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Ehegattensplitting: Steuern sparen – Wer profitiert in welcher Höhe?

Zusammenveranlagung  

Steuern sparen mit dem Ehegattensplitting – Wer profitiert in welcher Höhe?

Von Sabrina Manthey

16.03.2019, 09:21 Uhr
Ehegattensplitting: Steuern sparen – Wer profitiert in welcher Höhe?. Eheringe auf Euroscheinen: Ehe- und Lebenspartner können sich bei den Steuerabzügen gemeinsam veranlagen lassen. Das bringt bares Geld. (Quelle: Getty Images/Stadtratte)

Eheringe auf Euroscheinen: Ehe- und Lebenspartner können sich bei den Steuerabzügen gemeinsam veranlagen lassen. Das bringt bares Geld. (Quelle: Stadtratte/Getty Images)

Mit einem kleinen Kästchen bei der Steuererklärung lässt sich richtig Geld sparen: Zusammenveranlagung. Doch vom Ehegattensplitting profitiert nicht jeder Steuerzahler in gleichem Maße und andere schon gar nicht.

Wie lässt sich die steuerliche Abgabenlast minimieren? Diese Frage stellen sich viele Steuerpflichtige nicht nur bei der Abgabe der jährlichen Steuererklärung. Einen guten Start haben schon mal Verheiratete und Lebenspartner, die sich steuerlich gemeinsam veranlagen können. t-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Ehegattensplitting.

Was ist das Ehegattensplitting?

Ehegattensplitting ist eine Möglichkeit der steuerlichen Veranlagung von Ehe- oder Lebenspartnern, die über ein unterschiedlich hohes Einkommen verfügen. Der aus dem Ehegattensplitting resultierende Steuervorteil ist umso größer, je höher der Einkommensunterschied beider ist. Das Finanzamt berechnet die Steuer so, als würden beide dasselbe verdienen.

Dabei wird wie folgt vorgegangen: Der Ehe- oder Lebenspartner, der wesentlich mehr verdient, wird in die Steuerklasse III eingestuft, der jeweils andere in die Steuerklasse V. Liegen beide Einkommen nicht weit auseinander, können beide Partner auch jeweils die Steuerklasse IV wählen. Mit diesen steuerlichen Einstufungen lassen sich bereits über das Jahr hinweg bei der Gehaltsabrechnung Lohnsteuer sparen.

Ehegattensplitting bei der Steuererklärung: Ehe- oder Lebenspartner, die eine gemeinsame Steuererklärung abgeben, kreuzen auf der ersten Seite des Mantelbogens das Kästchen "Zusammenveranlagung" ab. Dann werden beide Einkommen steuerlich zusammen veranlagt.

Ermittlung der Steuer beim Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting erfolgt in drei Schritten: Als erstes wird das zu versteuernde Einkommen beider Partner ermittelt und danach gesplittet – das heißt, halbiert. Im zweiten Schritt wird aus dem halbierten Einkommen die Einkommensteuer nach dem Grundtarif ermittelt. Im letzten Schritt wird die ermittelte Einkommensteuer verdoppelt – also auf beide Steuerpflichtigen in gleicher Höhe verteilt.

Selbst wenn einer der Partner nicht berufstätig ist, werden zwei Grundfreibeträge steuerlich angerechnet. Zudem können Eheleute und Lebenspartner Gewinne und Verluste miteinander verrechnen. Auf Wunsch können sie sich aber auch jeweils einzeln als Steuerpflichtige veranlagen lassen, also auf das Ehegattensplitting verzichten.

Grundfreibetrag: Dabei handelt es sich um das Existenzminimum, das nicht besteuert wird. Alleinstehende, die weniger als 9.168 Euro verdienen, müssen keine Einkommensteuer zahlen. Bei Ehe- oder Lebenspartnern liegt der Grundfreibetrag bei 18.336 Euro (Stand 2019). Steuern werden erst auf Einkommen über diesen Grenzen berechnet. Der Grundfreibetrag wird automatisch berücksichtigt.

Splittingtabelle – Auswirkung der gemeinsamen Veranlagung gegenüber Einzelveranlagung

Zu versteuerndes Einkommen in EuroSteuer bei EinzelveranlagungSteuer bei Zusammenveranlagung 
10.000123 Euro0,00 Euro
20.0002.414 Euro246 Euro
30.0005.275 Euro2.290 Euro
40.0008.569 Euro4.828 Euro
50.00012.295 Euro7.582 Euro
60.00016.419 Euro10.550 Euro
70.00020.619 Euro13.736 Euro
80.00024.819 Euro17.138 Euro
90.00029.019 Euro20.756 Euro
100.00033.219 Euro24.590 Euro

Legen wir zum Beispiel ein Einkommen in Höhe von 50.000 Euro zugrunde, zahlt derjenige, der sein Einkommen einzeln veranlagt, im Grundtarif 12.295 Euro an Einkommensteuer. Wird das gleiche Einkommen von Ehe- oder Lebenspartnern gemeinsam veranlagt, fordert das Finanzamt insgesamt 7.582 Euro – jeweils bezogen auf den steuerlichen Grundtarif 2019 (ohne Solidaritätszuschlag und ohne Kirchensteuer).

