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Renault-Nissan-Chef Ghosn in Japan festgenommen


Finanzaffäre  

Renault-Nissan-Chef Ghosn in Japan festgenommen

19.11.2018, 12:45 Uhr | dpa, AFP

Renault-Nissan-Chef Ghosn in Japan festgenommen. Carlos Ghosn: North American International Auto Show in Detroit. Wegen Verstoßes gegen japanische Finanzregeln sowie Veruntreuung drängt der japanische Autobauer Nissan seinen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn zum Rückzug. (Quelle: dpa/Paul Sancya/AP)

Carlos Ghosn: North American International Auto Show in Detroit. Wegen Verstoßes gegen japanische Finanzregeln sowie Veruntreuung drängt der japanische Autobauer Nissan seinen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn zum Rückzug. (Quelle: Paul Sancya/AP/dpa)

In Japan haben Ermittler den Chef der Autoallianz Renault Nissan, Carlos Ghosn, festgenommen. Das berichteten mehrere japanische Medien am Montag übereinstimmend. Zuvor hatte Nissan bekannt gegeben, der Top-Manager habe den Behörden sein eigenes Einkommen als deutlich zu niedrig angegeben. Zudem soll er Firmenvermögen veruntreut haben.

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn steht wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen japanische Finanzgesetze vor dem Aus beim japanischen Autobauer Nissan. Japanische Ermittler hätten den Top-Manager festgenommen, berichteten mehrere japanische Medien am Montag.

Ghosn soll Einkommen zu niedrig angegeben haben

Monatelang gingen Nissan-Mitarbeiter vertraulichen Hinweisen nach, dass der 64-jährige Ghosn unter anderem sein Einkommen bei der Tokioter Börse zu niedrig angegeben haben soll. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, soll er über fünf Jahre insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 40 Mio Euro) zu wenig angegeben haben.

Ghosn ist bei den Japanern Verwaltungsratschef und bei Renault gleichzeitig Vorstandschef. Außerdem führt er die gemeinsame Allianz der beiden Autobauer.

Nissan sprach von ernsthaftem Fehlverhalten des in Brasilien geborenen Managers und will ihn wegen Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht feuern – Vorstandschef Hiroto Saikawa werde dies dem Aufsichtsrat vorschlagen, teilte Nissan am Montag in Tokio mit.

Renault-Aktien stürzen ab

Renault-Aktien stürzten am Montag in Paris um zwölf Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Bei der Untersuchung ging es um das Finanzgebaren von Ghosn sowie einem weiteren Manager. Die Ergebnisse hätten neben fehlerhaften Einkommensangaben weiteres Fehlverhalten von Ghosn ans Tageslicht befördert, darunter den persönlichen Gebrauch von Firmeneigentum. Die japanischen Strafverfolgungsbehörden seien von Nissan unterrichtet worden, das Unternehmen kooperiere in vollem Umfang.

Die japanische Zeitung "Asahi" hatte zuvor berichtet, Ghosn wolle mit den Behörden zusammenarbeiten und sei bereits von diesen zur Befragung abgeholt worden. Wie Nissan mitteilte, wurde das Unternehmen durch Hinweise eines Whistleblowers auf die mutmaßlichen Verstöße aufmerksam.

Ghosn gehört zu den schillerndsten Managern in der Autoindustrie. Mit der Allianz aus Renault und Nissan sowie dem japanischen Hersteller Mitsubishi hat der 1954 geborene Manager ein Konglomerat geschaffen, das mit insgesamt 10,6 Millionen Fahrzeugen pro Jahr mehr Personenwagen und Nutzfahrzeuge im Jahr verkauft als der Volkswagen-Konzern.

Ghosn sollte Nissan aus der Krise führen

Ghosns Vertrag als Renault-Chef war erst im Februar um vier Jahre verlängert worden. Die Höhe von Ghosns Gehalt hatte in der Vergangenheit für Auseinandersetzungen mit dem französischen Staat gesorgt. Der heutige Präsident Emmanuel Macron hatte den Autobauer im Jahr 2016 in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsminister bei diesem Thema unter Druck gesetzt, woraufhin Ghosn Zugeständnisse machte. Noch heute besitzt der französische Staat einen Anteil von 15 Prozent an Renault.

Ghosn hatte 1999 von Renault kommend den Chefsessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 hatte er dann auch die Spitze von Renault übernommen. Die Franzosen sind mit Nissan durch Überkreuzbeteiligungen verbunden. Bei Nissan gab Ghosn den Posten des Vorstandsvorsitzenden ab, blieb aber Verwaltungsratschef. Mit den Vorwürfen gerät die Allianz nun in eine schwere Krise.

Renault-Nissan arbeitet auch mit dem deutschen Daimler-Konzern in einer Allianz zusammen, in der die Unternehmen Entwicklungskosten bei bestimmten Fahrzeugtypen teilen und im mexikanischen Aguascalientes ein gemeinsames Werk betreiben. Dort werden Kompaktfahrzeuge der Marken Mercedes-Benz sowie der Nissan-Marke Infiniti gebaut.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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