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Massive Viruswelle in Deutschland: Darum liegen wir derzeit flach


Diese Viren legen Deutschland lahm

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 02.12.2022Lesedauer: 5 Min.
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Eine Pflegerin auf einer Coronastation (Archivbild): Covid-19 ist aktuell nicht mehr das gefährlichste Virus in Deutschland. (Quelle: Marijan Murat/dpa)
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Fast jeder zehnte Deutsche leidet aktuell an einer Atemwegserkrankung. Einige Intensivstationen sind überlastet. Wie gefährlich ist die neue Virenwelle?

Überall, so scheint es, husten die Menschen gerade, Nasen laufen, die Krankenstände schießen in die Höhe. Rund 8,2 Millionen sind derzeit akut an einem Atemwegsinfekt erkrankt, meldet das Robert Koch-Institut. Besonders dramatisch ist die Lage in den Kinderkliniken, die eine heftige RS-Viren-Welle überrollt.

Welche Viren zirkulieren, zeigt eine Auswertung der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI: Das Gros der Infektionen ging in der 47. Kalenderwoche (21. bis 27. November) auf Influenzaviren zurück, mehr als jede dritte Probe (36 Prozent) wies die Grippeviren als Ursache der Erkrankung nach. 19 Prozent der Proben zeigten Respiratorische Synzytialviren (RS-Viren) als Auslöser, etwa jede zehnte Rhinoviren.

Interessant ist: Nur noch sechs Prozent der Infektionen gehen auf SARS-CoV-2 zurück. Andere Viren bestimmen also aktuell das Infektionsgeschehen.

Auch eine Folge von Corona

Für die Jahreszeit ist eine solche Viruswelle nicht ungewöhnlich. Das bestätigte auch der Immunologe Andreas Radbruch kürzlich im Gespräch mit t-online: "Man sieht durch den Wegfall der Anti-Corona-Maßnahmen, die ja auch vor der Übertragung dieser Viren schützen, dass jetzt andere Krankheitserreger wieder in den Vordergrund treten."

Dass sich so viele Menschen gerade infizieren, habe aber nichts mit den Corona-Maßnahmen der vergangenen zwei Jahre zu tun, die das Immunsystem geschwächt hätten, sagte der Immunologe Carsten Watzl dem Deutschlandfunk: "Sondern damit, dass man seine Immunität bei einigen der Viren regelmäßig auffrischen muss. Und da waren Leute vor einem oder zwei Jahren schon fällig, haben das Virus aber nicht abbekommen, weil wir diese Hygienemaßnahmen hatten." Jetzt grassierten diese Viren relativ stark, weil sie einfach wieder viele Menschen finden können, die fällig seien.

Aktuell sind also mehrere Infektionswellen parallel zu beobachten. Was sind das für Viren? t-online gibt einen Überblick.

Influenza-Infektion kann schwere Folgen haben

Die klassischen Grippeerreger, die sonst als endemische Viren im Herbst und Winter regelmäßig zu Infektionswellen führen, verbreiteten sich durch die Anti-Corona-Maßnahmen der letzten zwei Jahre deutlich weniger. Nun, da die Hygienemaßnahmen weitgehend wegfallen, infizieren sich wieder viele Menschen damit.

Übertragen wird die Influenza durch Tröpfcheninfektion (Husten oder Niesen). Aber auch eine Schmierinfektion ist möglich – wenn Ober- oder Körperflächen berührt werden, auf die die Viren zuvor gelangt sind.

Die Symptome sind sehr ähnlich zu denen bei einer Corona-Infektion. Dazu zählen:

  • plötzlicher Erkrankungsbeginn,
  • Fieber, Husten oder Halsschmerzen,
  • Muskel- und/oder Kopf-/ Gliederschmerzen.

Weitere Symptome können sein:

  • allgemeine Schwäche,
  • Schnupfen,
  • selten auch Übelkeit/Erbrechen und Durchfall.

Die Symptome treten relativ schnell nach der Infektion auf, etwa nach ein bis zwei Tagen. Circa vier bis fünf Tage lang sind die Infizierten ansteckend, die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt bei fünf bis sieben Tagen. Eine Infektion kann zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung, Gehirn- oder Herzmuskelentzündungen führen.

Die Ständige Impfkommission rät über 60-Jährigen und Risikogruppen zur Grippeschutzimpfung. Auch sie schützt – wie die Corona-Impfung – nicht zuverlässig vor Ansteckung, aber sie verbessert den bereits breiten Grundimmunitätsschutz vor schweren oder gar tödlichen Krankheitsverläufen.

RS-Viren sind besonders für Kleinkinder gefährlich

Beim Respiratorischen Synzytialvirus (RSV) handelt es sich eigentlich um ein harmloses Atemwegsvirus, das wie die Grippe saisonal auftritt. Bei Erwachsenen führt es zu den typischen Erkältungssymptomen wie etwa Husten, Schnupfen, Fieber, Müdigkeit. Auch bei Erwachsenen kann es zu Komplikationen kommen, doch gefährlicher ist das RS-Virus für Kinder, insbesondere Kleinkinder.

