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Ja, die Redaktion hat f├╝r diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Darum m├╝ssen Sie bei Lohnersatz oft Steuern nachzahlen

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

30.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine Frau blickt auf ein Dokument (Symbolbild): Wer Lohnersatzleistungen bezieht, dem k├Ânnte eine Steuernachzahlung drohen.
Eine Frau blickt auf ein Dokument (Symbolbild): Wer Lohnersatzleistungen bezieht, dem k├Ânnte eine Steuernachzahlung drohen. (Quelle: damircudic/getty-images-bilder)
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Wer arbeitslos wird, in Kurzarbeit geht oder Elternzeit nimmt, bekommt zwar kein volles Gehalt mehr, daf├╝r aber Ersatzleistungen. Das hat Folgen f├╝r die Steuern ÔÇô und kann zu einer Nachzahlung f├╝hren.

Das Wichtigste im ├ťberblick


  • Was bedeutet Progressionsvorbehalt?
  • Was unterliegt dem Progressionsvorbehalt?
  • Wie wird der Progressionsvorbehalt berechnet?
  • Was ist ein negativer Progressionsvorbehalt?

In der Not springt der Sozialstaat ein: Wer seinen Job verliert, l├Ąngere Zeit krank ist oder in Kurzarbeit geschickt wird, bekommt Unterst├╝tzung ÔÇô in Form von Arbeitslosen-, Kranken- und Kurzarbeitergeld. Auch in der Elternzeit flie├čt weiterhin Geld. Und das alles steuerfrei.

Trotzdem hat die Sache einen Haken: den Progressionsvorbehalt. Wir erkl├Ąren, was das ist, wie man ihn berechnet und warum Sie wegen ihm eine Steuererkl├Ąrung machen und wom├Âglich Steuern nachzahlen m├╝ssen.

Was bedeutet Progressionsvorbehalt?

Progressionsvorbehalt ist ein Begriff aus dem Steuerrecht. Er bezeichnet das Ph├Ąnomen, dass bestimmte Eink├╝nfte, die eigentlich steuerfrei sind, trotzdem dazu f├╝hren k├Ânnen, dass Sie mehr Steuern zahlen m├╝ssen. Das liegt daran, dass diese Eink├╝nfte den Steuersatz f├╝r Ihr ├╝briges steuerpflichtiges Einkommen erh├Âhen k├Ânnen (mehr dazu unten).

Den Progressionsvorbehalt gibt es, weil durch ihn das sogenannte Leistungsf├Ąhigkeitsprinzip aufrechterhalten werden soll. Damit ist gemeint, dass jeder in dem Ma├č Steuern zahlen soll, wie es seine wirtschaftliche Leistungsf├Ąhigkeit erlaubt. Oder anders gesagt: Wer mehr verdient, kann ÔÇô und soll ÔÇô mehr an den Staat abgeben. Und steuerfreie Eink├╝nfte erh├Âhen diese Leistungsf├Ąhigkeit nach Auffassung des Gesetzgebers eben auch.

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Was unterliegt dem Progressionsvorbehalt?

Welche Leistungen dem Progressionsvorbehalt unterliegen, regelt das Einkommensteuergesetz (EStG) in ┬ž 32b ÔÇô und zwar abschlie├čend. Das hei├čt: Alles, was nicht gelistet ist, f├Ąllt nicht unter den Progressionsvorbehalt. So zum Beispiel das Arbeitslosengeld II (Hartz IV).

Folgende steuerfreie Eink├╝nfte, Einkommensersatzleistungen und staatliche Leistungen z├Ąhlen hingegen dazu:

  • Arbeitslosengeld I,
  • Kurzarbeitergeld,
  • Aufstockungszahlungen des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld,
  • Arbeitslosenhilfe,
  • Krankengeld,
  • Verletztengeld,
  • Elterngeld,
  • Mutterschaftsgeld und Zuschuss zum Mutterschaftsgeld,
  • Insolvenzgeld,
  • ├ťbergangsgeld f├╝r Behinderte,
  • Entsch├Ądigungen f├╝r Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz,
  • Entsch├Ądigungen f├╝r Verdienstausfall nach dem Unterhaltssicherungsgesetz,
  • Aufstockungsbetrag bei Altersteilzeit,
  • Auslandseink├╝nfte, die aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens in Deutschland steuerfrei sind.