Einkommensteuerrechner: Über den Einkommensteuerrechner des Bundesministeriums der Finanzen können Sie die Einkommensteuer für das Jahr 2019 bis rückwirkend zum Jahr 1958 berechnen. Sie können das zu versteuernde Einkommen sowohl für Alleinstehende oder als Ehe- oder Lebenspartner ermitteln. 

Ehegattensplitting trotz räumlicher Trennung

Ehepaare, die zwar räumlich getrennt leben, aber eine intakte Ehe führen, können bei der Steuererklärung das Ehegattensplitting anwenden, urteilte das Finanzgericht Münster (Az.: 7 K 2441/15). Laut den Finanzrichtern lasse auch eine wirtschaftliche Trennung durch separate Konten in der heutigen Zeit keine Rückschlüsse auf das Eheleben zu.

Ehegattensplitting für Eingetragene Lebenspartnerschaften

Im Mai 2013 erklärte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) den Ausschluss von Eingetragenen Lebenspartnerschaften vom Ehegattensplitting für verfassungswidrig (2 BvR 909/06). Das Recht auf steuerliche Zusammenveranlagung gelte zudem rückwirkend zum 1. August 2001, dem Zeitpunkt der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes.


Ehegattensplitting beim Tod eines Partners

Die steuerliche Zusammenveranlagung wird nach dem Tod eines Partners nicht automatisch gestoppt. Das Ehegattensplitting findet im Jahr des Todes des Partners sowie im darauf folgenden Kalenderjahr Anwendung. Bei dem sogenannten Witwensplitting, das für verbliebene Witwen und Witwer gilt, wird das Splittingverfahren auf das Einkommen des Hinterbliebenen angewendet.

Ehegattensplitting bei Trennung

Bei einer Trennung entfällt die Grundlage für eine gemeinsame steuerliche Veranlagung. Die Einzelveranlagung von getrennten Ehepartnern oder Lebenspartnern beginnt mit dem Kalenderjahr, das auf den Zeitpunkt der Trennung folgt. Es sei denn, beide haben einen Versöhnungsversuch samt erneutem Zusammenleben unternommen. Dann kann es auch in dem Versöhnungsjahr, selbst wenn dies nicht erfolgreich war, zu einer gemeinsamen Veranlagung kommen.

Heiratet einer der Partner im Jahr der Scheidung erneut, kann der Ex-Partner trotzdem für dieses Jahr von den Vorteilen der Zusammenveranlagung profitieren. Auch wenn die Steuererklärung allein abgegeben wird, findet in diesem Fall das sogenannte Sondersplitting Anwendung.

Ehegattensplitting und Unterhalt nach Scheidung

Nach einer Scheidung bestehen eventuell Unterhaltsansprüche, die sich nach dem Einkommen beider früheren Eheleute berechnen. Geht der Unterhaltspflichtige eine neue Ehe ein, kann sich dieser erneut gemeinsam veranlagen lassen. Der daraus resultierende steuerliche Vorteil – also das Mehr an Geld – darf nicht für die Ermittlung des nachehelichen Unterhalts zugrunde gelegt werden. Das heißt, der Splittingvorteil hat keine Bewandtnis für mögliche Unterhaltsforderungen des früheren Ehepartners.

Kritik am Ehegattensplitting

Steuerzahler, die in eheähnlichen Gemeinschaften leben, sind von den steuerlichen Vorteilen des Ehegattensplittings ausgeschlossen. Zudem hat dieses Modell der steuerlichen Veranlagung einen negativen Effekt auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen. Denn der Steuervorteil wirkt sich am stärksten bei großen Einkommensunterschieden aus. Zumeist sind es Frauen, die weniger oder gar nicht arbeiten. Damit läuft das Ehegattensplitting Gefahr, die sogenannte Versorgerehe weiter zu stützen. Bei einer Trennung erhöht sich damit auch das finanzielle Risiko der Frau. Auch sei das Ehegattensplitting kein adäquates Mittel der Familienförderung, da auch Kinderlose profitieren.


Dem entgegnen Befürworter, dass diese Form der staatlichen Steuerförderung Familien zur gegenseitigen Absicherung dient. Vor allem in den unteren Einkommensgruppen verhindere die gemeinsame steuerliche Veranlagung ein Abrutschen in den Bezug von Arbeitslosengeld (ALG II), kurz: Hartz IV.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Bundesministerium der Finanzen
  • Bundesverfassungsgericht (BVerfG)
  • Justiz Online NRWE
  • Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V.
  • dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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