• Home
  • Politik
  • Tagesanbruch
  • Corona-Hass im Internet: Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputt machen


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Jetzt ist Schluss

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 11.01.2021Lesedauer: 7 Min.
Die Kanzlerin hat dem Treiben der Digitalkonzerne bisher weitgehend desinteressiert zugesehen.
Die Kanzlerin hat dem Treiben der Digitalkonzerne bisher weitgehend desinteressiert zugesehen. (Quelle: imago images)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextCorona-Inzidenz steigt erneutSymbolbild fĂŒr einen TextSalihamidzic verhandelt wohl mit JuveSymbolbild fĂŒr einen TextRadstar: Tour-Aus wegen WirbelbruchSymbolbild fĂŒr einen TextMonatlicher Gasabschlag: So stark steigt erSymbolbild fĂŒr einen TextThĂŒringer Bergwanderer tödlich verunglĂŒcktSymbolbild fĂŒr einen TextGruppe prĂŒgelt auf lesbische Frauen einSymbolbild fĂŒr ein VideoBlitz schlĂ€gt in fahrendes Auto einSymbolbild fĂŒr einen TextiPhone bekommt HochsicherheitsfunktionSymbolbild fĂŒr einen Text15-JĂ€hriger folterte ProstituierteSymbolbild fĂŒr einen TextKĂŒsse fĂŒr die BacheloretteSymbolbild fĂŒr einen TextPolizei findet Auto mit Leiche in FlussSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserHabeck lĂ€sst ZDF-Moderator abblitzenSymbolbild fĂŒr einen TextFesselndstes Strategiespiel des Jahres

Guten Morgen in der neuen Woche, liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie den Tagesanbruch abonnieren möchten, können Sie diesen Link nutzen. Dann bekommen Sie den Newsletter jeden Morgen um 6 Uhr kostenlos per E-Mail geschickt.

Hier ist der kommentierte Überblick ĂŒber die Themen des Tages:

WAS WAR?

Vernunft ist in Krisen von Vorteil. Leider ist sie auch rar gesĂ€t. Wie sonst ist es zu erklĂ€ren, dass trotz schrillender Alarmglocken immer noch so viele MitbĂŒrger nicht bereit sind, die Corona-Regeln konsequent zu befolgen? Ein Wochenend-Trip ins Skigebiet, ein netter Abend mit Freunden, eine kleine Ausnahme kann doch nicht so schlimm sein: Wer so denkt und handelt, verwirklicht sein persönliches GlĂŒck auf Kosten der Gesundheit anderer Menschen. Das Coronavirus macht keine Ausnahmen. Es bestraft jeden Fehler. Und die Mutation, die in Großbritannien wĂŒtet, tut es erst recht.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

In London ist die Lage außer Kontrolle geraten. Die Zahl der Infizierten explodiert, am Freitag waren es sage und schreibe 68.000 binnen 24 Stunden. Auch die TodesfĂ€lle nehmen rasant zu, tĂ€glich sind es schon mehr als 1.300. Die KrankenhĂ€user sind ĂŒberlastet, vor den Kliniken stauen sich die Rettungswagen. BĂŒrgermeister Sadiq Khan hat den Katastrophenfall ausgerufen, er wird den Lockdown wohl verschĂ€rfen. Zur Debatte steht eine strikte Ausgangssperre fĂŒr alle BĂŒrger: zu Hause bleiben, TĂŒr zu, Schluss mit lustig. Das klingt drastisch, doch anders wissen sich die Behörden nicht mehr zu helfen. Wir sollten darin ein Alarmsignal sehen. Auch in Deutschland sind bereits die ersten Infektionen mit dem mutierten Virus aufgetreten. Bei den Briten sehen wir jetzt, was uns in wenigen Wochen blĂŒhen könnte, wenn wir nicht entschlossen handeln. Und wenn sich nicht wirklich jeder konsequent an die Schutzregeln hĂ€lt.