Übertragen wird es überwiegend via Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome – beträgt zwischen zwei und acht Tagen. Doch: Schon einen Tag nach der Ansteckung können infizierte Personen infektiös sein und das dann bis zu acht Tage lang. Säuglinge können das Virus sogar über Wochen ausscheiden.

Bei Säuglingen können folgende Komplikationen auftreten:

  • eine Entzündung der feinsten Bronchien (Bronchiolitis),
  • Lungenentzündung (Pneumonie),
  • eine gleichzeitige Entzündung der Luftröhre und der Bronchien (Tracheobronchitis).
  • Auch keuchhustenähnliche Symptome können auftreten.

60 bis 70 Prozent der Säuglinge und nahezu alle Kinder unter zwei Jahren infizieren sich mit dem RS-Virus. Aber es ist auch eine der häufigsten Ursache für Lungenentzündungen bei Erwachsenen. Eine Impfung gibt es bislang nicht.

Derzeit melden die Kinderärzte und -kliniken eine ungewöhnlich starke RS-Virus-Welle. Die Charité Berlin kündigte nun an, ein Netzwerk für Kindermedizin einzurichten. Sie verglich das Vorgehen mit der Hochphase der Corona-Pandemie: Hier hatte die Charité berlinweit die Belegung der Intensivbetten gesteuert und die schwersten Fälle versorgt.

Rhinoviren: Klassische Erkältungserreger, meist harmlos

Eine Infektion mit ihnen führt zu den klassischen Erkältungssymptomen. Eine Virus-Übertragung kann über Tröpfchen- oder Schmierinfektion erfolgen. Die Infektion kann (wie bei vielen Vireninfektionen) asymptomatisch verlaufen, sonst zeigt eine Ansteckung mit Rhinoviren die üblichen – meist harmlosen Symptome wie:

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  • Husten,
  • Schnupfen,
  • Halsweh.
  • Auch Fieber ist möglich.

Die Inkubationszeit liegt zwischen einigen Stunden und drei Tagen. Etwa eine Woche lang sind Infizierte ansteckend und in etwa so lange ist auch die Krankheitsdauer. Zu Komplikationen kommt es im Erwachsenenalter eher selten.

Corona-Zahlen stagnieren: Droht eine Winterwelle?

Nach einem stetigen Rückgang in den vergangenen Wochen stagnieren die SARS-CoV2-Infektionszahlen aktuell. Befürchtet wird, dass sie von diesem Plateau aus wieder ansteigen und eine erneute Winterwelle auslösen könnten.

Das RKI weist in dieser Woche auch Infektionen mit den sogenannten humanen saisonalen Coronaviren aus. Das sind Verwandte und Vorläufer des Auslösers von Covid-19 und sind in ihrer Symptomatik vergleichbar mit den klassischen Erkältungsviren (siehe Rhinoviren).

SARS-CoV-2 hat den gleichen Übertragungsweg wie die Grippe, wird also durch Tröpfchen bzw. Schwebeteilchen (Aerosole) übertragen, Schmierinfektionen gelten jedoch als weitgehend ausgeschlossen. Die Gefahr einer Ansteckung droht vor allem bei einem ungeschützten Aufenthalt in Innenräumen. Aktuell wird diskutiert, ob die als Schutzmaßnahme eingeführte Maskenpflicht in Bus und Bahn demnächst abgeschafft werden soll.

Auch die Symptome einer Covid-19-Infektion ähneln denen der Grippe. Klassisch treten auf:

  • Husten,
  • Schnupfen,
  • Fieber,
  • Halsschmerzen.
  • Auch Magen- und Darmprobleme und Kopf- und Gliederschmerzen sind möglich.
  • Der Verlust vom Geruchs- und Geschmackssinn galt lange als ein besonderes Merkmal einer Corona-Infektion, seitdem jedoch die Omikron-Variante des Virus dominant ist, tritt dieses Symptom deutlich seltener auf.

Auch die Inkubationszeiten schwanken bei einer Infektion mit dem Covid-19-Erreger von Variante zu Variante – unter der derzeit dominanten Variante Omikron zeigen Studien die bislang kürzeste. Im Schnitt nur etwa drei Tage braucht es von der Infektion bis zur Erkrankung. Dafür sind mit Omikron Infizierte etwa fünf Tage ansteckend, die Bandbreite reicht hier von drei bis sogar neun Tagen.

Noch immer stellt SARS-CoV-2 für bestimmte Risikogruppen eine – oftmals sogar tödliche – Gefahr dar. Die Impfungen schützen das Gros der Menschen jedoch gut vor schweren Krankheitsverläufen, aber leider kaum vor der Infektion. Die vierte Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission derzeit allen über 60-Jährigen, Risikogruppen, Immungeschwächten und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • RKI: Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (47. KW)
  • RKI: Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren (Stand 19. Januar 2018)
  • DLF: "Warum die Zahl der Atemwegserkrankungen sprunghaft ansteigt" (30. November 2022)
  • RKI: Respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (6. Februar 2018)
  • medlexi.de: Rhinoviren (14. November 2021)
  • RKI: Covid-19 (23. November 2022)
  • Nachrichtenagentur AFP
  • Nachrichtenagentur dpa
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