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"Fluggast-Triage" – droht jetzt der Reisekollaps in Deutschland?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 28.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Airport Köln-Bonn am vergangenen Wochenende: Lange Warteschlangen vor dem Check-in sorgen für Frust.
Airport Köln-Bonn am vergangenen Wochenende: Lange Warteschlangen vor dem Check-in sorgen für Frust. (Quelle: Thomas Banneyer/dpa-bilder)
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Wer aktuell in den Urlaub fliegt, muss starke Nerven mitbringen. Denn an Deutschlands Flughäfen herrscht Chaos – oder nicht?

Es sind Szenen, auf die man keine Lust hat, wenn es in den Urlaub gehen soll: volle Gänge, lange Schlangen am Check-in-Schalter und der Sicherheitskontrolle, ausfallende Flüge. Der geplanten Entspannung ist das wenig zuträglich. Doch das ist an vielen Flughäfen in Deutschland aktuell Realität.

Denn die Luftfahrt steckt in einem Dilemma. Mit Abebben der Corona-Pandemie will die Branche endlich wieder durchstarten und hatte sogar das Vorkrisenniveau im Blick.

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Das wirkliche Bild ist ein anderes. Kurz vor Beginn der Haupturlaubszeit hatten zahlreiche Fluggesellschaften Flüge gestrichen. Lufthansa sagte insgesamt knapp 3.000 Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München ab. Auch die Billigtochter Eurowings hat Hunderte Flüge im Juli gecancelt. Allein am Berliner Flughafen strich Marktführer Easyjet sein Programm für die Sommermonate um rund 1.000 Flüge.

Zu wenig Personal

Als Knackpunkt gelten Personalmangel und Engpässe bei Sicherheitskontrollen, Check-in und Flugzeugabfertigung. Laut Flughafenverband ADV ist dort etwa jede fünfte Stelle unbesetzt, konkret geht es um 5.500 Mitarbeiter, die fehlen.

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Der Grund: Da die Airlines und Flughäfen über die Corona-Zeit viele Stellen abgebaut haben, haben sich die Beschäftigten neue Jobs gesucht. Nun wurden wiederum zu wenige neue Leute eingestellt.

ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel will das nicht auf sich sitzen lassen. "Die deutschen Flughäfen und Dienstleister gingen in den vergangenen zwei Jahren durch eine existenzielle Krise: Es ging vielerorts ums pure Überleben. Ich wehre mich gegen den Vorwurf, wir hätten nicht genug Personal eingestellt."

Ralph Beisel (Archivbild): "Ich wehre mich gegen den Vorwurf, wir hätten nicht genug Personal eingestellt."
Ralph Beisel (Archivbild): "Ich wehre mich gegen den Vorwurf, wir hätten nicht genug Personal eingestellt." (Quelle: Rech/imago-images-bilder)

Die starke Nachfrage hätte kaum abgesehen werden können, so Beisel. "Vor einem Jahr hatten wir nur ein Fünftel der Fluggäste. Und noch im Februar verschickte die Regierung Reisewarnungen", sagt er. Im März hätten die deutschen Airports dann mit einer "gigantischen Initiative" versucht, Menschen einzustellen. Problem dabei laut Beisel: "Der Arbeitsmarkt ist komplett leergefegt."

"Eine 'Fluggast-Triage' wird es in Deutschland nicht geben"

Auch anderswo waren die Flughäfen vom Andrang der Kunden überrascht, etwa in Irland. Am Flughafen von Dublin greift das Management zu Auswahlmaßnahmen, um die Massen in den Terminals zu entzerren. Zu Stoßzeiten sollen nur noch Passagiere Zutritt zu ihrer Abflughalle bekommen, wenn ihr Flug innerhalb der nächsten zweieinhalb Stunden bei Kurzstrecken und drei Stunden bei Langstrecken abhebt. Der Rest muss vor dem Flughafen warten. Der Airport sprach gar von einer "Triage", die Fluggästen jetzt droht.

Hierzulande lehnt man solche rigorosen Pläne ab. "Eine 'Fluggast-Triage' wird es in Deutschland nicht geben. Das ist auch aus Sicherheitsgründen kaum vertretbar", so ADV-Chef Beisel. "Wenn die Menschen nicht ins Terminal dürfen, stehen sie draußen vor der Tür, auf Verkehrswegen. Das kann nicht in unserem Sinne sein."

Tausende Mitarbeiter aus dem Ausland sollen helfen

Beisel setzt dagegen auf Mitarbeiter aus dem Ausland, genauer: aus der Türkei und den Balkanstaaten. Die deutschen Flughäfen und ihre Bodendienstleister wollen 2.000 ausländische Aushilfen direkt anstellen. Die Arbeitskräfte sollen befristet für bis zu drei Monate kommen. Um die Voraussetzungen dafür zu klären, laufen derzeit Gespräche innerhalb der Bundesregierung.