Doch das fĂ€llt einer betrĂ€chtlichen Zahl von BĂŒrgern immer noch schwer. Viele sehen nicht ein, wieso sie ihr Leben so massiv einschrĂ€nken sollen, wie Virologen und Politiker es verlangen. Und viele halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Wer sich im Internet umhört, dem schallt der Chor der Uneinsichtigen entgegen. Darunter sind nicht nur ignorante und dumme Stimmen, sondern auch immer mehr aggressive. Die bekommt zu hören, wer das Problem anprangert. In der Wochenendausgabe des Tagesanbruchs habe ich ĂŒber den Unsinn der Corona-Leugner geschrieben. Die Reaktionen waren ĂŒberwĂ€ltigend. Hunderte von E-Mails prasselten in unsere PostfĂ€cher, darunter neben zustimmenden auch empörte. Und einige hasserfĂŒllte. Letztere kommen im selben Sound daher wie so viele SchreihĂ€lse auf Facebook, YouTube und Telegram, auf Whatsapp und Twitter. Dort ist im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los. "Ich habe Angst, dass sich ganz Deutschland bald ĂŒberwiegend nicht mehr in öffentlich-rechtlichen oder anderen seriösen Medien informiert, sondern nur noch auf den MĂŒllbergen der Trash-Netze", schreibt mir eine Leserin.

TatsĂ€chlich ist es alarmierend, wie viele Menschen den LĂŒgen und GerĂŒchten im Internet Glauben schenken. Und es ist ein Skandal, dass Hassprediger wie Attila Hildmann und Verschwörungsapostel wie Ken Jebsen immer noch ungehindert ihren Schund verbreiten dĂŒrfen. Die Bundes- und Landesregierungen haben das Problem bisher weitgehend ignoriert, viele Spitzenpolitiker scheinen keine Ahnung zu haben, was im Web los ist, oder sie wollen sich damit nicht die HĂ€nde schmutzig machen. Beginnt sich das nun endlich zu Ă€ndern? Der Angriff fanatischer Trump-JĂŒnger auf das Kapitol in Washington hat auch hierzulande manchen Politiker aus dem digitalen Tiefschlaf gerissen.

Markus Söder ist als Erster aufgewacht und hat der "Welt am Sonntag" ein bemerkenswertes Interview gegeben. Darin warnt er in deutlichen Worten vor der Radikalisierung der "Querdenker"-Szene: "Es ist verheerend. Endlose Fake News und LĂŒgen fĂŒhren dazu, dass Leute sich in Scheinwelten und Parallelwelten begeben. Es ist wie eine sektenĂ€hnliche Entwicklung. Die Leute werden einer GehirnwĂ€sche unterzogen", sagt der CSU-Chef. Und weiter: "Aus bösen Gedanken werden böse Worte und irgendwann auch böse Taten. Deswegen mĂŒssen wir auch in Deutschland nicht nur die Sicherheitsmaßnahmen fĂŒr die demokratischen Institutionen verbessern, sondern grundlegend die sektenĂ€hnliche Bewegung der 'Querdenker' und anderer vergleichbarer Gruppierungen in den Blick nehmen." Sonst bestehe die Gefahr, dass sich "aus grĂ¶ĂŸeren Bewegungen kleine Protestgruppen entwickeln, die am Ende einen radikalen Kern bilden, der zu einer Terrorzelle werden kann. Auch wenn die Umfragewerte der AfD sinken, besteht die Gefahr, dass sich aus ihrem Umfeld heraus in Deutschland ein Corona-Mob oder eine Art Corona-RAF bilden könnte, die zunehmend aggressiver und sogar gewalttĂ€tig werden könnte." Und dann die Fanfare: "Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputt machen."

Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputt machen: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber diesen Satz wĂŒrde ich gern auch mal aus dem Mund der Bundeskanzlerin, des Innenministers sowie der Chefs von Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Bundespolizei hören. Noch besser wĂ€re es, die Damen und Herren wĂŒrden es nicht bei handfesten Worten belassen – sondern das Problem endlich anpacken. Gegen die amerikanische Plattform Facebook und ihre Töchter WhatsApp und Instagram, gegen den russischen Messenger-Dienst Telegram, gegen die amerikanische Google-Tochter YouTube und den ebenfalls amerikanischen Kurznachrichtendienst Twitter braucht es jetzt harte Gesetze. Nicht irgendwo in Amerika oder sonst wo, sondern hier in Deutschland, in der EU. Sie mĂŒssen fĂŒr jedes einzelne menschenverachtende, Hass schĂŒrende oder LĂŒgen verbreitende Posting mit hohen Bußgeldern bestraft werden. Ohne komplizierten Meldeprozess, sondern sofort. Sie mĂŒssen daran gehindert werden, dass all die Irren auf ihren Plattformen unsere Demokratie wie in den USA sturmreif schießen. Facebook-GrĂŒnder Mark Zuckerberg, Telegram-Chef Pawel Durow, Google-Boss Sundar Pichai und die anderen Digitalunternehmer haben jahrelang Milliarden damit verdient, ĂŒberall auf der Welt Hass und LĂŒgen zu sĂ€en. Das muss endlich aufhören. Angela Merkel, Horst Seehofer, Olaf Scholz, Markus Söder und die anderen HĂ€uptlinge in unserem Land sollten sich endlich trauen, ihnen das Handwerk zu legen – am besten ĂŒber eine EU-weite Initiative mit UnterstĂŒtzung von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sonst verletzen sie ihren Amtseid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Alle aufwachen, bitte!


WAS STEHT AN?

In sechs BundeslĂ€ndern gelten die verschĂ€rften Corona-Regeln schon, heute folgen fast alle anderen. Sie sind unangenehm, sie machen viele Menschen einsam, sie bringen viele um ihren Verdienst. Trotzdem schwant vorausschauenden Köpfen: Sollte sich die gefĂ€hrliche Mutation des Virus auch hierzulande weiterverbreiten, werden diese Regeln kaum ausreichen. Das Ziel sollte null Infektionen sein. Einmal fĂŒr drei, vier Wochen alles hart ausbremsen – statt bis zum Herbst zwischen stĂ€ndigen Lockdowns und Lockerungen hin- und herzupendeln. Das wĂŒrde die Nerven schonen, Leid lindern und sehr viel Staatsgeld sparen. Wann das wohl auch die MinisterprĂ€sidentenrunde versteht?

Loading...
Loading...
Loading...
Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
Was heute wichtig ist

Erhalten Sie jeden Morgen einen Überblick ĂŒber die Themen des Tages als Newsletter.


Nancy Pelosi, Sprecherin des ReprÀsentantenhauses, will Donald Trump schnellstens aus dem Amt entfernen.
Nancy Pelosi, Sprecherin des ReprÀsentantenhauses, will Donald Trump schnellstens aus dem Amt entfernen. (Quelle: Erin Scott/Reuters-bilder)

Nur noch neun Tage bleiben Donald Trump im US-PrĂ€sidentenamt, die Demokraten wollen trotzdem heute im ReprĂ€sentantenhaus ein weiteres Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eröffnen. Die Anklage lautet auf "Anstiftung zum Aufruhr". Entschieden wĂŒrde das Verfahren allerdings im Senat, wo es kaum Aussicht auf die notwendige Zweidrittelmehrheit gibt. Jeder Tag, den Trump noch im Weißen Haus bleibe, sei eine Gefahr, beharrt die demokratische Frontfrau Nancy Pelosi.

In Wahrheit verfolgen die Demokraten mit dem Verfahren drei Ziele: Erstens wollen sie ihn als ersten PrĂ€sidenten brandmarken, der sich zweimal einem Amtsenthebungsverfahren stellen muss. Zweitens errichten sie eine Drohkulisse, um Trump klarzumachen: Falls er sich jetzt noch das Geringste erlaubt, dann geht es ihm an den Kragen. Drittens könnte Trump auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt noch schuldig gesprochen werden – samt dem Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden. Damit wĂ€re ihm eine erneute Kandidatur bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 verwehrt. Der Welt bliebe viel erspart.


