und in den kommenden Jahren. "Wir befĂŒrchten, dass Millionen Menschen in Hunger rutschen könnten, AufstĂ€nde sind dann wahrscheinlich", warnt RafaĂ«l Schneider von der Welthungerhilfe im GesprĂ€ch mit t-online.

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Modernes Getreidelager in der Ukraine: Viele Lager sind bereits jetzt voll.
Modernes Getreidelager in der Ukraine: Viele Lager sind bereits jetzt voll. (Quelle: Maxym Marusenko/imago-images-bilder)

Das hat aus Sicht von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir System: "Russland nutzt Hunger gezielt als Waffe", sagte er t-online. Kurz vor dem Treffen der Agrarminister der G7-Staaten an diesem Freitag in Stuttgart warf er Russland angesichts der Getreidekrise eine "widerliche Form der KriegsfĂŒhrung" vor. Russland fĂŒhre auch einen "Wirtschaftskrieg", in dem es darum gehe, sich das Eigentum von BĂ€uerinnen und Bauern "einzuverleiben".

Die Agrarminister beraten an diesem Freitag deswegen ĂŒber Lösungen. Im GesprĂ€ch ist dabei etwa UnterstĂŒtzung fĂŒr den Transport per Zug sowie Lieferungen ĂŒber die Donau.

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Putins Krieg fĂŒhrt laut Schneider derweil zu zwei globalen Erschwernissen: einem Problem der VerfĂŒgbarkeit – und einem Problem der Preise. Die Situation sei in LĂ€ndern des globalen SĂŒdens, in dem die Bevölkerung eine sehr geringe Kaufkraft habe, bereits jetzt angespannt.

Auch Deutschland wird Putins Strategie spĂŒren

Die steigenden Preise werden langfristig auch deutsche Verbraucher spĂŒren. Deutsche Landwirte bauen zwar selbst viele Getreidesorten an, dennoch importierte Deutschland mehr als elf Millionen Tonnen Getreide im vergangenen Jahr, wie das Statistikamt mitteilte. Besonders bei Körnermais und Hartweizen, der fĂŒr die Nudelproduktion besonders wichtig ist, kann Deutschland sich nicht selbst versorgen.

Bis 2023 sei die Versorgungssicherheit in Deutschland allerdings gesichert, beteuerte der BauernprĂ€sident Joachim Rukwied zuletzt im GesprĂ€ch mit t-online. Aus der Ukraine bezieht Deutschland nur einen Bruchteil seiner Exporte, aber die Lage treibt – gepaart mit schlechten Ernten wegen Hitzewellen in anderen ErzeugerlĂ€ndern – die Preise am Weltmarkt in die Höhe. Wenn deutsche Unternehmen also Getreide importieren, mĂŒssen auch sie höhere Preise zahlen und werden diese Belastung wohl an die Kunden weitergeben.

Joachim Rukwied: Deutschland kann Weizen in Àrmere LÀnder exportieren und so EngpÀsse teils auffangen, sagt der PrÀsident des deutschen Bauernverbandes.
Joachim Rukwied: Deutschland könne Weizen in Àrmere LÀnder exportieren und so EngpÀsse teils auffangen, sagt der PrÀsident des deutschen Bauernverbandes. (Quelle: Janine Schmitz/imago-images-bilder)

"Putin könnte Dominanz auf dem Weltmarkt an sich reißen"

Doch Preiserhöhungen in deutschen SupermĂ€rkten sind eher KollateralschĂ€den von Putins Kriegsstrategie. HĂ€rter trifft es LĂ€nder des globalen SĂŒdens – Experte Schneider befĂŒrchtet fĂŒr sie fatale langfristige Folgen: "Durch den Krieg könnte Russland die Dominanz des Weltgetreidemarktes an sich reißen und einige LĂ€nder in Afrika, dem Nahen Osten und Asien in eine ErnĂ€hrungsabhĂ€ngigkeit bringen – ganz Ă€hnlich wie Deutschland von russischem Gas abhĂ€ngig ist“, sagt Schneider.