Eine endgültige Entscheidung in Abstimmung der Ministerien für Arbeit, Inneres und Verkehr steht aber noch aus. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte am Montag dazu, Gespräche innerhalb der Regierung dauerten noch an.

Vor allem geht es um den Verzicht auf die sogenannte Vorrangprüfung, ob für die Jobs nicht auch inländische Arbeitnehmer zu Verfügung stünden. "Wir können es uns nicht mehr leisten, bei jeder einzelnen Stelle zu prüfen, ob es nicht einen Bewerber aus Deutschland gibt", so Beisel. "Den gibt es schlicht nicht."

"Das wird die Lage sichtlich entspannen"

Bevor die ersten im Ausland angeworbenen Arbeitskräfte an deutschen Flughäfen mit anpacken, dürften aber noch einige Wochen vergehen. Für das boomende Sommergeschäft könnten die Hilfskräfte mancherorts zu spät kommen, monieren derweil Branchenkenner.

"Besonders an Flughäfen in Bundesländern, in denen die Ferien erst Ende Juli beginnen, können die ausländischen Saisonarbeitskräfte für Abhilfe sorgen", sagt Beisel. "Die Aushilfskräfte können voraussichtlich ab Anfang August eingesetzt werden. Das wird die Lage sichtlich entspannen." Zunächst müssten sie eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen, die aber nur wenige Wochen dauert.

Auch das Bundesinnenministerium rechnet damit, dass sie noch während der Sommerferienzeit ihren Dienst am Flughafen verrichten werden können. Die kurzfristig angeworbenen Arbeitskräfte könnten zum Beispiel bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. "Bei den Sicherheitskontrollen kommt das wegen der dort nötigen Ausbildung und den dort geltenden Sicherheitsstandards nicht in Betracht", fügte er hinzu.

"Wir sehen ein grundlegendes Problem in der Luftverkehrsbranche"

Beisel sieht das anders und hält dagegen: "In der Ausgabe oder Rückführung der Wannen bei der Sicherheitskontrolle sollten wir auch auf ausländische Hilfskräfte setzen dürfen. Das gefährdet nicht die Sicherheit." Die Mitarbeiter seien schließlich sicherheitsüberprüft, geschult und könnten die Aufgabe erledigen.

Ziel der Bundesregierung sei es laut dem Sprecher, den Einsatz der zusätzlichen Arbeitskräfte rasch zu ermöglichen, "damit die Unternehmen diese massive Personalnot, die sie haben, nach der Corona-Zeit an den Flughäfen schnell ausgleichen können".

Allein: Damit ist es laut Beisel nicht ausgestanden. Er bietet der Bundesregierung daher an, dass die großen deutschen Verkehrsflughäfen, etwa die in Köln, Hamburg oder Düsseldorf, "die Steuerung der privaten Sicherheitsdienstleister selbst übernehmen". Derzeit macht das noch mit einigen Ausnahmen die Bundespolizei.

"Wir sehen aktuell ein grundlegendes Problem in der Luftverkehrsbranche, einen eklatanten Personalmangel", so der Verbandsfunktionär. "Der Bund sollte daher die Luftsicherheitsgesetzgebung alsbald anpassen. Die Flughäfen wissen am besten, wie viele Mitarbeiter in den Kontrollspuren benötigt werden."

Auch Reisende können mithelfen

Doch nicht nur der Bund und die Airports können etwas gegen das Flughafenchaos unternehmen – auch die Urlauber selbst. Beisel rät Reisenden, 2,5 bis 3 Stunden vor dem Abflug am Airport zu sein, früher aber auf keinen Fall. "Es bringt nichts, sechs Stunden vorher da zu sein. Das verstopft nur die Terminals." Auch sollten Reisende etwa den Online-Check-in nutzen sowie ihr Handgepäck korrekt packen. "So kann jeder was dafür tun, die Prozesse an den Flughäfen zu beschleunigen."

Stefan Baumert: Der Tui-Deutschland-Chef gibt sich optimistisch.
Stefan Baumert: Der Tui-Deutschland-Chef gibt sich optimistisch. (Quelle: localpic/imago-images-bilder)
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Stefan Baumert, Chef von Tui Deutschland, schlägt in dieselbe Kerbe. Bei einem Pressegespräch am Montagabend sagte er, 2,5 Stunden sollten für den Check-in, die Sicherheitskontrolle und das Boarding reichen. Er selbst gibt sich aktuell noch optimistisch.

Anders als die Konkurrenz müsste der Sommerflugplan von Tuifly nicht angepasst werden, so Baumert. Stand jetzt. Auch Beisel resümiert, 95 Prozent der Reisenden kämen ohne größere Schwierigkeiten zu ihrem Flug. "Zum Glück", so Beisel. "Für die wirtschaftliche Erholung unserer Branche brauchen wir jeden Passagier. Deshalb bleibt unser Anspruch, jedem Fluggast bereits am Boden ein angenehmes Reiseerlebnis zu bieten."

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