Dorfbewohner im Senegal begrĂŒnen einen Landstrich im Rahmen der "Großen grĂŒnen Mauer".
Dorfbewohner im Senegal begrĂŒnen einen Landstrich im Rahmen der "Großen grĂŒnen Mauer". (Quelle: imago images)

In Paris eröffnet Frankreichs PrĂ€sident Macron den "One Planet Summit". Ziel des Gipfels ist es, die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beschleunigen und mehr Geld fĂŒr den Klimaschutz lockerzumachen. Rund 30 Staats-, Regierungs- und Organisationschefs schalten sich per Video dazu, darunter Kanzlerin Merkel, der britische Premier Boris Johnson, Prinz Charles, UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen. Die Chefs wollen ambitionierte Umweltprojekt voranbringen, darunter die "Große grĂŒne Mauer" in der Sahelzone: Ein 15 Kilometer breiter GrĂŒnstreifen aus BĂ€umen und Pflanzen von West- bis Ostafrika soll die Ausbreitung der Sahara stoppen, die Lebensgrundlage von Millionen Menschen verbessern und Fluchtbewegungen vorbeugen. Spannend!

(Quelle: imago images)

Der Untersuchungsausschuss zum Pkw-Mautdebakel nĂ€hert sich dem Ende. Heute sind der frĂŒhere VerkehrsstaatssekretĂ€r Guido Beermann und Ministeriumsabteilungsleiter Karl-Heinz Görrissen vorgeladen. Aber auch ohne sie hat die Opposition bereits so viele Hinweise auf Amtsversagen von CSU-Minister Andreas Scheuer zusammengetragen, dass man sich fragt, warum der Mann noch im Amt ist.

Mehr aus dem Ressort
Bericht: Boris Johnson tritt als Parteichef zurĂŒck
Boris Johnson: Er steht in der eigenen Partei massiv unter Druck.



WAS LESEN?

Der Sturm auf das Kapitol war der skandalöse Tiefpunkt der PrÀsidentschaft Donald Trumps. Doch trotz seiner Wahlniederlage bleibt seine Bewegung eine Gefahr. Auch Deutschland muss deshalb gewarnt sein, meint mein Kollege Patrick Diekmann.


Wie gefÀhrlich sind die Mutationen des Coronavirus, was ist das Problem am Impfstoff von Biontech, und auf welche drei Dinge sollte man beim Tragen einer Maske unbedingt achten? Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit beantwortet in unserem beliebten Format "Frag mich" die Fragen unserer Leser.


WAS AMÜSIERT MICH?

Zum Abschluss ein kleines GestĂ€ndnis: Ich bin ein Freund von Alliterationen. Als ich noch beim guten, alten "Spiegel Online" am Ruder sitzen durfte, versah ich Artikel gern mit Stab- und anderen Reimen. So kam es zu Titeln wie "Bill trifft Il" oder "Schloss sucht Boss" oder "Um Kopf und Kanzleramt". Meine Umtriebe gingen so weit, dass irgendwann sogar Medienjournalisten darĂŒber berichteten. NatĂŒrlich nicht gerade wohlwollend. Irgendwann war ich beim "Spiegel" weg vom Fenster und andere durften die Überschriften machen. Doch gelegentlich habe ich den Eindruck, dass der sprachliche Funke auf manche Kollegen ĂŒbergesprungen zu sein scheint. Keinesfalls nur beim "Spiegel" und auch nicht nur in Texten. Vorhang auf fĂŒr die geschĂ€tzte ARD-Kollegin Hanni HĂŒsch!

Ich wĂŒnsche Ihnen einen erfolgreichen Wochenbeginn ohne Verschwörungsblödsinn. Oh, reimt sich sogar.

Herzliche GrĂŒĂŸe,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

Den tÀglichen Newsletter von Florian Harms hier abonnieren.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Florian Harms
Von Florian Harms
Angela MerkelCSUCoronavirusDeutschlandDonald TrumpEUFacebookGoogle Inc.GroßbritannienLockdownLondonMarkus SöderQuerdenkerTodesfallTwitterWamSWashingtonYouTube
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website