Steuererkl├Ąrung ist bei Lohnersatz Pflicht

Haben Sie in einem Jahr mehr als 410 Euro steuerfreie Lohnersatzleistungen bekommen, m├╝ssen Sie im folgenden Jahr eine Steuererkl├Ąrung abgeben. Das nennt sich Pflichtveranlagung.

Die Frist daf├╝r ist normalerweise der 31. Juli. F├╝r die Steuererkl├Ąrung 2021 k├Ânnte es aber ein sp├Ąteres Abgabedatum geben. Was Sie bei der Steuererkl├Ąrung alles beachten sollten, lesen Sie hier.

Weil viele Arbeitnehmer wegen der Corona-Pandemie in Kurzarbeit sind oder waren, sind sie von dieser Regelung betroffen. Der Staat rechnet f├╝r 2021 mit Steuernachforderungen von 1,4 Milliarden Euro, die Kurzarbeiter zur├╝ckzahlen sollen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Progressionsvorbehalt bei Kurzarbeit.

Wie wird der Progressionsvorbehalt berechnet?

Um den Progressionsvorbehalt zu berechnen, m├╝ssen Sie einen besonderen Steuersatz ermitteln. Daf├╝r werden Ihr steuerpflichtiges Einkommen und die steuerfreien Eink├╝nfte addiert.

F├╝r dieses Gesamteinkommen wird dann der Durchschnittssteuersatz ermittelt, aber nur auf das steuerpflichtige Einkommen angewendet. Die Lohnersatzleistungen bleiben damit steuerfrei, f├╝hren aber dazu, dass das ├╝brige Einkommen etwas h├Âher besteuert wird.

  • Beispiel: Nehmen wir an, Ihr zu versteuerndes Einkommen betr├Ągt im Jahr 2020 36.000 Euro. Dann entfallen darauf 20,79 Prozent Einkommensteuer und Solidarit├Ątszuschlag, also 7.484 Euro. Kommen nun aber noch steuerfreie Eink├╝nfte wie zum Beispiel 5.000 Euro Kurzarbeitergeld oben drauf, betr├Ągt Ihr Jahreseinkommen 41.000 Euro und der Steuersatz erh├Âht sich auf 22,65 Prozent. Das w├╝rde theoretisch zu einer Steuerzahlung von 9.286 Euro f├╝hren. Da die steuerfreien Eink├╝nfte aber ausgenommen sind, f├Ąllt der Steuersatz von 22,65 Euro nur auf die 36.000 Euro an. Sie m├╝ssten also 8.154 Euro Steuern zahlen ÔÇô 670 Euro mehr als ohne die steuerfreien Eink├╝nfte.

Wie hoch Ihre Steuerlast aufgrund der Lohnersatzleistungen sein wird, k├Ânnen Sie sich online ausrechnen lassen. Das Bayerische Landesamt f├╝r Steuern bietet zum Beispiel einen solchen Progressionsvorbehaltsrechner.

Gut zu wissen: Lohnersatz bedeutet nicht automatisch, dass Sie Steuern nachzahlen m├╝ssen. Ob das so ist, h├Ąngt zum Beispiel davon ab, wie viel Lohnsteuer Ihr Arbeitgeber bereits an das Finanzamt abgef├╝hrt hat, was Sie alles absetzen k├Ânnen, ob Sie einzeln oder mit Ihrem Ehepartner zusammen veranlagt sind und, im Fall von Kurzarbeit, in welchem Ausma├č Sie kurzgearbeitet haben. Bei Verheirateten kann sich unter Umst├Ąnden ein Wechsel der Steuerklasse lohnen.

Was ist ein negativer Progressionsvorbehalt?

Ein negativer Progressionsvorbehalt bedeutet, dass der umgekehrte Fall eintritt und sich Ihre Steuerlast nicht erh├Âht, sondern sinkt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie mit Geldanlagen im Ausland Verluste machen oder der Staat Ersatzleistungen von Ihnen zur├╝ckverlangt.

Beides mindert Ihr Gesamteinkommen, wodurch auch der Steuersatz sinkt. Sie zahlen also weniger Steuern, als Sie ohne die Verluste oder die R├╝ckforderungen h├Ątten zahlen m├╝ssen.

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