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Das machen Deutschlands Nachbarn in der Wirtschaft besser

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 14.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Eine Mitarbeiterin in einer Opel-Fabrik (Symbolbild): Vor allem die verarbeitende Industrie wurde von den coronabedingten Lieferkettenproblemen stark getroffen.
Eine Mitarbeiterin in einer Opel-Fabrik (Symbolbild): Vor allem die verarbeitende Industrie wurde von den coronabedingten Lieferkettenproblemen stark getroffen. (Quelle: Westend61/imago-images-bilder)
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Die Omikron-Variante treibt die Corona-Infektionen in die Höhe. Das belastet auch die Wirtschaft. Das ifo Institut hat deshalb jetzt seine Konjunkturprognose gesenkt. t-online erklÀrt, was das bedeutet.

Das Wichtigste im Überblick


  • Wie beeinflusst die vierte Welle die Wirtschaft?
  • Wieso steht Deutschland schlechter da als andere LĂ€nder?
  • Wie geht es mit der Inflation weiter?

Die deutsche Wirtschaft kommt langsamer wieder in Gang als erwartet. Das MĂŒnchner ifo Institut hat am Dienstag seine Konjunkturprognose fĂŒr 2022 um 1,4 Prozentpunkte gesenkt und geht jetzt nur noch von einem Plus in Höhe von 3,7 Prozent aus. Die Erholungseffekte nach der Corona-Krise verschieben die Forscher damit ein Jahr nach hinten auf 2023.

Wie konnte es dazu kommen? Hieß es nicht, wir seien bislang mit einem blauen Auge davon gekommen, die deutsche Wirtschaft im ersten Corona-Jahr 2020 vergleichsweise gut durch die Krise gesegelt? Der "Patient Wirtschaft" ist, so scheint es, noch lĂ€ngst nicht ĂŒber den Berg. Neben dem Infektionsgeschehen dĂ€mpfen auch Lieferprobleme und steigende Verbraucherpreise den Aufschwung. Und die Omikron-Variante könnte ebenfalls noch einmal Probleme bereiten.

Wie beeinflusst die vierte Welle die Wirtschaft?

Wegen der Corona-Mutation ist ein abermaliger Anstieg der Infektionszahlen sehr wahrscheinlich. Das bringe auch neue Risiken fĂŒr die Wirtschaft mit sich, so ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest bei der Vorstellung der Konjunkturprognose am Dienstag.

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Das zeige sich schon jetzt, in der vierten Welle der vergangenen Wochen: Zum einen wĂŒrden viele Menschen bei höheren Inzidenzen vorsichtiger. Viele wĂŒrden seltener Einkaufsstraßen und Restaurants besuchen. Zum anderen machten hohe Inzidenzen wieder EinschrĂ€nkungen nötig.

Clemens Fuest, PrÀsident des ifo Instituts
Clemens Fuest, PrÀsident des ifo Instituts (Quelle: ifo)

"Es sind allerdings nicht die 2G- und 3G-Maßnahmen, die die Wirtschaft belasten", betonte er. "Sie schĂŒtzen die Gesundheit und stĂŒtzen damit auch die Wirtschaft." Die Maßnahmen verkĂŒrzten die Pandemie und ermöglichten sicheren Konsum.

Hier habe die Politik – auch bedingt durch den Regierungswechsel – in den vergangenen Wochen geschlafen. So habe sich ĂŒberhaupt die vierte Welle aufbauen können, vor der das Robert Koch-Institut zuvor gewarnt hatte. Das schlage sich nun auch in der Wirtschaft nieder.

Wieso steht Deutschland schlechter da als andere LĂ€nder?

Das hĂ€ngt laut ifo Institut vor allem damit zusammen, dass die deutsche Wirtschaft international so stark vernetzt ist – und vergleichsweise viel aufs verarbeitende Gewerbe angewiesen ist, etwa auf den Autobau. "Die anhaltenden LieferengpĂ€sse und die vierte Corona-Welle bremsen die deutsche Wirtschaft spĂŒrbar aus", so ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user.

Das zeigt sich bei der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland und in anderen LÀndern. WÀhrend etwa die französische Wirtschaft im vergangenen Jahr um acht Prozent einbrach, konnte sie in diesem Jahr einen Zuwachs von 6,5 Prozent verzeichnen. Ein Àhnliches Bild ergibt sich in Italien. Ein drastischer Einbruch von neun Prozent in 2020, gefolgt von einem Zuwachs von 6,1 Prozent. Dem deutschen Einbruch mit einem Minus von 4,6 Prozent im vergangenen Jahr hingegen folgt nun nur ein Anstieg von 2,5 Prozent.

