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Steuer erhöht: Erdogan macht deutsche Luxusautos in der Türkei teurer

Limousine kostet jetzt Viertelmillion Euro  

Warum Erdogan deutsche Luxusautos teuer macht

04.09.2020, 13:56 Uhr
Steuer erhöht: Erdogan macht deutsche Luxusautos in der Türkei teurer. Recep Tayyip Erdogan starrt auf ein Auto (Archivbild): Der türkische Präsident hat eine Sonderverbrauchssteuer stark erhöht. (Quelle: imago images/ZUMA Press)

Recep Tayyip Erdogan starrt auf ein Auto (Archivbild): Der türkische Präsident hat eine Sonderverbrauchssteuer stark erhöht. (Quelle: ZUMA Press/imago images)

Ein BMW, Porsche oder Mercedes kostet ohnehin ein kleines Vermögen. In der Türkei werden diese Autos aber noch deutlich teurer. Denn Präsident Erdogan hat eine spezielle Steuer erhöht – mit drastischen Folgen.

Die Türkei befindet sich zurzeit in einer schweren Wirtschaftskrise: Das Bruttoinlandsprodukt ist in Folge der Corona-Pandemie dramatisch eingebrochen, die Inflation ist sehr hoch, und die türkische Lira ist (fast) nichts mehr wert. Deshalb will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gegensteuern und Steuern eintreiben – mit einer Maßnahme, die auch die deutsche Autoindustrie trifft.

Per Dekret hat Erdogan die Sonderverbrauchssteuer (türkisch: Özel Tüketim Vergisi), eine Sondersteuer für bestimmte Konsumgüter wie Autos oder Kühlschränke, stark angehoben.

Die Folge: Besonders für importierte Luxuswagen, die vorher schon viel kosteten, müssen einheimische Türken nun ein Vermögen blechen. Ausgenommen davon sind nur etwa Kriegsveteranen oder Menschen mit Behinderung.

Steuer steigt auf 220 Prozent

Für Fahrzeuge mit mehr als zwei Litern Hubraum und einer steuerlichen Bemessungsgrundlage von 170.000 Lira (etwa 19.000 Euro) steigt die Steuer von bereits 160 auf satte 220 Prozent. Im Klartext bedeutet das: Käufer müssen auf den Netto-Listenpreis noch einmal mehr als das Doppelte draufzahlen. Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 18 Prozent.

Neben den zusätzlichen Steuereinnahmen verfolgt Erdogan mit den höheren Sondersteuern noch einen anderen Plan, wie der Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK Türkei), Thilo Pahl, t-online sagte: "Ziel ist es, den Kaufanreiz für lokal produzierte Autos zu fördern und Importe zu mindern." Der Import ist durch die schwache Lira ohnehin stark beeinträchtigt.

Erdogan präsentierte eigene Marke

80 Prozent der in der Türkei produzierten Autos sind für den Export bestimmt, der Großteil der in der Türkei verkauften Autos wird importiert. Die Türkei hat keine eigene Marke mehr: Die exportierten Autos werden von anderen Herstellern wie Fiat, Renault oder Peugeot gebaut.

Das will Erdogan alsbald ändern: Bereits 2017 kündigte er eine eigene E-Auto-Marke an, Togg heißt sie. Ein Konsortium aus fünf türkischen Unternehmen hat sich dazu zusammengetan. 2022 sollen die ersten Wagen vom Band rollen, so der Plan.

Ende 2019 wurde ein erster Prototyp präsentiert. "Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land", hat Erdogan damals stolz gesagt.

So teuer ist nun ein BMW in der Türkei

Reine Elektroautos werden übrigens deutlich geringer besteuert. Doch die deutschen Modelle fahren überwiegend noch mit Sprit und nicht mit Strom. Die Steuererhöhung fällt deshalb deutlich ins Gewicht, wie das "Handelsblatt" vorrechnet.

Ein BMW der 7er-Serie, eine Oberklassen-Limousine, fängt in Deutschland mit einem Grundpreis von etwa 87.300 Euro an. Bisher kostete das Auto in der Türkei laut Liste umgerechnet rund 198.000 Euro. Nach der Steuererhöhung wird dafür ein Preis von umgerechnet 264.000 Euro fällig.

Auch bei günstigeren Wagen wurde die Steuer erhöht – allerdings nicht so drastisch. So kostet ein VW Passat laut "Handelsblatt", für den in Deutschland rund 30.000 Euro fällig werden, in der Türkei fast 11.000 Euro mehr, nämlich 40.700 Euro. Zuvor lag der Preis bereits bei 36.200 Euro.

"Wirtschaftsbeziehungen stehen auf breitem Fundament"

Die AHK Türkei mit Sitz in Istanbul schlägt nun Alarm. "Es besteht die Gefahr, dass hierdurch der Markt kleiner wird und somit die Verkaufschancen deutscher Oberklassen-Fahrzeuge in der Türkei womöglich zurückgehen werden", sagte AHK-Geschäftsführer Pahl t-online.

Allerdings sei nur ein kleiner Teil des gesamten Handelsvolumens von der Steuererhöhung betroffen. So tauchten die deutschen Firmen Porsche, BMW und Mercedes in der Statistik der meistgekauften Autos für 2018 gar nicht auf. Lediglich VW belegte mit knapp 50.000 Wagen den dritten Platz.

Thilo Pahl konstatiert deshalb: "Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen stehen insgesamt auf einem breiten Fundament."

Verwendete Quellen:

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