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IWF-Bericht: TrĂŒbe Aussichten fĂŒr die Weltwirtschaft

Von dpa-afx
22.01.2019Lesedauer: 4 Min.
Christine Lagarde in Davos: FĂŒr 2020 sagt der IWF nun ein weltweites Wachstum von 3,6 Prozent voraus, 0,1 Punkte weniger als noch im Oktober prognostiziert.
Christine Lagarde in Davos: FĂŒr 2020 sagt der IWF nun ein weltweites Wachstum von 3,6 Prozent voraus, 0,1 Punkte weniger als noch im Oktober prognostiziert. (Quelle: Markus Schreiber/ap-bilder)
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Handelskonflikte, Brexit, verlangsamtes Wachstum in China: Die Aussichten fĂŒr die globale Wirtschaft sind so schlecht wie lange nicht. Ökonomen warnen vor drei Risiken fĂŒr die Weltwirtschaft.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos startet mit einer trĂŒben Vorhersage: 2019 werde die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch um 3,5 Prozent steigen, heißt es in der Fortschreibung des Weltwirtschaftsberichtes des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF), die am Montag vor Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforum vorgestellt wurde.

Die neue IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath rief mit Nachdruck dazu auf, die Unsicherheit rund um den Brexit zu lösen. "Ein "No Deal"-Brexit ist eines der grĂ¶ĂŸten Risiken fĂŒr unsere Vorhersage."

Besondere Sorgen bereitet auch die Entwicklung in China: Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, wÀchst die Wirtschaft so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Sie erreichte im vergangenen Jahr nur noch ein vergleichsweise schwaches Wachstum von 6,6 Prozent im Vergleich zu 2017. Unter der KonjunkturschwÀche in China leidet auch die exportabhÀngige deutsche Wirtschaft. Die Bundesbank allerdings zeigte sich durchaus optimistisch. Die deutsche Wirtschaft habe vor allem dank eines starken Konsums gegen Jahresende die Trendwende geschafft.

DafĂŒr sprĂ€chen die im November stark gestiegenen UmsĂ€tze im Einzelhandel. Der Arbeitsmarkt prĂ€sentiere sich "weiter in hervorragender Verfassung", viele BeschĂ€ftigte hĂ€tten unter dem Strich mehr Geld zu VerfĂŒgung, schrieben die Volkswirte der Bundesbank in ihrem Monatsbericht Januar.

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Europa ein "wunder Punkt" fĂŒr die Weltwirtschaft

Weiter belaste aber ein deutlicher RĂŒckgang der Industrieerzeugung, zudem normalisiere sich die Produktion in der Automobilbranche nach der EinfĂŒhrung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP "wohl nur sehr zögerlich". Gerade die Probleme im Autosektor bremsten das Wachstum in Deutschland, betonte auch IWF-Chefvolkswirtin Gopinath. Der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, sagte: "Europa dĂŒrfte fĂŒr die ersten zwei Quartale der wunde Punkt fĂŒr die Weltwirtschaft sein." Gleichzeitig warnte er davor, zu pessimistisch in die Zukunft zu blicken.

Das Statistische Bundesamt hatte in der vergangenen Woche in einer ersten SchĂ€tzung von einem "leichten Plus" in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorquartal gesprochen. FĂŒr das Gesamtjahr 2018 hatte die Wiesbadener Behörde vorlĂ€ufig ein Plus von 1,5 Prozent berechnet - nach jeweils 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum in den Jahren 2016 und 2017.

Weltweit sieht es fĂŒr die nĂ€here Zukunft dĂŒsterer aus

Die neue IWF-Prognose liegt um 0,2 Punkte unter der vom vergangenen Oktober - die ohnehin schon zurĂŒckgenommen worden war. FĂŒr 2020 sagt der IWF nun ein weltweites Wachstum von 3,6 Prozent voraus, 0,1 Punkte weniger als noch im Oktober prognostiziert. "Steht eine globale Rezession bevor? Nein. Aber das Risiko einer stĂ€rkeren Abnahme des Weltwirtschaftswachstums ist sicherlich gestiegen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie forderte, Spitzenpolitiker mĂŒssten die Gefahren ansprechen und bereit sein, wenn sich das Wachstum ernsthaft verlangsame.

Die Situation könnte sogar noch etwas schlechter sein, sollte sich herausstellen, dass es einen Vorzieheffekt bei internationalen Bestellungen aus Furcht vor der EinfĂŒhrung von Zöllen gegeben haben sollte. Eine Eskalation der Handelskonflikte sei ein wesentliches Risiko fĂŒr die Wirtschaftsentwicklung, stellte der IWF fest.

Umfrage unter Top-Managern zeigt Skepsis auf

Skeptisch zeigten sich auch deutsche Top-Manager. Wie die jĂ€hrliche Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC ergab, blicken die FĂŒhrungskrĂ€fte deutlich pessimistischer in die Zukunft als im Vorjahr. So rechnen 29 Prozent im kommenden Jahr mit einem RĂŒckgang des Weltwirtschaftswachstums - vor Jahresfrist waren es nur 2 Prozent. Mit einem stĂ€rkeren Wachstum rechnen noch 38 Prozent, das sind 23 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. International ist die Tendenz Ă€hnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. GrĂŒnde fĂŒr die negative Stimmung sind laut PwC die Handelskonflikte sowie der FachkrĂ€ftemangel.

China leidet auch unter hausgemachten Problemen wie einem ausufernden Kreditwachstum. Das Wachstumstempo verlangsamte sich zum Jahresende. Es fiel im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf nur noch 6,4 Prozent - Ă€hnlich niedrig wie zuletzt 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise. Ohne konkret auf neue Unsicherheiten oder den Handelsstreit mit den USA einzugehen, rief Staats- und Parteichef Xi Jinping alle Mitglieder der FĂŒhrung auf, "grĂ¶ĂŸere Risiken zu vermeiden und zu entschĂ€rfen, um eine anhaltende und gesunde wirtschaftliche Entwicklung und soziale StabilitĂ€t sicherzustellen", zitierte ihn Chinas Staatsagentur Xinhua. IWF-Chefvolkswirtin Gopinath gab sich allerdings gelassen: Das letztjĂ€hrige Wachstum von 6,6 Prozent entspreche exakt den Voraussagen. "Derzeit passiert nichts Dramatisches."

Chinas Handelskrieg mit den USA bereitet weiter Sorgen

Sorgen bereitet allerdings der Handelskrieg mit den USA. Die Regierung von US-PrÀsident Donald Trump hat China eine Frist bis 1. MÀrz gesetzt und droht bei mangelndem Entgegenkommen mit neuen Strafzöllen auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. Trump will das Handelsdefizit der USA mit China verringern, fordert mehr Marktöffnung und einen wirksamen Kampf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums und erzwungenen Technologietransfer.

Deutsche Unternehmen dĂŒrften sich in China kĂŒnftig mehr zurĂŒckhalten. Autobauer, die stark vom Reich der Mitte abhĂ€ngig sind, bekommen bereits die AbkĂŒhlung zu spĂŒren. Der grĂ¶ĂŸte Fahrzeugmarkt der Welt hatte 2018 zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten einen RĂŒckgang der VerkĂ€ufe hinnehmen mĂŒssen.

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