"Die zunĂ€chst erwartete krĂ€ftige Erholung fĂŒr 2022 verschiebt sich weiter nach hinten", sagt WollmershĂ€user. WĂ€hrend etwa die Lebensmittelindustrie in Frankreich und Italien zu großen Teilen im gleichen Land produziere, sei die deutsche Wirtschaft viel stĂ€rker arbeitsteilig aufgebaut und damit abhĂ€ngig von internationalen Lieferketten.

Timo WollmershĂ€user, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums fĂŒr Makroökonomik und Befragungen und Leiter Konjunkturprognosen
Timo WollmershĂ€user, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums fĂŒr Makroökonomik und Befragungen und Leiter Konjunkturprognosen (Quelle: ifo)

Ein Àhnliches Bild zeichnet eine Konjunkturumfrage der EuropÀischen Kommission. Darin gaben mehr als 80 Prozent der befragten Deutschen an, dass Materialmangel sie aktuell behindere. In Frankreich waren es hingegen nur um die 40 Prozent und in Italien sogar weniger als 10 Prozent.

Autobranche kÀmpft mit Chipmangel

Das zeigte sich in den vergangenen Monaten besonders in der Automobilindustrie. Lieferprobleme und Chipmangel haben die Branche auch weiterhin fest im Griff. UnlĂ€ngst sagte dazu auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: "Ein Grund ist die Corona-Pandemie, dadurch gab es ProduktionsausfĂ€lle. Zum anderen hat die Pandemie eine Digitalisierungswelle ausgelöst, so mussten beispielsweise neue Tablets fĂŒr Schulen angeschafft werden."

Der dritte Grund fĂŒr die Schwierigkeiten, so Dudenhöffer: Die Autobauer agierten sehr kurzfristig. "Zu Beginn der Pandemie wurden Bestellungen zurĂŒckgefahren", so der Experte weiter. Diese kurzen Planungshorizonte bringen die Autohersteller nun in die Bredouille (t-online berichtete).

Die Lieferprobleme treffen aber auch andere Branchen. Ob Spielzeug, Kleidung oder Elektronik, viele Produkte werden knapp. Wegen der Pandemie fielen an verschiedenen HĂ€fen Arbeiter aus, der Schiffsverkehr war unterbrochen und Container waren nur selten verfĂŒgbar.

Experte: Niedrige Impfquote gefÀhrdet Wirtschaft

Dass auch der Dienstleistungssektor erneut betroffen ist, hĂ€nge mit der vergleichsweise niedrigen Impfquote in Deutschland zusammen. Denn dadurch steige die Anzahl der Infektionen und die Menschen wĂŒrden wieder vorsichtiger, so ifo-Experte WollmershĂ€user. MobilitĂ€tsdaten und Auswertungen von Reservierungs-Apps fĂŒr Restaurants legten bereits nahe, dass viele Menschen wieder deutlich weniger unterwegs seien.

Was fĂŒr einen großen Unterschied die Impfquote macht, zeige sich bereits im innerdeutschen Vergleich. Denn nicht nur andere LĂ€nder, auch einzelne BundeslĂ€nder, schneiden besser ab, wenn sie eine höhere Anzahl an Geimpften vorweisen könne. Die niedrigste Impfquote hat Sachsen, die höchste Bremen (mehr dazu lesen Sie hier).

Im FrĂŒhjahr rechnet WollmershĂ€user mit Verbesserungen, auch bei den LieferengpĂ€ssen. Allerdings sieht er deutliche Risiken, je nach dem, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Hier sei "alles möglich".

Wie geht es mit der Inflation weiter?

FĂŒr Fuest steht fest: Wir befinden uns aktuell auf einem "Inflationsbuckel". Auf solch hohem Niveau werde es in den kommenden Jahren nicht dauerhaft weitergehen. Das Institut erwartet dennoch einen weiteren Anstieg auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr nach 3,1 Prozent 2021. Damit stellt sich das ifo Institut gegen die landlĂ€ufige Meinung vieler deutscher Ökonomen und der EuropĂ€ischen Zentralbank, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr wieder sinke.

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Treiber der Inflation sind Kosten durch LieferengpĂ€sse und eine verzögerte Anpassung an die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Aus verschiedenen Unternehmen hĂ€tten sie bereits Signale fĂŒr erhebliche Steigerungen bei den Verbraucherpreisen vernommen. Doch schon im Jahresverlauf 2022 erwartet WollmershĂ€user einen RĂŒckgang der Inflation und 2023 dann mit 1,8 Prozent einen "einigermaßen normalen Preisanstieg".

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