BrotverkĂ€ufer auf einem Markt in Kairo: Ägypten ist nur eines von Dutzenden LĂ€ndern, das von Lieferungen aus Russland und der Ukraine abhĂ€ngig ist.
BrotverkĂ€ufer auf einem Markt in Kairo: Ägypten ist nur eines von Dutzenden LĂ€ndern, das von Lieferungen aus Russland und der Ukraine abhĂ€ngig ist. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)

Durch diese Strategie sind große Teile Europas bereits jetzt abhĂ€ngig von russischen EnergietrĂ€gern – Dutzenden LĂ€ndern auf dem afrikanischen Kontinent und im Nahen Osten geht es mit den Getreidelieferungen so. Das könnte sich nun weiter verschĂ€rfen: Denn wĂ€hrend die Ukraine nicht exportieren kann, kĂŒndigte Putin am Freitag eine Rekordernte in Russland an. 130 Millionen Tonnen Getreide könnten in diesem Jahr nach SchĂ€tzungen geerntet werden, so Putin, darunter 87 Millionen Tonnen Weizen.

Russland kĂŒndigt Rekordernte an – und will wieder exportieren

Vor wenigen Wochen hatte Russland noch die Getreideexporte stark gedrosselt, mindestens bis Ende Juni soll demnach kaum Weizen aus dem Land geschafft werden, um die eigene Bevölkerung zu versorgen – das trieb die Preise weiter in die Höhe. Das soll sich wohl bald wieder Ă€ndern, sagt Putin: Die gute Ernte werde es erlauben, nicht nur die BedĂŒrfnisse Russlands zu decken, "sondern auch die Lieferungen auf den Weltmarkt fĂŒr unsere Partner zu steigern".

Das hat gleich mehrere positive Effekte fĂŒr Putin: Getreidelieferungen wĂŒrden dann in nicht unerheblichem Maße Putins Kriegskasse fĂŒllen – und AusfĂ€lle durch europĂ€ische Embargos im Energiemarkt kompensieren. Die Ukraine könnte Putin so als einer der grĂ¶ĂŸten Konkurrenten auf dem weltweiten Markt verdrĂ€ngen und dauerhaft schwĂ€chen. Wenn diese nicht exportieren kann, fĂŒllt Putin die LĂŒcken – und nach Kriegsende könnte fĂŒr die Ukraine kein Platz mehr auf dem Markt sein.

Aus diesem Grund sollten auch andere LĂ€nder wie Deutschland nun nicht langfristig die Exporte der Ukraine auf dem Markt ersetzen, warnt Experte Schneider. Schließlich sei die Ukraine nach dem Krieg beim Wiederaufbau auf die Einnahmen aus dem GetreidegeschĂ€ft angewiesen. Die Lieferketten mĂŒssten daher erhalten bleiben.

FĂŒr die LĂ€nder, die besonders abhĂ€ngig von den Importen aus Russland und Ungarn sind, gebe es langfristig nur eine Option: Sie mĂŒssten dieselben Vorkehrungen treffen wie Deutschland beim Gas. Das bedeutet: "Importe diversifizieren, lokalen Anbau fördern und regionale MĂ€rkte stĂ€rken", so Schneider.

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Inwiefern viele LĂ€nder in Afrika und dem Nahen Osten ĂŒberhaupt autark Getreide anbauen können, ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels allerdings fraglich. Kurzfristig sind diese LĂ€nder und ihre BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sowieso ohnmĂ€chtig, sie sind Russlands Kampf um eine neue Weltordnung hilflos ausgeliefert.

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811 Millionen Menschen hungern derzeit auf der Welt. Mit seiner Strategie im Krieg und auf dem Getreidemarkt nimmt Putin bewusst in Kauf, dass diese Zahl rapide in die Höhe schießt.

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