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Siemens kündigt Milliardeninvestition an: gegen die Abhängigkeit von China


Zwei neue Werke
Siemens kündigt Milliardeninvestition an

Von Frederike Holewik

15.06.2023Lesedauer: 3 Min.
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Siemens-Zug in Peking: Der deutsche Konzern ist auf der ganzen Welt aktiv, doch grade in Asien will er weiter wachsen. (Quelle: Markus Mainka via www.imago-images.de)

Siemens wächst: Der deutsche Konzern baut seine Präsenz in Asien aus. Gegen die Abhängigkeit von China soll vor allem ein Standort helfen.

Siemens-Chef Roland Busch machte es kurz, als er zu ungewöhnlich früher Zeit am Donnerstag vor die Kameras trat: Der Konzern will in diesem Jahr Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro tätigen. Das Geld soll weltweit fließen, doch der Ort der Verkündung war mit Bedacht gewählt: Singapur.

Hier soll eine neue Hightech-Fabrik für 200 Millionen Euro zur Produktion von Automatisierungstechnik mit 400 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Ein Gegengewicht zum starken Engagement in China – intern als "Marco-Polo-Projekt" bekannt –, was im vergangenen Jahr für Kritik gesorgt hatte.

Ein Rückzug aus China sei diese Investition aber keineswegs. Denn neben dem neuen Werk in Singapur kündigte Busch auch den Ausbau des Standorts im chinesischen Chengdu für 140 Millionen Euro an, was ebenfalls 400 Arbeitsplätze schaffen werde. Hinzu komme ein Innovationszentrum in Shenzhen.

Investoren warnten vor Abhängigkeit

Investoren hatten zuletzt vor einer zu großen Abhängigkeit von China gewarnt. "Siemens muss die Abhängigkeiten von einzelnen Ländern und Regionen auch unter geopolitischen Risiken im Blick behalten, ordnen und für mehr Diversifikation sorgen", sagte Ingo Speich von der Deka im "Handelsblatt".

Busch betont nun: "Der chinesische Markt ist stark und wird weiter wachsen." Da könne es sich kein Unternehmen erlauben, diese Chancen nicht zu nutzen. Dennoch sei es auch eine Frage der Resilienz, mehrere Standorte zu haben. Es gehe dementsprechend nicht um eine Abkopplung von China, sondern vielmehr um eine Diversifizierung, so Busch im "Handelsblatt". Gerade auch, weil die Nachfrage in anderen asiatischen Ländern ebenfalls steigt. Siemens sieht auch in Thailand und Vietnam Wachstumspotenziale.

Siemens ist mit dieser Herausforderung auf dem chinesischen Markt nicht allein. So stand zuletzt auch der Chemiekonzern BASF wegen seiner umfangreichen Ausbaupläne in China in der Kritik. Für viele europäische und US-amerikanische Konzerne stellt sich unterdessen nach der Coronakrise und aufgrund von geopolitischen Erwägungen die Frage, wie sie einerseits die Nachfrage aus China bedienen können und sich gleichzeitig nicht zu abhängig von einem einzelnen Standort machen.

Eine Milliarde Euro noch offen

Neben den Investitionen in Asien zählen zu den angekündigten zwei Milliarden Euro auch bereits bekannte Projekte im Kerngebiet Europa, darunter eine Produktionsstätte in Tschechien, ein Elektronikwerk in Amberg und ein Werk für Schaltanlagen in Frankfurt-Fechenheim.

Ein wichtiger Wachstumsmarkt für Deutschlands wichtigsten Mischkonzern liegt zudem in den USA. Dort werden derzeit mehrere neue Fabriken, etwa für Elektroautos und Batterien, gebaut. Zuletzt war der Bau einer Zugfabrik in Lexington, North Carolina, für 220 Millionen US-Dollar (ca. 203 Millionen Euro) bekannt gegeben worden.

Bis 2028 sollen dort 500 neue Stellen geschaffen werden. Der Fokus auf die USA hängt mit den deutlich niedrigeren Energiepreisen und den Fördermaßnahmen im Rahmen des "Inflation Reduction Act" von US-Präsident Joe Biden zusammen. Darüber hinaus bliebe etwa eine Milliarde für noch nicht näher genannte Investitionen in Europa und den USA, so Busch.

Zusammenarbeit mit Microsoft und Nvidia

Mit weiteren 500 Millionen Euro soll das Budget für Forschung und Entwicklung aufgestockt werden. Der Fokus soll dabei auf den Bereichen Künstliche Intelligenz und industrielles Metaversum liegen, in denen Siemens unter anderem mit Nvidia und Microsoft zusammenarbeitet. Dazu hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr seine Businessplattform "Siemens Xcelerator" vorgestellt.

Chiphersteller Nvidia steht aktuell hoch im Kurs, erst vor gut zwei Wochen knackte das Unternehmen die Marke von einer Billion US-Dollar Unternehmenswert (mehr dazu lesen Sie hier). Die hochleistungsfähigen Chips werden unter anderem für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz genutzt. Gemeinsam mit Siemens arbeitet das Unternehmen an einem industriellen Metaverse, das dazu beitragen soll, die Planung und den Bau von Fabriken und Infrastruktur zu verbessern.

Busch: Siemens schneller als der Markt

Siemens wachse deutlich schneller als der Markt, so Konzernchef Busch bei der Vorstellung der Ausbaupläne. "Daher kündigen wir heute eine Investitionsstrategie an, um das künftige Wachstum zu fördern, Innovationen voranzutreiben und auch unsere eigene Resilienz zu erhöhen." Die Investitionen untermauerten die Strategie des Konzerns, "die reale und die digitale Welt zu verbinden, sowie unseren Fokus auf Diversifizierung und Lokalisierung unseres Geschäfts". Siemens setze klar auf eine starke globale Präsenz.

Siemens ist ein global tätiger deutscher Mischkonzern. Insgesamt ist das Unternehmen in 190 Ländern vertreten. 47 Prozent seines Umsatzes machte Siemens im Jahr 2022 in Europa, 29 Prozent entfallen auf Süd- und Nordamerika und 25 Prozent auf Asien und Australien.

Busch deutete nun an, dass die 2021 festgelegten Mittelfristziele eines jährlichen Wachstums von fünf bis sieben Prozent angehoben werden könnten. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Siemens mit einem Umsatzanstieg von elf Prozent auf rund 80 Milliarden Euro – damit läge der Umsatz wieder auf dem Niveau wie vor der Abspaltung der margenschwachen Energietechnik.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Statement Roland Busch (Siemens)
  • Pressemitteilung Siemens
  • handelsblatt.com: "Siemens investiert weltweit zwei Milliarden Euro in neue Werke"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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