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Corona: Erste Bundesländer beenden Isolationspflicht – darum warnen Experten


Corona-Isolationspflicht: Neue Studie schafft Klarheit

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 16.11.2022Lesedauer: 4 Min.
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Corona-Behandlung auf einer Intensivstation in Dresden (Archivbild): Auch nach einer erneuten Ansteckung kann es zu schweren Krankheitsverläufen kommen.
Covid-19-Behandlung auf einer Intensivstation in Dresden (Archivbild): Auch nach einer Reinfektion kann es zu schweren Krankheitsverläufen kommen. (Quelle: ronaldbonss.com via www.imago-images.de)
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Erste Bundesländer heben die Isolationspflicht für Infizierte auf. Warum das ein Fehler sein könnte, zeigt eine neue Studie.

Die Diskussion, ob die Corona-Pandemie hierzulande mittlerweile zur Endemie geworden ist, hat in der vergangenen Woche neuen Auftrieb bekommen. Vier Bundesländer – Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein – kippten die Isolationspflicht für Infizierte.

Der Mitteilung aus dem Gesundheitsministerium in Stuttgart zufolge verständigten sich die Länder auf gemeinsame Empfehlungen als Grundlage für ihre neuen Regelungen, die ab dem 16. November gelten sollen. Diese sehen etwa vor, dass positiv Getestete außerhalb ihrer eigenen Wohnung eine Maske tragen müssen – außer im Freien, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Vorgesehen ist demnach auch, dass positiv Getestete medizinische und pflegerische Einrichtungen nicht als Besucher betreten dürfen.

Bislang empfiehlt das Robert Koch-Institut den Ländern, für Infizierte fünf Tage Isolation anzuordnen. Geraten wird zu einer Selbstisolation, bis der Corona-Test negativ ausfällt.

Wie effektiv sind Masken?

Abstand und Masken sollen diese Regelungen nun offenbar ersetzen. Doch ist es tatsächlich wirkungsvoll, wenn ein Infizierter beispielsweise im Büro als vielleicht einzige Person einen Mund-Nasen-Schutz trägt?

Der Mathematiker Kristan Schneider, der die Pandemie modelliert, erklärte im Gespräch mit t-online: "Der volle Effekt entfaltet sich nur, wenn alle Masken tragen und diese korrekt sitzen. Tragen zwei Menschen eine FFP2-Maske, die die Virusweitergabe, sagen wir, um 90 Prozent verringert, besteht ein 99-prozentiger Schutz vor der Infektion für beide. Trägt nur einer von beiden eine Maske, ist die Ansteckungsgefahr um das Zehnfache höher." Heißt: Ein einseitig getragener Schutz ist von geringer Effektivität.

Dennoch: Die Länder verteidigen die Entscheidung, statt auf Isolation auf Masken zu setzen – und erklären dies wie folgt: "Zurückgehende Infektionszahlen, eine wirksame Schutzimpfung, eine Basisimmunität innerhalb der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent, in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe sowie wirksame antivirale Medikamente rechtfertigen aus Sicht der Länder, diesen Schritt zeitnah zu gehen."

"Covid-19 ist nicht nur ein Schnupfen"

Die Statistik des Robert Koch-Instituts zeigt jedoch: Jede Woche sterben in Deutschland etwa 1.000 Menschen an oder mit den Folgen einer Corona-Infektion. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund warnen Experten vor dem Signal, das aus den Länderbeschlüssen abgleitet werden kann. Die Virologin Sandra Ciesek schrieb auf Twitter: "Keine Isolationspflicht mehr zu haben, bedeutet nicht, dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist."

Das bestätigt auch eine neue Studie aus den USA. Eine vermeintlich hohe Grundimmunität durch Impfungen und/oder Infektionen scheint die möglichen schweren Folgen einer Corona-Infektion wie Organschädigungen, Krankenhausaufenthalte oder sogar das Todesrisiko nicht abzumildern.

Kurz: Die Annahme, Corona werde harmloser und die Krankheitsverläufe nach mehreren Infektionen pauschal milder, lässt sich offenbar nicht bestätigen. Eine erneute Ansteckung ("Reinfektion") scheint ebenfalls ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu bergen.

Reinfektion auch für Geimpfte gefährlich

Forscher des VA St. Louis Health Care Systems in Missouri untersuchten dazu die Krankenakten von fast 41.000 US-Veteranen, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 6. April 2022 zweimal oder sogar noch häufiger mit dem Coronavirus infiziert waren. Sie verglichen deren Akten mit den Daten von über 443.000 Patienten mit nur einer Infektion und 5,3 Millionen Menschen, die sich (noch) nicht mit Corona angesteckt hatten.

Das Ergebnis: Reinfizierte Personen hatten ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko wie Patienten, die lediglich eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten. Ihr Risiko für einen Krankenhausaufenthalt war sogar dreimal höher. Das erhöhte Risiko für Komplikationen umfasste Organe wie Lunge, Herz, Nieren, aber auch Probleme mit Blut, Knochen und Muskeln konnten auftreten. Psychische Probleme, neurologische Störungen oder die Entwicklung einer Diabetes-Erkrankung gehörten ebenso zu den Risiken.

Berücksichtigt wurden die Corona-Varianten bzw. Subtypen Delta, Omikron und BA.5. Und es zeigte sich: Die Ergebnisse sind unabhängig vom Impfstatus. Der Nachrichtenagentur Reuters erklärte einer der Studienleiter, der Epidemiologe Dr. Ziyad Al-Aly: "Selbst wenn jemand eine vorherige Infektion hatte und geimpft wurde – was bedeutet, dass er eine doppelte Immunität gegen eine vorherige Infektion plus Impfstoffe hatte –, ist er bei einer erneuten Infektion immer noch anfällig für nachteilige Folgen."

Wie Russisch Roulette spielen

Eine Reinfektion mit Covid-19 erhöhe sowohl das Risiko akuter Folgen als auch das von Long Covid. "Dies war bei ungeimpften, geimpften und geboosterten Personen offensichtlich", so Al-Aly.

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Einschränkend betonen Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, dass die Veteranen-Population nicht die allgemeine Bevölkerung widerspiegele. Patienten in den Gesundheitseinrichtungen des US-Veteranenministeriums seien im Allgemeinen ältere, kränkere Menschen und oft Männer.

Dennoch scheint Corona nach diesen Daten längst nicht stetig immer harmloser zu werden. Studienleiter Al-Aly sagte der "Washington Post": "Wenn Sie es ein zweites Mal bekommen, ist das fast so, als würden Sie Ihre Chance beim russischen Roulette erneut versuchen. Sie sind vielleicht beim ersten Mal einer Kugel ausgewichen, aber jedes Mal, wenn Sie die Infektion bekommen, versuchen Sie Ihr Glück erneut."

"Die Menschen sollten sich der Risiken bewusst sein"

Er rät zu erhöhter Wachsamkeit. "Unsere Ergebnisse haben weitreichende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, da sie uns sagen, dass Strategien zur Verhinderung oder Verringerung des Risikos einer erneuten Infektion umgesetzt werden sollten." Er betont zudem, wie wichtig dazu der aktuelle Zeitpunkt ist: "Zu Beginn der Wintersaison sollten sich die Menschen der Risiken bewusst sein und Wachsamkeit üben, um ihr Risiko einer Ansteckung oder erneuten Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu verringern."

Das Signal, das von den Beschlüssen der vier Bundesländer ausgeht, deutet jedoch in eine andere Richtung.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • tagesschau.de: "Vier Bundesländer kippen Isolationspflicht" (11. November 2022)
  • Interview mit Kristan Schneider (22. April 2022)
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