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Klimafreundlich: Deutschland hat die meisten grünen Start-ups in Europa


Klima-Start-ups  

Bei diesen Firmen hat Deutschland die Nase vorn

Von Theresa Crysmann

22.04.2021, 18:05 Uhr
Klimafreundlich: Deutschland hat die meisten grünen Start-ups in Europa. Ein Mitarbeiter des deutschen Start-ups Infarm überprüft ein Salatbeet: Mit dem Gemüse, das direkt im Supermarkt oder im Restaurant wächst, soll CO2 beim Transport eingespart werden. (Quelle: Reuters/Hannibal Hanschke)

Ein Mitarbeiter des deutschen Start-ups Infarm überprüft ein Salatbeet: Mit dem Gemüse, das direkt im Supermarkt oder im Restaurant wächst, soll CO2 beim Transport eingespart werden. (Quelle: Hannibal Hanschke/Reuters)

Neue Technologien spielen im Kampf gegen die Klimakrise eine große Rolle. Viele neue Ansätze kommen von deutschen Gründerinnen und Gründern. Ein Allheilmittel sind sie aber nicht.

Extremes Wetter, Dürren, Hochwasser, Waldbrände – die Auswirkungen des Klimawandels sind deutlich zu spüren. Lösungen für die globale Erwärmung drängen. Und versprechen Profit.

Auf der ganzen Welt interessieren sich immer mehr Investoren und Firmengründer dafür, welchen Beitrag die Tech-Branche zum Klimaschutz leisten kann. Ob innovativer Milchersatz oder intelligente Recycling-Software für Unternehmen: gerade in Deutschland tummeln sich viele sogenannte Climate-Tech-Start-ups. Das zeigt eine neue Marktanalyse der Risikokapitalgeber Speedinvest und Creandum.

Deutsche Firmen ganz vorn

Die Investmentfirmen werteten dafür die Daten von mehr als 1.100 europäischen Start-ups aus, die mit ihrer jeweiligen Technologie die Klimakrise lösen wollen. Knapp ein Viertel aller Climate-Tech-Start-ups in Europa kommt demnach aus Deutschland (24 Prozent).

Danach folgen Firmen aus dem Vereinigten Königreich (15 Prozent) und aus Frankreich (9 Prozent). Die wenigsten Climate-Tech-Start-ups stammen laut der Analyse aus Ost- und aus Südeuropa.

Neuer Horizont für Venture Capital

Das Interesse der Risikokapitalgeber an den Entwicklungen des Climate-Tech-Markts scheinen dabei profitorientiert und nachhaltig zu sein. Speedinvest-Partner Andreas Schwarzenbrunner sprach darüber kürzlich mit dem Branchenportal "Brutkasten Media": "Unsere Mission ist es, die größte und umfangreichste Liste an Climate Tech Start-ups in Europa aufzubauen."

Er hoffe, damit ein Stück dazu beizutragen, dass Europa in dem Bereich Marktführer werde, so Schwarzenbrunner. "Und wir sind der starken Überzeugung, dass wir hier in Europa aufs Tempo drücken müssen um das Ziel einer Zero Carbon Economy bis 2050 zu erreichen."

16 Milliarden für grüne Lösungen

Schon im vergangenen Jahr erklärten die Wirtschaftsprüfer von PwC die Climate-Tech-Branche zum neuen Horizont für Risikokapital. Entsprechend steigen Investitionen in Start-ups mit nachhaltigen Produktideen nach Angaben von PwC seit Jahren.

Belief sich der globale Wert entsprechender Deals 2013 noch auf weniger als 500 Millionen US-Dollar, lag die Investitionssumme laut PwC im Jahr 2019 bereits bei mehr als 16 Milliarden US-Dollar.

Saubere Energie und smarte Mobilität

In der aktuellen Übersicht der Investmentfirmen Speedinvest und Creandum entfällt ein Großteil der grünen Startups in Europa auf den Energie-Sektor und auf smarte Mobilität. Diese Verteilung spiegelt sich demnach auch in den Investitionsmustern: Unternehmen in der Energiebranche zogen zwischen 2006 und 2021 mit 5 Milliarden US-Dollar das meiste Risikokapital an.

Im Bereich smarte Mobilität gab es immerhin noch 3,7 Milliarden US-Dollar an Finanzierungen. Davon profitierten bisher unter anderem der französische Vermittler für Mitfahrgelegenheiten Blablacar und die deutsche Fernbusplattform Flixbus.

Grüne Innovationen gedeihen aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Climate-Tech-Start-ups finden sich beispielsweise im Abfallmanagement, bei der Nahrungsmittelproduktion, in der Bauwirtschaft und im Finanzwesen.

Auch die EU setzt auf Start-ups

Der grüne Investitionstrend ist inzwischen auch in Brüssel angekommen. Die Europäische Kommission hatte den Kampf gegen den Klimawandel mit dem European Green Deal im Januar 2021 gesetzlich verankert und ein entsprechendes Förderprogramm für Start-ups aufgelegt.

Mit dem Gesetzespaket wollen Deutschland und die restlichen 26 EU-Mitgliedsstaaten bis 2050 klimaneutral werden. Das nächste große Etappenziel dafür steht 2030 an – bis dahin sollen die Netto-Treibhausgasemissionen aus Wirtschaft, Verkehr und Energiegewinnung im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent gesenkt werden.

Die Rolle des European Green Deal

Dabei setzt die EU auch auf frische Ideen aus der europäischen Start-up-Szene und vergibt umfangreiche Investitionen über den Europäischen Innovationsrat in Brüssel. Vor wenigen Wochen ist eine neue Antragsrunde gestartet.

Aktuell können sich Gründerinnen und Gründer in Europa um Funding in Höhe von insgesamt eine Milliarde Euro bewerben. Das Geld soll vor allem die bahnbrechenden Innovationen unterstützen, die zu den Zielen des European Green Deals beitragen.

Kein Allheilmittel

Die Geldspritze für grüne Start-ups ist ein neues Finanzierungsinstrument der Europäischen Union. Die zuständige Kommissarin für Innovation und Forschung, Mariya Gabriel, hofft, die EU damit bei neuen Technologien auf eine Spitzenposition zu bringen.

Die Einbindung privater Investoren und die Hilfe bei der Expansion solle unter anderem dazu beitragen, "die Herausforderungen im Bereich Umwelt bewältigen zu können", so Gabriel. Um die CO2-Einsparungen zu erreichen, die der European Green Deal vorsieht, dürften die bisherigen Neuerungen in der Climate-Tech-Branche allerdings nicht reichen.

Wichtige Technologien nicht einsatzbereit

Wie die Internationale Energieagentur (IEA) vergangenes Jahr feststellte, sind viele ausschlaggebende Technologien für die Dekarbonisierung noch längst nicht einsatzbereit.

Hunderte Lösungsansätze aus den Bereichen der Wasserstoffantriebe, Bioenergie, E-Mobilität und CO2-Speicherung hinkten technisch weit hinter der Planung her. Nur wenn sie funktionieren und in großem Umfang verbreitet seien, können die gesetzten Ziele erreicht werden – mahnt die Energieagentur.

Verwendete Quellen:

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